Sich einen Weg zu bahnen, war für Sandro Wagner alles andere als einfach. Bereits das Interview mit den Medienvertretern auf dem Platz hatte unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. Die nassforschen Nachwuchsfans scherten sich nicht darum, was der Stadionsprecher zuvor angemahnt hatte. Sie wollten nicht darauf warten, dass Wagner zu ihnen kam, stürmten stattdessen auf den Rasen der Gersthofer Arena und umlagerten den Trainer des FC Augsburg. Wagner ertrug den Hype um seine Person geduldig, schrieb hunderte Autogramme, lächelte in Handykameras. Der Vertraute und Individualtrainer David Binder versuchte im Verbund mit gelbwestigen Sicherheitsleuten den Bienenschwarm zu kontrollieren. Doch gelang dies nur mäßig.
Allein anhand der Menschentrauben, die sich um Spieler und den Trainer bildeten, ließ sich erkennen: Der Star des FCA ist jetzt der Trainer. Nur zentimeterweise schob sich Wagner mit seinem Anhang gen Kabine. Den Trainer und die Spieler hautnah zu erleben, darum war es dem Gros der 3.000 Besucherinnen und Besucher von Anfang an gegangen. Der sportliche Wert des Testspiels gegen den Bezirksligisten hielt sich erwartungsgemäß in Grenzen. Das 9:0 (3:0) dokumentierte die Kräfteverhältnisse zwischen erster und siebter Liga. Wagner wusste die Partie einzuordnen. Er erzählte von einem „rundum gelungenen Nachmittag“. Schön sei es gewesen, in einem solchen Umfeld zu starten. Niemand hätte sich verletzt, seine Spieler hätten Spaß am Fußball gehabt und Vorgaben schon ein Stück weit umgesetzt.
In der ersten Hälfte hatte der Trainer alle verfügbaren Spieler, die beim FCA derzeit Rang und Namen haben, aufgeboten. Lediglich auf einen Einsatz von Finn Dahmen verzichtete er. Der Stammtorhüter saß auf der Tribüne. Statt seiner hütete der dritte Torwart Daniel Klein das Gehäuse. Zu tun hatte der Torwart wenig bis nichts, das Geschehen verlagerten die Augsburger wenig überraschend in die Hälfte des Gegners. Wagner, der selbst als Profi etliche solcher Tests absolviert hat, betonte pflichtbewusst, in jedem Spiel Erkenntnisse zu gewinnen. „Auch gegen einen Bezirksligisten, der tiefer steht, ist es nicht immer einfach, Räume zu finden. Da haben wir wieder das eine oder andere Thema mitgenommen, das uns in der Analyse hilft.“
FC Augsburg testet in Memmingen und Lustenau
Mit der Partie in Gersthofen schloss der Fußball-Bundesligist seine erste Vorbereitungswoche ab. Am nächsten Wochenende testet der FCA in Memmingen (Freitag, 17 Uhr) und Lustenau (Samstag, 16 Uhr). Mancher Spieler zeigte sich überrascht von der Intensität, mit der Wagner eingestiegen war. Videositzungen und Einzelgespräche hatten auf dem Tagesplan gestanden, zweimal täglich war trainiert worden. Daran müssten sich seine Spieler erstmal gewöhnen, meinte Wagner. Zugleich dürfe er bezüglich Intensität und Umfänge nicht überziehen, um das Verletzungsrisiko kleinzuhalten. Um die Belastung einzugrenzen, wechselte der FCA-Trainer in der Pause seine komplette Elf. Fortan stand eine Mischung aus zurückgekehrten Leihspielern – unter anderem stürmte der abwanderungswillige Dion Beljo – und Nachwuchstalenten auf dem Platz. Letzteren den Weg in die erste Liga zu ermöglichen, zählt zum künftigen Anforderungsprofil des Trainers und der sportlichen Leitung.
Der 37-Jährige wiederholte seine Aussage von seiner Antrittspressekonferenz. Sagte, er sei kein „Transfertrainer“. Zugleich nimmt er selbst gewaltigen Einfluss auf sein künftiges Personal. Äußert Meinungen, gibt Empfehlungen ab. Am Montag kehren, mit Ausnahme von Chrislain Matsima, der nach der U21-EM seinen Urlaub verlängern durfte, die Nationalspieler des FCA zurück. Steve Mounié (Benin) und Cédric Zesiger (Schweiz) saßen in Gersthofen bereits auf der Tribüne. Die beiden werden gemeinsam mit Dimitrios Giannoulis (Griechenland), Elvis Rexhbecaj (Kosovo), Kristijan Jakic (Kroatien) und Samuel Essende (Kongo) einsteigen. Noch verletzt ist Neuzugang Elias Saad (Tunesien).
Das Fußballfest von Gersthofen und dem FCA in Bildern
Mit der Rückkehr der Auswahlspieler wächst der Kader auf dem Platz weiter an. Neben dem weiterhin intensiven Training und dem Erlernen taktischer Inhalte liegt der Fokus auf der Anpassung des Personals. Wagner fasste vielsagend zusammen: „Wir haben noch einen sehr großen Kader.“ Platz zu schaffen, ist eine der Aufgaben in den nächsten Wochen: für Eigengewächse mit Perspektive und punktuelle Verstärkungen. „Wir wollen Spieler nicht nur nach oben ziehen, um sie dabei zu haben. Wir haben als Verein den Anspruch, sie weiterzuentwickeln und ihnen Spielzeit zu geben“, so Wagner.
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