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Blume muss Chef-Posten bei Porsche abgeben, bleibt aber VW-Konzern-Chef

Porsche

Oliver Blume muss Job als Porsche Chef aufgeben

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    Top-Manager Oliver Blume soll als Porsche-Chef abgelöst werden.
    Top-Manager Oliver Blume soll als Porsche-Chef abgelöst werden. Foto: Jan Woitas, dpa (Archivbild)

    Schon lange muss sich Oliver Blume der Kritik erwehren, dass er gleichzeitig Porsche-Chef und Boss des Volkswagen-Konzerns ist, zu dem der Sportwagenbauer gehört. Solange die Geschäfte für Porsche gut liefen, konnte der 57-Jährige seine Doppel-Rolle gegenüber den Inhaber-Familien Porsche und Piëch wie auch gegenüber dem mächtigen Betriebsrat verteidigen. Doch die einstige Gewinn-Maschine Porsche ist, was lange undenkbar schien, wie die VW-Tochter Audi zu einem Sorgenkind für den Auto-Riesen geworden.

    In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat die Porsche AG rund 212.509 Autos ausgeliefert, sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In China stand hier ein schmerzliches Minus von 26 Prozent zu Buche. Was dramatisch für das lange erfolgsverwöhnte Porsche-Team ist: Das aus dem Dax, also der ersten deutschen Börsen-Bundesliga, geflogene Unternehmen erwartet nur noch eine operative Rendite von bis zu zwei Prozent für dieses Jahr. Gewinnwarnung folgt auf Gewinnwarnung. Bestimmte Elektromodelle sollen später kommen, Autos mit Verbrennungsmotor werden länger als geplant verkauft, ja, es kommen weitere Verbrenner-Modelle hinzu.

    Blume musste gegensteuern

    Blume musste kräftig gegensteuern, um ein weiteres Abrutschen des Fahrzeugbauers zu verhindern. So verwundert es nicht, dass sich Vertreter der Inhaberfamilien nach Informationen von Branchenkennern schon seit Monaten Gedanken über einen Nachfolger des Managers an der Porsche-Spitze machen. Sie reagieren damit auf die immer wieder aufflackernde Kritik an der Doppelfunktion Blumes. Weil auch die einflussreiche VW-Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Daniela Cavallo Anfang September bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg deutlich ihr Missfallen gegenüber der Doppel-Rolle des Managers kundtat, deutete sich eine Entscheidung an. Die Gewerkschafterin hatte schließlich gesagt: „Der Vorstandsvorsitzende kann in Wolfsburg kein Halbtags-Chef sein und die restliche Zeit bei Porsche verbringen. Dieser Zustand muss enden!“

    Nun ist klar, dass der Zustand endet. Wenn die Inhaber-Familien und die Arbeitnehmer-Vertretung im Volkswagen-Imperium an einem Strang ziehen, ist jeder Widerstand eines Spitzen-Managers zwecklos. So hatte auch Herbert Diess keine Chance mehr und musste als VW-Konzern-Chef abtreten. Blume wurde sein Nachfolger, verhandelte aber geschickt und setzte vor gut drei Jahren durch, neben seiner Führungsrolle als VW-Lenker weiter den geliebten Porsche-Job behalten zu dürfen. Am Freitag hat das Präsidium des Aufsichtsrats der Dr. Ing. h. c. F. Porsche Aktiengesellschaft den Vorsitzenden des Kontrollgremiums beauftragt, „Gespräche mit Blume über ein einvernehmliches vorzeitiges Ausscheiden aus dem Vorstand von Porsche zu führen“. 

    Was praktisch aus Arbeitgebersicht ist: Mit Michael Leiters (54), der bis April McLaren-Chef war, ist der mögliche Nachfolger bereits auserkoren. Mit dem angesehenen Automobil- und Technik-Experten finden Vertragsverhandlungen statt. Der Manager kann, was seine bisherigen Berufs-Stationen betrifft, reichlich Kompetenz für einen der begehrtesten Industrie-Arbeitsplätze der Republik vorweisen, war er doch vor seiner McLaren-Zeit in leitender Funktion rund achteinhalb Jahre für Ferrari und zuvor etwa 13 Jahre bei Porsche tätig.

    Der neue Porsche-Chef hat Stallgeruch

    Dass die VW-Verantwortlichen zugegriffen haben, verwundert nicht. Damit hat sich eine zuletzt immer wieder diskutierte Personalie aus den Reihen des Sportwagenbauers zerschlagen. Hier wurden Michael Steiner, 61, als Porsche-Entwicklungschef, Ambitionen nachgesagt, den Sportwagenbauer zu führen. Doch Leiters bringt neben seinem Porsche-Stallgeruch bei Konkurrenten erworbene Erfahrung mit. In einem Interview wurde der promovierte Ingenieur gefragt, wann er seine Leidenschaft für Porsche entdeckt habe. Leiters antwortete: „Mein erster Porsche war mit vier Jahren ein 928, leider nur als Spielzeugauto.“ Sein Lieblings-Porsche sei der Cisitalia, der allererste Rennwagen, den Ferry Porsche entwickelt habe. Solche Äußerungen sind nicht verkehrt, wenn man Porsche-Chef werden will.

    Blume hat den Sportwagenbauer mit Herzblut gelenkt und bis zuletzt betont, sich bewusst für die Doppel-Rolle entschieden zu haben, bringe sie doch enorme Vorteile bei der Restrukturierung des Konzerns mit. Für ihn war es wichtig, im VW-Konzern auch Verantwortung für die Technik wie die Prozesse bei Porsche zu tragen und damit tief in das operative Geschäft eingebunden zu sein. Auch deswegen könne er übergeordnet im Volkswagen-Konzern richtige strategische Entscheidungen treffen. Nun muss er sich als VW-Chef beweisen, was angesichts der Krise des Unternehmens eine Herkules-Aufgabe ist. 

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