Nachhaltigkeit ist das zentrale Schlagwort, mit dem sich München für Olympische und paralympische Sommerspiele bewerben will. Egal, ob es nun um das Jahr 2036, 2040 oder 2044 geht: Zum Großteil sollen Sportstätten, die schon für die Sommerspiele 1972 gebaut wurden, wieder genutzt werden. In der Historie der Olympischen Spiele ging es bislang eher selten um Nachhaltigkeit. Die Süddeutsche Zeitung zitierte jüngst eine Studie der Universität Oxford aus dem Jahr 2024, in der die Gesamtkosten für Sommerspiele aus dem Budget für die Ausführung und den Nebenkosten addiert wurden. Letztere bezogen sich nur auf Ausgaben für Infrastruktur, die unmittelbar mit den Spielen zusammenhängen – also neu errichtete Stadien oder olympische Dörfer. Im Ergebnis überzogen alle 23 untersuchten Winter- und Sommerspiele ihr Budget. Spitzenreiter ist Montreal 1976, das mit 720 Prozent Mehrkosten übers Ziel hinausschoss. Es folgen Rio de Janeiro 2016 (352 Prozent) und Barcelona 1992 (266 Prozent). Paris 2024 überzog um satte 115 Prozent. Die Gesamtkosten für zwei rauschhafte Sommerwochen in der französischen Hauptstadt könnten bei bis zu zehn Milliarden Euro liegen. Nur die wenigsten Gastgeber schafften es bisher, diese Ausgaben wieder zu erwirtschaften.
Nachhaltigkeit war schon 1972 ein zentrales Argument
Das zentrale Gegenargument der Befürworter einer Münchner Olympiabewerbung ist Nachhaltigkeit. Schon als es um die Spiele 1972 ging, hatte München damit geworben, dass die Sportstätten explizit für den Breitensport erhalten bleiben und für vielfältige andere Nutzungsmöglichkeiten infrage kommen sollten. Die bayerische Metropole sieht sich als lebenden Beweis dafür, wie eine Stadt über Jahrzehnte von Investitionen in Infrastruktur profitieren kann.
Konkrete Zahlen zu den erwarteten Kosten lassen sich auf der offiziellen Seite der Münchner Olympiabewerbung nicht finden. Dort wird erst darauf hingewiesen, dass das IOC die Bewerbungskosten um über 80 Prozent gesenkt habe. Der DOSB gehe jetzt von maximal 10 Millionen Euro aus. Angesichts der avisierten Milliardenbeträge, sollte München tatsächlich den Zuschlag bekommen, ist das verschwindend wenig. Auf der Homepage, die die Landeshauptstadt München mit ihrem Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Impressum verantwortet, steht weiter: „Olympische Spiele bis zum Jahr 2020 unterlagen einer enormen Kostensteigerung. Verantwortlich dafür war häufig eine Mischung aus unflexiblen und hohen Anforderungen des IOC sowie dem eigenen Ehrgeiz der Ausrichter.“ Die Olympischen und Paralympischen Spiele von Paris seien die erste Ausgabe gewesen, die auf Basis von IOC-Reformen organisiert wurden. Die Gesamtkosten würden offiziell mit circa neun Milliarden Euro angegeben. „Davon entfielen etwa 50 Prozent auf die eventbezogenen Durchführungskosten, also etwa 4,5 Milliarden Euro, die jedoch zu 95 Prozent aus dem privaten Sektor finanziert wurden – inklusive 1,23 Milliarden Euro von Seiten des IOC.“ Da diese Refinanzierung aus gesicherten und größtenteils kalkulierbaren Quellen erfolge (Ticketverkauf, Beitrag des IOC aus den TV-Rechten, Gelder von Sponsoren) könne auch für München davon ausgegangen werden, „dass diese Kosten ebenfalls weitgehend erwirtschaftet werden können“.
Sommerspiele in Paris kosteten bis zu 10 Milliarden Euro
Keine Zahl nennen die Olympia-Befürworter für die Infrastrukturkosten. Es gibt nur einen Hinweis: In Paris habe das Budget für infrastrukturelle Investitionen bei 4,5 Milliarden Euro gelegen. Und: „Diese Kosten wurden zu 50 Prozent durch den privaten Sektor getragen und waren damit deutlich stärker fremdfinanziert, als dies ohne Olympische Spiele der Fall gewesen wäre.“
Konkret soll der Olympiapark das Herzstück der Spiele und das Areal im Norden bis zum Olympischen Dorf und im Süden bis zum Leonrodplatz erweitert werden. Rund um den Olympiapark befinden sich auch die meisten anderen Sportstätten, namentlich der Odeonsplatz, die Schlösser in Nymphenburg und Oberschleißheim, der Englische Garten. Die Olympia-Regattastrecke Oberschleißheim, die Olympia-Reitanlage Riem und die Olympia-Schießanlage Garching würde auch bei einer Neuauflage der Spiele in München wieder Heimat olympischer und paralympischer Sportarten.
Olympia-Schwimmhalle kann nicht ausgebaut werden
Dass das Konzept der Nachhaltigkeit aber auch an Grenzen stößt, zeigt die denkmalgeschützte Olympia-Schwimmhalle. Sie verfügt nur über acht Bahnen und kann offensichtlich nicht auf die erforderlichen zehn Bahnen ausgebaut werden. Stattdessen soll in der Freisinger Konzertarena ein mobiler Pool errichtet werden. In Paris waren die Beckenwettbewerbe nach dem gleichen Prinzip in ein Rugbystadion eingezogen. Augsburg bekäme ebenfalls etwas ab vom olympischen Flair. Wie schon 1972 würde der Eiskanal die Kanu-Wettbewerbe beherbergen. Zudem ist geplant, einige Fußballspiele in der WWK-Arena auszutragen.
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