Zum Anforderungsprofil eines Bundesligatrainers gehört, stets Zuversicht auszustrahlen. Und diese möglichst glaubwürdig in die Mannschaft zu tragen. Mögen die Fakten – und derer gibt es viele in den Daten gefluteten Spielanalysen – noch so aussagekräftig und erdrückend sein, ein Trainer wird von Möglichkeiten und Chancen parlieren. Weit weniger von Risiken und Problemen.
Manuel Baum, 46, macht das nicht anders, als er zwei Tage vor dem nächsten Spiel Auskunft zum Zustand seiner Mannschaft und der des Gegners erteilt. „Ich bin grundsätzlich immer ein Optimist. Ich glaube, dass das extrem beeinflusst, wenn man schon schlechte Gedanken hat. Insofern gehe ich da immer positiv dran.“
Wer den FC Bayern München reizt, muss mit einer Abreibung rechnen
Wohl wissend, dass die kommende Aufgabe herausfordernder kaum sein könnte. Begegnungen mit dem FC Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr, Sky) bereiten derzeit keiner Mannschaft Freude. Müssen die Gegner schließlich damit rechnen, Tore zu kassieren und den Platz als Geschlagener zu verlassen. Das jüngste Opfer, die belgischen Vertreter von Union Saint Gilloise, sah sich daher veranlasst, selbst in Überzahl und trotz eines 0:2-Rückstands seine Defensivhaltung nicht aufzugeben. Eine Niederlage mit zwei Treffern Unterschied erachteten die Gäste als hinnehmbares Ergebnis.
Womöglich könnte sich auch Baum mit einem solch gelagerten Ausgang anfreunden, im Vorfeld würde er dies jedoch aus beschriebenem Grund niemals bestätigen. Deshalb: Zweckoptimismus. „Ich liebe es, eine Challenge zu haben“, betont er. Zu einem Zusatz ringt er sich dann doch durch: „Das ist natürlich eine besondere.“
Besser stand der FC Bayern nach 18 absolvierten Spielen niemals da. Dass die Münchner über Einzelkönner mit herausragenden Fähigkeiten verfügen, ist keine neue Erkenntnis. Baum allerdings hat eine Stärke erkannt, die bajuwarischen Vorgängerteams mitunter fehlte. Trainer Vincent Kompany ist nicht nur ein fachlich exzellenter Trainer, zugleich hat er einen Zugang zu seinen Stars gefunden. Es menschelt in der Münchner Mannschaft. Baums Respekt ist groß, wenn er sagt: „Wo ich sie überdurchschnittlich gut finde aktuell, ist, dass du bei den vielen herausragenden Einzelspielern das Gefühl hast, dass sie ein Team sind. Das macht’s ja dann noch gefährlicher, dass sie ständig hungrig sind.“
Manuel Baum hat mit dem FC Augsburg schon einmal in München gepunktet
Besagter Hunger sorgt dafür, dass gegnerische Teams hohe Niederlagen kassierten, wenn sich die Bayern gereizt fühlten. Gilloise gab sich unterwürfig – womöglich waren die Bayern deshalb so gnädig. Baum selbst hat schon erfahren, wie übel ein Kräftemessen mit dem Krösus enden kann. Er erinnert an ein 0:6 aus seiner ersten Zeit als FCA-Trainer. „Einmal übel hatte ich dort“, beschreibt Baum. Ihm gelang aber auch schon ein 1:1 in München, schiebt er hinterher.
Baum meint, jede Partie sei anders. Das Ergebnis indes ist oft das gleiche gegen die Bayern: eine Niederlage. Hinzu kommt die Unberechenbarkeit, die die Münchner bieten. Kane allein ist schwer zu verteidigen, aber auch Olise, Diaz, Gnabry, Karl oder jetzt wieder Musiala sind jederzeit in der Lage, Spiele allein zu entscheiden. Zu Beginn der Saison instruierte ein Trainer die Augsburger Mannschaft, der überzeugt war, mit seinen Ideen das Spiel zu revolutionieren; inzwischen gibt wieder ein Übungsleiter die Kommandos, der bedeutend pragmatischer denkt.
Neuzugang Arthur Chavez könnte in der FCA-Startelf stehen
Baum vergleicht sich mit seinem früheren Ich. Mit dem jüngeren Baum, der als Bundesligatrainer Karriere machen wollte. Der speziell gegen die Bayern Spezielles liefern wollte. Mit einem Schmunzeln sagt er: „Ich hätte vermutlich beweisen wollen, dass man was richtig cooles Neues macht.“ Der Baum aus dem Januar 2026 möchte niemandem mehr etwas beweisen. Ist stattdessen überzeugt, dass bestehende Verhaltensweisen und Abläufe eher zum Ziel führen. So würde es kaum überraschen, sollte der FCA versuchen, im tiefen Block das eigene Tor zu verteidigen und mit schnellen Gegenangriffen für offensive Momente zu sorgen.
Dabei helfen soll das Taschenmesser-Prinzip: Schauen, wen Kompany aufstellt – und das entsprechende Werkzeug ausklappen. Säge, Schere, was auch immer, so Baum. Seit Donnerstag hat der FCA sein Sortiment im Taschenmesser erweitert. Dort hatten die Verletzungen von Chrislain Matsima und Jeffrey Gouweleeuw eine Lücke hinterlassen. Diese füllt nun Innenverteidiger Arthur Chavez, der bei der TSG Hoffenheim zuletzt nicht mehr zum Einsatz kam. Bis zum Saisonende wird er auf Leihbasis in Augsburg spielen, danach könnte er fest verpflichtet werden. Weil Noakhai Banks aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist, könnte Chaves in München sogleich zu seinem Startelfdebüt kommen.
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