Unbekannt ist dieses Bild nicht. Zumindest für diejenigen, die sich schon länger mit der Formel 1 beschäftigen. Sich über Siege freuende Mercedes-Fahrer haben jahrelang die Formel 1 geprägt. Allen voran Lewis Hamilton, der bei den Silberpfeilen mit sieben Titeln zum Rekordweltmeister gemeinsam mit Michael Schumacher wurde. Auch Nico Rosberg profitierte von der Überlegenheit des Autos und hat seit 2016 einen WM-Titel in seinem Lebenslauf stehen. Von 2014 bis 2020 dauerte die Alleinherrschaft von Mercedes in der Königsklasse.
Von Langeweile war damals die Rede. Davon, dass eine Formel 1 mit dem immer gleichen Weltmeister so spannend sei wie der Meisterkampf der Fußball-Bundesliga, den ohnehin meist der FC Bayern für sich entscheidet. Während im Fußball Bayer Leverkusen die Münchner Titelherrschaft mal kurz unterbrochen hatte, wurde Red Bull zum Ärgernis für Mercedes. Weil dieses einstige Spaßteam mit Max Verstappen zum Trophäensammler wurde. Für Mercedes begann eine Leidenszeit. Allen voran für Lewis Hamilton, dessen Traum vom achten Titel sich nicht mehr erfüllen wollte mit den Silberpfeilen. Mittlerweile fährt der Brite für Ferrari.
Stand jetzt würde sich Hamilton wohl wünschen, er wäre bei Mercedes geblieben. Der deutsch-britische Rennstall hat die große Regelveränderung vor dieser Saison bislang am besten gemeistert und ist wieder dort, wo er sich selbst ohnehin sieht: an der Spitze. Drei Rennen sind vorbei, in jedem stand ein Mercedes-Pilot auf dem Siegerpodest ganz oben. In Australien George Russell, in Shanghai und Suzuka sein Teamkollege Kimi Antonelli.
Kritik an Neuerungen in der Formel 1: Max Verstappen droht mit seinem Abschied
Die Formel-1-Autos sind kürzer und schmaler geworden. Der Motor ist eine Neu-Entwicklung, der elektrische Anteil beträgt mittlerweile 50 Prozent. Bedeutet für die Fahrer: weniger Vollgas und mehr Energiesparen. Nicht jeder Pilot kommt damit klar, Max Verstappen schimpft seit Jahresbeginn über die Entwicklung der Rennserie. Das habe mit Königsklasse nichts mehr zu tun, so der Tenor des Niederländers. Es könne gut sein, dass er bald die Lust verliere und sich anderen Rennserien widmet.
Zuletzt in Japan sagte Verstappen der BBC: „Natürlich versuche ich, mich darauf einzustellen, aber die Art und Weise, wie man hier fahren muss, ist nicht schön. Das ist wirklich das Gegenteil von Fahrspaß. Lohnt sich das? Oder genieße ich es mehr, zu Hause bei meiner Familie zu sein?“ Verstappen also droht offen mit einem Abschied, was auch der sportlichen Lage geschuldet sein könnte. Rennsiege sind für ihn gerade ähnlich weit entfernt wie günstige Benzinpreise an der Zapfsäule.
Deutlich mehr Spaß haben seine Mercedes-Kontrahenten. Weil ihr Auto überlegen ist. In Suzuka zwar nicht mehr so deutlich wie bei den Rennen zuvor, aber eine Lücke zur Konkurrenz war noch erkennbar. Mit einem Trick beim Verdichtungsverhältnis hatten die Ingenieure des deutschen Werksteams mehr Leistung aus dem Motor herausgeholt. Zum 1. Juni soll diese Regellücke geschlossen werden.
In diesem Jahr finden nur 22 Formel-1-Rennen statt
Bis dahin dürfte sich an der Mercedes-Überlegenheit wenig ändern. Allerdings finden im April keine Rennen statt. Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich auch auf die Formel 1 aus. Aus Sicherheitsgründen wurden die Rennen in Bahrain (12. April) und in Saudi-Arabien (19. April) abgesagt. Portugal oder die Türkei waren kurzzeitig als Ersatzkandidaten ins Spiel gebraucht worden, diese Idee aber wurde schnell wieder verworfen. So werden in diesem Jahr nur 22 Rennen statt der geplanten 24 gefahren.
Für die Formel 1 und die Teams bedeutet das einen großen finanziellen Verlust. Die Veranstalter in Bahrain und Saudi-Arabien sollen jährlich rund 100 Millionen Dollar an die Dachorganisation überwiesen haben. Geld, das fehlt. Vor allem auch im Preisgeldtopf für die Teams. Immerhin sparen die sich Reisekosten und Geld für eventuelle Ersatzteile an ihren Fahrzeugen.
Fast fünf Wochen Pause zu Jahresbeginn sind für die Formel 1 ungewöhnlich. Für einige Teams bietet sich die Möglichkeit, an den bisher lahmenden Autos weiter zu tüfteln. Auch Primus Mercedes wird die Zeit nutzen. „Ich werde den Moment genießen, aber die Zeit gut nutzen, um an den Punkten zu arbeiten, an denen ich mich verbessern kann. Als Team wissen wir, dass wir uns trotz der Siege in den ersten drei Rennen weiter steigern müssen“, sagte der 19-jährige Antonelli. Klingt beinahe nach einer Warnung an die Konkurrenz. Vom bisher jüngsten Fahrer, der je die WM angeführt hat.
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