Sandro Wagner betont immer wieder, dass er „ein Lernender“ sei. Dass er sich auf einer Reise mit dem FC Augsburg befinde, die Tiefen und Höhen bereithält. Wie eigentlich immer in seiner Karriere. Als Spieler war das so, als Trainer bislang auch. Womöglich brauche er diese Auf und Abs, meinte der Augsburger Trainer am Donnerstag.
Am vergangenen Samstag hat er einen schweren Rückschlag erlitten. Ein Tief, das in seiner Gewaltigkeit überraschte. 1:4 zu Hause gegen Mainz verloren, zwei Gegentore in eigener Überzahl kassiert. Spott und Häme inklusive.
Wagner ist ein eloquenter Trainer. Einer, der sich ausführlich äußert. Der aber manchmal auch in eine falsche Schublade bei seiner Wortwahl greift. Wie etwa, als er nach der Niederlage gegen den FC Bayern München beide Teams qualitativ vergleichen sollte. Und betonte, dass sein FCA den Münchnern in nichts nachstehe. Eine Aussage, die Wagner als Verteidigung für den Standort Augsburg wählte. Für andere klang es nach Überheblichkeit und falscher Einschätzung. Entsprechend urteilten sie öffentlich über Wagner. Und das oftmals in wenig schmeichelhaften Worten.
Wagner sah die bisher beste Trainingswoche beim FCA
Wagner versucht, das auszublenden. Er vermeidet es, Schlagzeilen und Texte zu lesen. Seine Familie aber greift solche harsche Kritik an. Vor allem seine beiden ältesten Söhne, die in ihrem Alltag damit konfrontiert werden. Und dem Vater davon natürlich erzählen. Also landet der Spott auch irgendwann bei ihm. Ob er möchte oder nicht.
Womöglich gehört das zu einem Leben als Bundesligatrainer. Wagner versucht, auch daraus so viel wie möglich zu lernen. Für sich und seinen Werdegang als Trainer. Noch mehr aber lernt er aus Erlebnissen wie am vergangenen Samstag. „Das mag sich blöd anhören, aber die vergangenen Tage waren echt geil“, sagte er am Donnerstag. Der 37-Jährige sprach sogar von der bislang besten Trainingswoche in seiner Zeit beim FCA.
Die Woche habe ihm viel Spaß gemacht. Sie sei ein wichtiges Erlebnis für die Gruppe gewesen. „Wir haben versucht, Themen zu teilen: Was war der taktische Plan? Was war die Realität? Was machen Gegentore mit uns? Was macht Euphorie, die wir uns vornehmen? Gibt es einen Anker, an dem man sich festhält?“ erklärte er. Und er bezog die Spieler intensiv in die Analyse des Erlebten mit ein. „Für mich als Trainer habe ich viel gelernt“, stellte er fest.
Bei Niederlagen versuche er immer, „ruhig und im Inhalt zu bleiben.“ Und das zu beeinflussen, was er beeinflussen könne. Diesen Tipp habe er auch von deutlich erfahreneren Trainern erhalten, die er gerne mal um Rat fragt. Für Wagner bedeutet das, die Woche genau zu strukturieren. Was braucht es Tag für Tag, um der Mannschaft zu helfen? So stand am Donnerstag zum Beispiel das Defensivverhalten auf dem Plan.
Für Wagner ist es wichtig, nicht gleich beim ersten etwas heftigeren Widerstand die Balance zu verlieren. „Wenn wir verlieren, ändere ich nicht alles“, erklärte er, „wir brauchen einfach Zeit für die Entwicklung“. Auch er müsse lernen, sich manchmal etwas mehr Zeit und damit auch Geduld zu nehmen.
Wagner fordert: Nach jedem Fehler sofort weitermachen
Fehlerkultur sei in diesem Zusammenhang wichtig, betonte der Coach. Also, wie man damit umgeht, seine eigenen Nachlässigkeiten zu verarbeiten. Wagner nannte den Tennissport als gutes Beispiel. Selbst Topspieler verlieren da fast die Hälfte der ausgespielten Punkte und müssen damit klarkommen. Es gehe darum, „nach jedem Fehler sofort weiterzumachen“. Und das Vertrauen nicht zu verlieren. Das erwartet er auch von sich und seinen Akteuren.
Am Samstag ab 15.30 Uhr können die Augsburger beweisen, ob sie das verinnerlicht haben. Ob die Partie gegen Mainz nur ein Ausrutscher war oder ob die nun drei Niederlagen in Folge die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben. Heidenheim hat noch keinen Zähler in dieser Saison gesammelt, was die Aufgabe für den FCA nicht zwingend erleichtert. „Es ist sehr schwierig, dort zu bestehen“, sagte Wagner. In der vergangenen Saison verloren die Augsburger in Heidenheim mit 0:4. Eine Partie, die Wagner unter der Woche nicht mehr thematisiert hat.
Überlegen muss er sich noch, wen er für den verletzten Kapitän Jeffrey Gouweleeuw aufstellen wird. Der Niederländer fehlt wegen eines Innenbandanrisses im rechten Knie einige Wochen. „Für mich ist er ein wichtiger Ansprechpartner – nicht umsonst ist er Kapitän, ich habe ihn gezielt dafür ausgewählt“, sagte Wagner. Taktisch werde sich durch Gouweleeuws Fehlen nichts verändern. „Inhaltlich aber wird die Position anders ausgefüllt, weil der neue Spieler eine andere DNA mitbringt“, so Wagner. Cedric Zesiger könnte auf die Mittelposition in der Verteidigung rücken – oder der 18-jährige Noahkai Banks.
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