Kanu-Weltcup 2026 in Augsburg: Ricarda Funk fährt zu Hause zum Sieg
Lichtblick für Kanu Schwaben Augsburg: Emily Apel gelingt ein starkes Karrierezeichen
Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach und KSA) hebt die Hände in die Luft. Der Jubel am Augsburger Eiskanal ist laut. Die deutsche Kanutin war im Finale der K1-Frauen mit viel Risiko durch die Tore geschossen, hatte die Bestzeit übernommen und durfte danach zusehen, wie ihre Konkurrentinnen daran scheiterten, sie einzuholen. Am Ende stand fest: Funk gewinnt den Weltcup-Auftakt in Augsburg – und macht aus einem lange durchwachsenen deutschen Tag doch noch einen tollen Heimsieg. Auf der Strecke, die sie schon ihr ganzes Leben kennt und auf der sie 2022 die WM gewann. Der Augsburger Eiskanal und Ricarda Funk – das passt einfach wie die Faust aufs Auge.
„Ich könnte kaum glücklicher gerade sein“, sagt Funk kurz nach ihrem Erfolg. Ihr Finallauf sei „nahezu perfekt“ gewesen. Auf der Strecke, auf der sie seit jeher trainiert, fuhr die ehemalige Olympiasiegerin fehlerfrei zu 98,68 Sekunden. Camille Prigent aus Frankreich wurde mit 1,15 Sekunden Rückstand Zweite, Klaudia Zwolinska aus Polen kam auf Platz drei. Für Funk war es ein besonderer Sieg: vor Familie und Freunden, auf vertrautem Wasser, an einem vertrauten Ort. „Es könnte gerade nicht schöner sein“, sagt sie mit einem großen Lächeln auf den Lippen.
Dabei hatte ihr Tag nicht ganz so souverän begonnen. Schon in der Qualifikation kassierte Funk am zweiten Tor zwei Strafsekunden. Später kam ein weiterer Zweier hinzu. Weil sie auf ihrer Heimstrecke aber dennoch schnell unterwegs war, zog sie als Vierte sicher ins Finale ein. Dort passte dann fast alles. Funk sprach danach von „kontrolliertem Risiko“. An der einen oder anderen Stelle sei sie „on the edge“ gewesen. Das sei aber auch „einkalkuliert“ gewesen. Gerade mit Blick auf die Weltmeisterschaft in Oklahoma Ende Juli sei der Sieg ein wichtiges Signal: „Wir wissen jetzt, wir können ganz vorne mithalten, wenn es läuft“, so Funk. Danach ging es zum Jubeln aufs Podest.
Auch international sorgte die Qualifikation der Frauen für Überraschungen. Die australische Topfavoritin Jessica Fox, eine der prägenden Figuren des Kanuslaloms, verpasste nach zwei Torberührungen als 16. überraschend den Finaleinzug. Auch ihre Schwester Noemie Fox schied aus. Damit war der Weg im Frauen-Finale offener als erwartet – so hieß es dann: freie Fahrt für Funk.
Der zweite deutsche Lichtblick bei den Frauen war die junge Emily Apel (KSA). Die Augsburgerin hatte schon in der Qualifikation einen schnellen Lauf gezeigt, trotz zwei Torberührungen aber noch um den Finaleinzug zittern müssen. Als Elfte rutschte sie knapp in den Finallauf. Dort fuhr sie erneut stark und belegte am Ende den geteilten fünften Platz. Ihre Zeit von 103,14 Sekunden bedeutete 4,46 Sekunden Rückstand auf Funk. Zwei Strafsekunden verhinderten noch mehr.
„Es hat mega Spaß gemacht“, so Emiliy Apel nach ihrem Finallauf. Ihre Familie und Freunde seien da gewesen, es sei richtig laut gewesen, so etwas erlebe man nicht bei jedem Weltcup. Mit ihrer Leistung war sie weitgehend zufrieden. Nur die Berührung ärgerte sie. Sie hat das Gefühl, dadurch „ein bisschen die Medaille“ weggeworfen zu haben. Bundestrainer und Vater Thomas Apel ordnete den fünften Platz dennoch als besonderes Ergebnis ein. Er gratulierte ihr zu ihrem „Personal Best“ im internationalen Wettkampfbetrieb. Eine leichte Berührung habe sie das Podium gekostet.
Dass Funk und Apel den Tag so positiv drehten, war aus deutscher Sicht besonders wichtig. Denn bei den Männern war der K1-Auftakt deutlich schwieriger verlaufen. Noah Hegge, Lokalmatador und Star von Kanu Schwaben Augsburg und einer der deutschen Hoffnungsträger, scheiterte bereits in der Qualifikation. Mit 95,59 Sekunden und zwei Strafsekunden blieb ihm nur Platz 17. „Es war auf jeden Fall kein Lauf, der leicht von der Hand ging“, sagte Hegge nach dem Ausscheiden. Der Einstieg sei noch ordentlich gewesen, danach habe er Probleme bekommen. Besonders ärgerlich war eine Berührung, die nachträglich gewertet wurde und ihn wohl das Finale kostete. Hegges Fazit fiel nüchtern aus: „Ist, wie es ist, muss man abhaken. Es geht weiter.“
Deutlich besser lief es für den noch jungen Christian Stanzel (AKV) – auch wenn das Ergebnis am Ende trotzdem bitter war. Der 21-Jährige zeigte in der Qualifikation einen starken Lauf, kassierte am roten Aufwärtstor 18 aber zwei Strafsekunden kurz vor dem Ziel. Mit 94,64 Sekunden wurde er 13. und verpasste den Finaleinzug der besten zwölf Fahrer nur um vier Hundertstelsekunden. Der Italiener Giovanni De Gennaro lag auf Rang zwölf bei 94,60 Sekunden. Knapper geht es kaum.
Stanzel war das Lächeln trotzdem nicht aus dem Gesicht zu merzen. Schon direkt nach dem Qualilauf hatte er gesagt, er sei „echt zufrieden“, auch wenn der Zweier an Tor 18 schade war. Am Ende sei er etwas eingebrochen, habe den Fokus stärker auf die Schläge und die Kraft gelegt und dadurch den Torstab aus dem Blick verloren. Nach dem endgültigen Ergebnis blieb er trotzdem positiv. Es sei erst sein zweiter Weltcup, so Stanzel. „Dieses Jahr habe ich schon zeigen können, dass ich gut paddeln kann“. Damit sei er auch sehr zufrieden.
Als einziger deutscher Kajakfahrer erreichte Stefan Hengst (KR Hamm und AKV) das Finale. In der Qualifikation kam er als Zehnter weiter, im Endlauf belegte er schließlich Platz sieben. Auf Sieger Jakub Krejci aus Tschechien fehlten ihm 8,14 Sekunden. Hengst selbst war mit seinem Finallauf nicht restlos zufrieden. Schon oben habe es „nicht ganz so funktioniert wie geplant“, so Hengst. An Tor drei und vier habe er Zeit liegen lassen, später sei der Lauf etwas „aus dem Ruder“ geraten. Die Strecke sei selektiv gewesen, mit Tücken und wechselndem Wasser. Dass er es dennoch ins Finale geschafft hatte, sah er positiv. „Mit etwas rechnen kannst du in dieser Sportart nie“, gab sich Hengst nüchtern nach dem Finale.
Bundestrainer Thomas Apel zog am Ende des Tages eine gemischte, aber dennoch gute Bilanz. „Positiv überstrahlt natürlich der Sieg von der Ricarda“, sagte er zufrieden. Dazu kommen Emilys Apels starker fünfter Platz und Stanzels überzeugender Auftritt trotz des hauchdünn verpassten Finales. Bei den Kajak-Männern sei „die Leistungsdichte brutal“. Wenn „ein Zweier den Unterschied zwischen einem Finalplatz und Rang 17“ ausmache, sehe man, wie eng alles beieinanderliege.
Am Samstag geht der Weltcup in Augsburg mit den Canadier-Wettbewerben (C1) in die nächste Runde. Dann dürften viele Blicke auf den Augsburger Fanliebling Sideris Tasiadis (KSA) gerichtet sein. Der Routinier kennt den Eiskanal wie kaum ein anderer. Bundestrainer Apel hofft, dass auch dessen „Fanclub wieder für Stimmung sorgt“. Tasiadis sei motiviert, gut drauf und wolle sein Bestes zeigen. Nach dem Funk-Sieg am Freitag hat der Heimweltcup dafür schon am ersten Tag seinen ganz großen Moment mit Heimsieg bekommen.
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