Wer Heidi Terpoorten kennt, weiß, welches Energiebündel diese Frau ist. Die Binswangerin sitzt für die Grünen im Kreis- und Bezirkstag. Sie tat dies mit Leib und Seele. Dabei scheute sie auch keine Auseinandersetzung, wenn es um Themen ging, die ihr am Herzen liegen, wie beispielsweise die Umwelt, Frauen, Kinder oder Menschen mit Behinderung. Doch die 57-Jährige musste kürzertreten und ihre Ämter ruhen lassen. Sie sagt: "Entgegen meinem Naturell muss ich mich jetzt immer bremsen. Das fällt mir total schwer." Bei diesen Worten schwingt viel Traurigkeit mit, auch wenn Terpoorten ansonsten gefasst und sachlich mit ihrer Erkrankung umgeht. Sie leidet unter Long-Covid. Und damit ist sie nicht allein. Allein in Deutschland geht man von mindestens einer Million Betroffenen aus.
Heidi Terpoorten hat ihre Krankheit Long-Covid öffentlich gemacht
Heidi Terpoorten hat den mutigen Schritt getan, ihre Krankheit öffentlich zu machen. Sie will, dass die Long-Covid-Erkrankten nicht vergessen werden. Derzeit sei Corona für viele kaum noch ein Thema. Zurück bleiben diejenigen, die sich mit den Folgeerscheinungen einer Covid-Erkrankung oder einer Impfung alleingelassen fühlen. Und wie die 57-Jährige selbst feststellen musste, fehlt es an Wissen, Forschung und Therapieansätzen in diesem Bereich.
Wie sehr sie die Erkrankung mitnimmt, zeigt sich auch beim Gesprächstermin mit unserer Redaktion. Heidi Terpoorten bittet darum, auf dem Sofa in halb liegender Position bleiben zu dürfen, weil sie das weniger anstrengt. Dann berichtet sie, dass sie im September vergangenen Jahres trotz dreifacher Impfung an Covid erkrankte. "Es war wie eine starke Grippe mit starken Ganzkörperschmerzen", so Terpoorten. Doch bald zeigte sich, dass ihr körperlicher Zustand nicht besser wird.
Sie merkte, dass jede Belastung, egal ob körperlich, geistig oder seelisch, eine sofortige Symptomverschlechterung nach sich zieht. Sie erlebte unter anderem Zustände mit Gehirnnebel. Dieser raubt einem jegliche Konzentration. All diese Beschwerden dauern bei ihr bis heute an. Die körperlichen und geistigen Reaktionen auf jegliche Belastung werden auch zum Problem in der Arbeit. Terpoorten ist Bereichsleiterin eines Wohnbereichs für Menschen mit Hörschädigung und weiteren Handicaps in Dillingen. Sie muss erleben, wie selbst Telefonate, Teambesprechungen oder Konferenzen sie plötzlich überfordern.
Im Moment macht die Binswangerin eine Wiedereingliederung
Im Moment macht die Bezirksrätin eine Wiedereingliederung und arbeitet dreimal in der Woche zwei Stunden. "Ich bin so dankbar, dass mein Arbeitgeber verständnisvoll ist und den Weg mit mir mitgeht." Aber es gibt Tage, die sie wieder zurückwerfen. Das ist dann der Fall, wenn sie das Gefühl hat, sämtliche Systeme in ihrem Körper würden außer Rand und Band geraten. Das passiere immer wieder.
Doch Terpoorten hofft, dass es wieder aufwärtsgeht. Sie sagt: "Ich bin mittlerweile im Kopf ein bisschen klarer." Und sie unternimmt einiges, um wieder auf die Beine zu kommen. Dabei ist ihr der Hausarzt eine gute und wichtige Stütze. Außerdem war sie im November in einer naturheilkundlichen Klinik in München. Danach habe sich ihr Zustand gebessert, aber sie stoße immer wieder an ihre Grenzen. So musste sie ihre sozialen Kontakte stark einschränken, Besuche werden ihr schnell zu viel. Aus diesem Grund weicht sie auf soziale Medien aus, um Kontakte zu halten oder sich mit anderen Long-Covid-Erkrankten auszutauschen. "Die Betroffenen sind sehr frustriert", so ihr Fazit.
Es werde zu wenig Geld in die Long-Covid-Forschung gesteckt. Ihrer Meinung nach müssten sich die Ärzte und Ärztinnen besser vernetzen oder Long-Covid-Erkrankten eine digitale Sprechstunde anbieten, da für diese Patienten und Patientinnen der Gang in eine Praxis oft zu anstrengend ist. Terpoorten schlägt vor, in jeder Region wie beispielsweise Nordschwaben eine Koordinierungsstelle für Long-Covid-Erkrankte und diejenigen einzurichten, die Langzeitschäden nach einer Impfung gegen das Virus haben.
Trotz ihrer Erkrankung an Long-Covid ist sie Spitzenkandidatin der Grünen für den Bezirkstag
Mittlerweile hat Heidi Terpoorten einige Möglichkeiten gefunden, um wieder Kraft zu schöpfen und ihre persönliche Belastungsgrenze einzuhalten. Auf diese Weise schafft sie aktuell 30 bis 40 Prozent der Leistung von vor der Erkrankung. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass es mit der Erkrankung besser wird und es in der Forschung neue Erkenntnisse gibt. Terpoorten hofft, dass sie auch in der Arbeit wieder mit Tatkraft und Elan anpacken kann. Deswegen habe sie sich im Januar auch als Spitzenkandidaten der Grünen für die Wahl des schwäbischen Bezirkstags aufstellen lassen. Sie weiß, dass einige Menschen das kritisch sehen. Doch trotz der Krankheit bleibt Terpoorten innerlich eben ein Energiebündel.