Bieterschlacht um Augsburger Motorenbauer: Was wird aus Everllence?
Augsburg
Spannende Bieterschlacht um Augsburger Motorenbauer: Was wird aus Everllence?
Drei Finanzinvestoren buhlen beim Mutter-Konzern VW mit Milliarden-Angeboten um das Traditionsunternehmen aus Augsburg. Investiert ein europäisches Milliardärs-Bündnis?
Bekanntermaßen brauchen die Mächtigen in Wolfsburg derzeit jede Milliarde, um den Volkswagen-Konzern durch Investitionen aus der Krise zu steuern. Da kämen satte Einnahmen durch den Verkauf der Augsburger VW-Tochter zur richtigen Zeit. Wie es heißt, wird Everllence inzwischen mit mindestens acht Milliarden Euro bewertet, während im vergangenen Jahr noch von gut sechs Milliarden Euro die Rede war.
Bestellungen über sechs Milliarden: Everllence aus Augsburg mit guten Geschäftszahlen
Dass der Maschinenbau-Konzern immer wertvoller wird, liegt sicher an den sehr guten Geschäftszahlen. Das Unternehmen fährt seit sechs Jahren ununterbrochen Rekorde ein. Im vergangenen Jahr belief sich der Auftragseingang auf 5,8 gegenüber 5,3 Milliarden Euro in 2024. In diesem Jahr will sich Everllence Bestellungen von über 6,0 Milliarden Euro sichern. Beim Umsatz legte der Motorenbauer entsprechend von 4,3 Milliarden Euro in 2024 auf 4,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zu. Die Fünf-Milliarden-Schwelle bei den Erlösen wollen die Everllence-Verantwortlichen in diesem Jahr knacken. Dabei lag die operative Rendite zuletzt, wenn man Einmaleffekte herausrechnet, im zweistelligen Prozentbereich.
Künstliche Intelligenz ist für uns ein enormer Wachstumstreiber. Dabei liegen 50 Prozent des KI-Marktes in den USA
Uwe Lauber, Chef von Everllence
In Augsburg arbeiten rund 4500 Menschen für das Unternehmen. Damit hat die Firma nach Überwindung einer Krise und durch die erfolgreiche Neuaufstellung rund 900 Arbeitsplätze allein am bayerischen Stammsitz geschaffen. Insgesamt sind etwa 15.000 Menschen für das Unternehmen tätig.
All diese positiven Kennziffern lassen den Appetit von Finanzinvestoren auf Everllence steigen. Es verdichtet sich, dass sie tief in die Tasche für die Maschinenbau-Perle aus Bayern greifen müssen, zumal der Konzern auch gute Geschäfte in den USA macht. Everllence-Chef Uwe Lauber hatte unserer Redaktion in einem Interview gesagt: „Künstliche Intelligenz ist für uns ein enormer Wachstumstreiber. Dabei liegen etwa 50 Prozent des KI-Marktes in den USA.“ Für Everllence biete der Markt der Googles, Metas und Microsofts reichlich zusätzliches Wachstum. Und der Firmen-Chef machte deutlich: „Die Stromversorgung für diese Rechenzentren stellen wir durch die von uns gelieferten und mit Gas angetriebenen Kraftwerke bereit.“
Erste Adressen wollen bei Everllence einsteigen: Kommt ein Investor aus Schweden?
Welcher Investor kommt nun bei dem Augsburger Unternehmen zum Zug? Nach Informationen unserer Redaktion aus mehreren Quellen hat sich das Bieterfeld gelichtet. Demnach sind nur noch drei Blöcke übriggeblieben, die allesamt aus der Finanz-Szene stammen. Interessenten mit einem Industrie-Hintergrund, die in den ersten Runden noch mit von der Partie um den Einstieg bei Everllence waren, sind ausgeschieden. Den Recherchen zufolge hat der schwedische Investor EQT weiter Chancen, bei dem Maschinenbauer ans Ziel zu gelangen. Die Private-Equity-Firma verfügt über einen guten Ruf. Die Gesellschaft ist nach einem Ranking der Zeitschrift Capital der drittgrößte Finanzinvestor der Welt und würde damit das nötige Gewicht für so eine wuchtige Transaktion mitbringen.
An EQT ist die Beteiligungs-Gesellschaft Investor der schwedischen Unternehmer-Dynastie Wallenberg beteiligt. Die Wallenbergs gelten als solide und langfristig orientierte Investoren. Sich hartnäckig haltenden Gerüchten zufolge soll EQT mit einem bekannten deutschen Partner im Rucksack antreten, um den Zuschlag für Everllence zu ergattern: Nach den Informationen will sich auch die Beteiligungsgesellschaft der VW-Großaktionärs-Familien Porsche und Piëch, die Porsche SE, an dem Augsburger Unternehmen mit dem Vernehmen nach rund zehn Prozent beteiligen. So würde ein europäisches Milliardärs-Bündnis die ursprünglich MAN Diesel & Turbo heißende Industrie-Legende unterstützen.
Das Rennen um Everllence ist noch offen: Auch Investoren aus Luxemburg und USA dabei
Das Rennen um die Augsburger Firma ist noch nicht entschieden, denn auch zwei andere Größen aus der Finanzinvestoren-Szene sollen bei der Bieterschlacht nach wie vor dabei sein. Treffen die Informationen zu, mischt die in Luxemburg ansässige Gesellschaft CVC weiter mit. Der Finanzinvestor liegt auf der Capital-Liste einen Platz hinter EQT auf Rang 4. Und dann soll auch der US-Investor Bain Capital mit Sitz in Boston unverändert im Rennen um Everllence mit von der Partie sein.
Wie es in Frankfurter Finanzkreisen heißt, habe CVC Heißhunger auf Everllence, weil der Investor zuletzt bei großen Deals nicht wie erhofft zum Zuge gekommen sei. Am Ende entscheidet sich das Rennen sicher in der Frage, wie viele Milliarden die Interessenten bereit sind, auf den Tisch zu legen. Es ist offen, wer den Zuschlag bekommt. Und was sagen die VW-Mächtigen zum neuen Stand des Verkaufsprozesses? Ein Konzern-Sprecher lässt unsere Redaktion lediglich wissen: „Wie immer äußern wir uns zu Spekulationen nicht.“ Dann darf weiter kräftig spekuliert werden.
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