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Nationalelf: Undav und Karl überzeugen – wird Pink die neue DFB-Trendfarbe?

WM 2026

Vorsichtig euphorisch in die USA: Das sind die Lehren des Länderspiels gegen Finnland

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    Läuft doch: Deniz Undav, Felix Nmecha und Lennart Karl bejubeln das zwischenzeitliche 3:0 gegen Finnland – und haben auch beim Schuhwerk einheitliche Vorstellungen.
    Läuft doch: Deniz Undav, Felix Nmecha und Lennart Karl bejubeln das zwischenzeitliche 3:0 gegen Finnland – und haben auch beim Schuhwerk einheitliche Vorstellungen. Foto: Federico Gambarini, dpa

    An der Fassade des Mainzer Stadions waren die großen Digitalbildschirme im DFB-Modus. „Es ist WM, wenn du merkst, dass es ernst wird“, war darauf zu lesen. So richtig ernst war es natürlich noch nicht, was am Sonntagabend im Stadion vor sich ging. Mit etwas mehr als 25.000 Zuschauern war der letzte Test vor dem Abflug der deutschen Nationalmannschaft nach Nordamerika nicht ausverkauft, passen bei internationalen Spielen doch 27.000 Fans in die Arena. Und dann ist es eben noch kein Weltmeisterschaftsspiel gewesen, das es im Stadion zu sehen gab. Die Finnen mögen sich am Sonntag zwar mal wieder zum Weltmeister im Eishockey gekrönt haben, im Fußball war ihre Auswahl aber noch nie bei dem Turnier dabei. Das Fazit des 4:0-Siegs der deutschen Nationalmannschaft fällt deshalb vorsichtig positiv aus.

    Kapitän Joshua Kimmich etwa sagte: „Natürlich war das nicht der Top-Gegner, da werden bei der WM andere Mannschaften auf uns warten.“ Zugleich habe man sich in der Vergangenheit aber auch schon schwer genug getan, gegen Gegner dieser Kragenweite. Grund genug, dass die Ersatzspieler am Montag ein zweites Testspiel über 2 x 25 Minuten gegen die Finnen absolvierten, um die Spielpraxis beizubehalten. Die deutsche Mannschaft gewann auch dieses Spiel, wenn auch nur durch ein Eigentor mit 1:0.

    Positive Erkenntnisse könne man aber in jedem Fall von dem Spiel am Sonntagabend ableiten, sagte Kimmich. Etwa den Umstand, dass die vier Tore aus unterschiedlichen Szenarien resultierten: Der Führung durch Undav ging einer Ecke voraus (34.), beim 2:0 störte eben jener Undav die finnische Defensive so, dass der Ball über Florian Wirtz im Kasten landete (48.). Das dritte deutsche Tor war ein schneller Gegenstoß, der über Lennart Karl erneut Undav fand, wobei der VfB-Stürmer seinen zweiten Treffer erzielte (57.). Das 4:0 zum Abschluss von Musiala (63.) entsprang dann einer feiner Kombination der Bayern-Spieler Aleksandar Pavlovic und Karl. „Für uns war wichtig, dass wir aus vielen Phasen des Spiels heraus gefährlich werden können. Und einige Spieler haben wirklich ein sehr gutes Spiel gemacht“, so Kimmich.

    Undav freute sich über seinen „10/10-Abend“ – und erhielt Lob vom Bundestrainer

    Vor allem zwei Profis machten nachhaltig Werbung in eigener Sache: Zum einen natürlich Undav, der mit zwei Toren und einer Vorlage so etwas wie der Mann des Spiels war. „Ein 10/10-Abend“ sei das für ihn gewesen, befand der Angreifer beim ZDF. Dass er vor seinem ersten Treffer zwei große Chancen hatte, bei denen er jeweils an Finnlands Keeper Lukas Hradecky scheiterte, sei deswegen zu verschmerzen gewesen. Insgesamt kommt Undav nun auf sechs Treffer in acht Länderspielen – und bekam nun, anders als beim letzten Siegtreffer, dem 2:1 gegen Ghana, Lob vom Bundestrainer. Undav war „sehr gefährlich und hat ein gutes Spiel gemacht“. Dass dem treffsicheren Stürmer aber, sobald Arsenal-Stürmer Kai Havertz in den USA zur Mannschaft gestoßen ist, wohl nur die Rolle als Joker bleiben wird, ist ebenfalls Teil der Wahrheit – oder doch nicht? Nagelsmann ließ sich da ein Hintertürchen offen: „Wenn du zwei Tore machst und einen vorlegst, spielst du dich nicht aus der Mannschaft.“ Gute Nachrichten für die VfB-Fans folgten ohnehin am Montag: Da wurde bekannt, dass Undav seinen bis 2027 laufenden Vertrag bei den Schwaben vorzeitig bis 2029 inklusive einer Option auf ein weiteres Jahr verlängert hat.

    Lennart Karl zu seiner Spielweise: „Ich scheiß mir nichts“

    Der zweite Spieler, der die Partie in Mainz eindrucksvoll nutzte, war Bayerns Shootingstar Lennart Karl. Zum ersten Mal durfte der 18-Jährige in der Nationalmannschaft starten und zeigte von Beginn an, welche Bereicherung er für das Spiel sein kann. Nominell kommt Karl zwar „nur“ auf eine direkte Vorlage, faktisch hatte er aber bei den meisten gelungenen Offensivaktionen seine Füße im Spiel. Sein eigenes Spiel beschrieb er nach Abpfiff so: „Ich gebe einfach Vollgas. Dann kommen ein paar Skills und lustige Sachen dazu.“ Sieht auch Nagelsmann so: „Er bringt alles mit, um im Fußball für Furore zu sorgen.“

    Mancher meinte schon, beim Aufwärmen die Auswirkungen von Karl auf die Nationalmannschaft bemerkt zu haben: Bis auf Torwart Oliver Baumann liefen alle Spieler mit pinken Schuhen auf – Zufall oder eine Referenz an Karl, der beim Bayern-Spiel gegen Real mit einem komplett pinken Outfit für Aufsehen gesorgt hatte? Nagelsmann goutierte die Schuhwahl seiner Kicker: „Ich mag Pink als Farbe – sie ist freundlich und hat doch die nötige Aggressivität. Ich glaube nicht, dass es wegen Lenny war.“ Ob Pink bei der WM zur deutschen Modefarbe ist? Wenn es nach Karl selbst geht, wohl nur allzu gerne. Der Teenager verspürt nichts vom Druck und offenbarte seine gesunde Einstellung fürs Leben im Allgemeinen und den Fußball sowieso: „Ich habe einfach Bock zu zocken. Ich scheiß mir nichts.“ Ernst wird es im Fußball ohnehin noch früh genug.

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