Als Außenseiter gekommen und ziemlich souverän drin geblieben: Der FC St. Pauli hat eine erfolgreiche Rückkehrsaison in der Bundesliga hinter sich und möchte daran anknüpfen. Leicht wird das aber vermutlich nicht.
Der Klassiker zu Beginn: Ist die zweite Saison nach dem Aufstieg auch für St. Pauli die schwerste?
Nicht unwahrscheinlich. Die Aufstiegseuphorie ist natürlich nicht mehr da, auch wenn die Hamburger jedes Jahr in der Bundesliga zu schätzen wissen. Mit Philipp Treu (Freiburg), Morgan Guilavogui (zurück nach Lens nach Leihe), Noah Weißhaupt (zurück nach Freiburg nach Leihe) oder Elias Saad (Augsburg) sind einige Stammspieler weg. Dazu wird Kapitän Jackson Irvine nach seiner Fuß-OP Ende April mindestens den Saisonstart verpassen. Der Auftakt in der Liga hat es außerdem durchaus in sich.
Was macht da Hoffnung?
Auch das ist einiges. Viele wichtige Spieler sind geblieben, die Vorbereitung lief bisher ziemlich gut und offenbarte, dass die Defensive wie schon zuletzt wieder das Prunkstück sein kann. Trainer Alexander Blessin ließ jedoch schon anklingen, dass die Gegner künftig nicht mehr nur gegen das massive Abwehrbollwerk (letzte Saison mit 41 Gegentore die zweitwenigsten der Liga!) laufen, sondern auch mit hohem Pressing unter Druck gesetzt werden sollen. Im Trainingslager im österreichischen Flachau zeigte die Mannschaft eine starke Frühform, zum Beispiel mit einem 2:0-Sieg gegen OGC Nizza und einem 6:1 gegen Zweitligist Karlsruher SC.
Wer könnte für noch höheren Druck auf den Gegner sorgen?
Kapitän Irvine ist mit seinem bedingungslosen Einsatz das Vorbild auf dem Feld, aber er fällt ja nun erstmal aus. Im wahrsten Sinne des Wortes ist dafür schon jetzt Joel Chima Fajita ins Zentrum gerückt. Der Neuzugang von VV St. Truiden aus Belgien ist mit einer Ablöse von rund 3,5 Millionen Euro der Rekordtransfer am Millerntor und hat in der Vorbereitung durchaus schon gezeigt warum das so ist. Der Japaner präsentierte sich bisher sehr zweikampf- und laufstark sowie überaus einsatzfreudig. Also quasi ein zweiter Irvine. Groß war die Freude auch über den Transfer von Louis Oppie. Der Linksverteidiger von Arminia Bielefeld soll Dampf über die linke Seite machen.
Aber wer schießt in der kommenden Saison die Tore?
Das ist so eine Sache beim FCSP. So stark die Abwehr, so schwach war der Angriff zuletzt. 28 Tore waren nur zwei mehr als Harry Kane alleine erzielt hat und mit einigem Abstand der schwächste Wert der Liga. Nun sind mit Guilavogui (sechs Tore), Saad und Johannes Eggestein (je drei) die besten Torschützen auch noch weg. Bei der Akquise des neuen offensiven Personals wurde Wert auf Wucht und Tempo gelegt. Den auffälligsten Eindruck machte bisher Mathias Pereira Lage. Der Franzose mit portugiesischem Pass kommt aus Brest und hat schon in der Champions League gespielt. Im Sturm ist Andreas Hountondji (Leihe aus Burnley) eine Alternative, aber eben noch nicht mehr. X-Faktor könnte Oladapo Afolayan werden. Der Außenstürmer hatte nach dem letzten Saisonspiel zu einer kleinen Schimpftirade gegen Trainer und System angesetzt, sodass ein Abschied wahrscheinlich erschien. Davon ist nach einer guten Vorbereitung jetzt aber erstmal keine Rede mehr.
Bleibt St. Pauli also die Nummer eins in Hamburg?
Das ist zumindest innerhalb der Grenzen der Hansestadt die große Frage. Nachdem St. Pauli nach der Bundesligarückkehr erstmals die Nummer eins war, ist der ehemalige Dino jetzt ja auch zurück. Als Aufsteiger gewissermaßen zwar in der Rolle des Herausforderers, vom innerstädtischen Selbstverständnis sieht das wohl aber etwas anders aus. Das Gute dabei: Überprüfen lässt es sich schnell. Schon am zweiten Spieltag treffen der HSV und der FC St. Pauli im Volksparkstadion aufeinander.
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