Das hatte sich Jess Thorup sicherlich anders vorgestellt, als er im Oktober beim ägyptischen Spitzenklub Al Ahly einen Vertrag bis 2028 unterschrieb. Nach zwei erfolgreichen Jahren im Abstiegskampf der Bundesliga wollte er nach seinem Rauswurf in Augsburg Titel sammeln. Doch jetzt durchlebt Thorup beim ägyptischen Rekordmeister Al Ahly sportliche Endzeittage.
Platz drei in der Liga ist für Al Ahly eine sportliche Katastrophe
Was im Oktober als Aufbruchsprojekt begann, endete jetzt in einem historischen Scherbenhaufen. Al Ahly Kairo – der 45-fache Meister, die unangefochtene Großmacht, der „FC Bayern Ägyptens“ – hat die Saison auf einem indiskutablen dritten Platz beendet. Das bedeutet das bittere und für den Klub beispiellose Verpassen der kommenden afrikanischen Champions League. Da nützte auch ein 2:0-Sieg im letzten Spiel der Meisterschafts-Play-offs bei El Masry nichts. Da der neue Meister, Erzrivale Zamalek SC (56 Punkte), und Pyramids FC (54 Punkte) nicht mehr patzten, blieb Thorups Mannschaft nur Platz drei.
Guter Start für Jess Thorup beim „FC Bayern Ägyptens“
Dabei ließ sich die Amtszeit des 56-jährigen Dänen vielversprechend an. Bereits einen Monat nach seinem Amtsantritt stemmte Thorup nach einem Finalsieg über Zamalek den ägyptischen Supercup in die Höhe. Damals gab sich der Trainer auf der offiziellen Klub-Homepage noch kämpferisch: „Dieser Titel wird nicht der Letzte sein. Ich habe meinen Spielern vor dem Finale gesagt: Lasst uns diesen Titel gewinnen und anfangen, Geschichte zu schreiben.“
Tischtuch zwischen Thorup, den Fans und dem Klub ist zerrissen
Die Geschichte, die folgte, glich jedoch eher einem sportlichen Drama für die erfolgsverwöhnten Ägypter. Das Team aus Kairo hat landesweit Millionen Fans. Bei Al Ahly reicht es nicht, nur zu gewinnen; hier wird drückende Dominanz und spielerisches Spektakel gefordert. Thorups pragmatischer, europäisch-defensiver Stil stieß bei den leidenschaftlichen Anhängern rasch auf heftige Ablehnung. Spätestens nach dem Aus im März im Viertelfinale der CAF Champions League war das Tischtuch zwischen Trainer, Fans und Klub zerrissen. Al Ahly, das die Trophäe schon zwölfmal gewonnen hatte, war am tunesischen Spitzenklub Espérance Tunis gescheitert. Jetzt folgte auch noch die Blamage in der Liga.
Die ägyptischen Sportmedien, die nicht gerade für ihren ausgewogenen und differenzierten Stil bekannt sind, ließen kein gutes Haar an Thorup. Der ägyptische Sportjournalist und Fußball-Analyst Mohamed Baz brachte das Problem zum Beispiel mit drastischen Worten auf den Punkt: „Jess Thorup hat hier alles kaputt gemacht. Platz drei in der Tabelle ist für Al Ahly eine Katastrophe, seit Jahren wurde erstmals wieder die Champions League verpasst. Hier zählen nur Titel. Er will aber nicht gehen.“
Es geht um sehr viel Geld
Auf jeden Fall nicht sofort. Denn es geht um sehr viel Geld. Wie ägyptische Medien berichten, hätte Al Ahly den Vertrag mit Thorup gerne sofort aufgelöst. Doch Thorup, der über 200.000 Dollar im Monat verdienen soll, hat noch einen bis 2028 gültigen Vertrag und spielt auf Zeit. Darum gab sich der Däne auf der Pressekonferenz nach dem letzten Saisonspiel kämpferisch, wie Baz berichtet: „Er hat gesagt, er habe sein Konzept für die kommende Saison an das Management geschickt, er warte auf die Antwort“, erzählt Baz und fügt an: „Aber die Antwort ist: Al Ahly will dich nicht mehr haben.“
Jetzt soll, wie kolportiert wird, der Vertrag zum offiziellen Saisonende am 1. Juli aufgelöst werden und Thorup mit drei Monatsgehältern Abfindung den Klub verlassen.
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