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Mercedes will sparen und mehr Autos in Ungarn herstellen.

Autoindustrie

Die sechs großen Probleme von Mercedes-Benz

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    Mercedes-Chef Ola Källenius: Das Unternehmen soll schlanker, schneller und stärker werden.
    Mercedes-Chef Ola Källenius: Das Unternehmen soll schlanker, schneller und stärker werden. Foto: Bernd Weißbrod, dpa

    Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2024 sprechen eine klare Sprache: Auch Mercedes kann sich trotz Luxus-Strategie nicht der Krise der Branche entziehen. So ist das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von guten 19,7 auf 13,6 Milliarden Euro eingebremst worden. Unternehmens-Chef Ola Källenius nennt das Ergebnis „solide“. Ein derartiges Wort passt nicht zu seiner Luxus-Strategie. In der goldenen Sphäre müsste der Gewinn „glänzend“, „prickelnd“ oder „exzellent“ sein. Die Beschreibung „solide“ stammt eher aus der Welt bodenständiger Volumen-Autobauer.

    Doch auch der Absatz der Mercedes-Pkw-Sparte ist um vier Prozent auf 2,389 Millionen Fahrzeuge zurückgegangen. Aktionäre sollen eine Dividende von 4,30 Euro je Wertpapier und damit einen Euro weniger als zuvor erhalten. Das klingt nicht allzu dramatisch. Entsprechend urteilt Ferdinand Dudenhöffer, Deutschlands bekanntester Auto-Experte: „Natürlich könnten die Zahlen besser sein, aber von einer großen Krise bei Mercedes zu sprechen, wäre falsch. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres hat sich die Lage stabilisiert.“ Es gebe andere Autobauer, um die man sich mehr Sorgen machen müsse als die Stuttgarter. Ohne die Marke VW konkret anzusprechen, meint Dudenhöffer natürlich die Wettbewerber aus Wolfsburg.

    Können sich Källenius und sein Finanzvorstand Harald Wilhelm zurücklehnen und an ihrer Strategie festhalten? Wohl kaum. Am Donnerstag in Stuttgart wirken die Manager angespannt. Sie stellen das Wettbewerbs-Programm „Next Level Performance“ vor. Demnach plant das Unternehmen die Produktionskosten bis 2027 um zehn Prozent zu senken. Eine Journalistin rechnet das auf einen möglichen Job-Abbau hoch und kommt auf etwa 16.000 Arbeitsplätze, die Mercedes streichen könnte. Das wären nicht mal zehn Prozent der zuletzt rund 175.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mercedes-Benz-Group.

    Källenius und Wilhelm geben sich zugeknöpft, was Überlegungen betrifft, womöglich Stellen zu streichen. Sie äußern sich auch nicht zu Berichten, der Autobauer mit dem Stern wolle fünf Milliarden Euro einsparen, was ohne einen deutlichen Personalabbau schwer möglich erscheint. Fest steht, dass nach der sogenannten „Zukunftssicherung“, von Beschäftigten liebevoll „Zusi“ genannt, betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausgeschlossen sind.

    1. Kosten-Problem in Deutschland: 

    Derweil will der Konzern in Ungarn mehr Autos produzieren. Dort seien die Faktorkosten im Vergleich zu Deutschland um 70 Prozent niedriger. Da müssten doch reichlich Stellen in Deutschland wegfallen? Finanzvorstand Wilhelm sagt zu entsprechenden Nachfragen: „Sie beißen sich bei uns die Zähne aus.“ Källenius lässt in der Job-Frage durchblicken, bei Mercedes werde man mit dem Thema verantwortungsvoll und nicht „kopflos mit dem Rasenmäher“ umgehen. Er räumt ein, es könne hierzulande zu Personalanpassungen kommen, nennt jedoch keine Größenordnung. Mercedes hat in Deutschland auf alle Fälle ein Kosten-Problem. Das Unternehmen kämpft indes mit weiteren Schwierigkeiten. 

    2. In China spürt Mercedes den harten Wettbewerb:

    China ist weltweit der wichtigste Einzelmarkt für Mercedes. Doch im vergangenen Jahr haben die Stuttgarter dort im Pkw-Bereich mit 683.600 Fahrzeugen sieben Prozent weniger Autos als 2023 verkauft. Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, macht ein großes Problem für den Autobauer aus. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er: „Der Wettbewerbs-, Kosten- und Innovationsdruck ist für Mercedes in China enorm hoch.“ Die Elektromobilität habe dort schneller als von westlichen Herstellern gedacht den Siegeszug angetreten. Hinzu kommt die Immobilienkrise in China: Selbst wohlhabendere asiatische Kunden kaufen sich immer öfter ein günstigeres E-Auto aus heimischer Produktion – und das selbst im Premium-Segment. Viele Chinesen werden zu sparsamen Schwaben, was Mercedes zu spüren bekommt. 

    3. Luxus-Strategie kann in Krisen-Zeiten gefährlich werden:

    Källenius lässt sich nicht von der Luxus-Strategie ab. Seine Philosophie lautet: „Wert geht über Volumen.“ Die Taktik zielt darauf ab, möglichst teure Autos, die höhere Renditen einfahren, zu verkaufen und sich aus dem Volumen-Markt (A- und B-Klasse) zurückzuziehen. Hier sind die Mercedes-Zahlen wiederum aussagekräftig und könnten den Konzern-Chef nachdenklich stimmen: Gerade im Top-End-Segment, unter das bei Mercedes besonders teure Autos fallen, ist der Absatz im vergangenen Jahr um satte 14 Prozent zurückgegangen. Die Auto-Experten des Handelsblatts warnen: „Die Luxus-Strategie zeigt Schwächen. Die Fixkosten verteilen sich da auf weniger Fahrzeuge. Läuft ein Segment nicht, werden die Ausschläge deutlicher“. Es könnte für Mercedes gefährlich werden, einmal nur noch Autos ab 50.000 Euro aufwärts zu verkaufen. Auto-Experte Bratzel stand der Luxus-Strategie „immer schon kritisch gegenüber, denn so erreicht Mercedes bestimmte Kunden-Gruppen nicht“. 

    4. Ungewissheit, ob es in der EU beim Verbrenner-Aus bleibt:

    Wenn Unternehmer befragt werden, was ihnen besonders gegen den Strich geht, kommen sie rasch auf die Gefahren zu sprechen, die von politischen Rahmenbedingungen ausgehen. Vertreter der Autoindustrie können schwer mit der Ungewissheit umgehen, ob es beim Aus für neu zugelassene Verbrenner-Autos ab 2035 in der EU bleibt oder ob die Regelung aufgeweicht wird. Källenius ist ein gebranntes E-Auto-Kind: Er verfolgte mit seiner „Electric-only-Strategie“ das Ziel, in Märkten, die das zulassen, ab 2030 nur auf E-Autos zu setzen. Dann würden Stromer den Luxus-Markt dominieren, glaubte er 2021 und musste sich längst korrigieren. Die Pkw-Sparte von Mercedes verkaufte im vergangenen Jahr 185.100 reine Elektro-Fahrzeuge, was einem happigen Minus von 23 Prozent gegenüber 2023 gleichkommt. 

    5. Mercedes leidet unter zwei Geschwindigkeiten:

    Auto-Spezialist Bratzel sieht Mercedes einer gegenläufigen Entwicklung ausgesetzt: Einerseits ist die Nachfrage nach Elektroautos in Märkten wie Deutschland zurückgegangen. Der Autobauer musste umsteuern und für solche Märkte wieder mehr Verbrenner anbieten. Das erhöht die Kosten. In China hingegen boomt die E-Mobilität. Doch auf diesem Markt sind Elektro-Modelle aus Deutschland nicht so gefragt wie über Jahrzehnte hinweg Verbrenner-Fahrzeuge. Nun setzt Källenius auf das neue CLA-Elektroauto. Das Modell müsse sitzen, heißt es in Stuttgart. In rund vier Wochen soll der schnittige Mercedes-Hoffnungswagen vorgestellt werden. Källenius fiebert dem Ereignis entgegen.

    6. Und nun auch noch Trump:

    Die Gemengelage für Mercedes ist ohnehin herausfordernd. Jetzt muss Källenius auch noch abwarten, ob US-Präsident Donald Trump höhere Zölle auf Auto-Einfuhren aus der EU in sein Land erhebt. Bisher drohte er mit einer Abgabe von 25 Prozent. Der Amerikaner soll allergisch gegen Fahrzeuge mit dem Stern auf US-Straßen sein, selbst wenn dort für Mercedes rund 14.500 Menschen arbeiten und der Autobauer in Tuscaloosa (Alabama) ein großes Werk betreibt. Die USA sind nach China der zweitgrößte Einzel-Markt für Mercedes. Von den dort im vergangenen Jahr verkauften rund 374.000 Mercedes-Fahrzeugen wurden nach Berechnungen des Handelsblatts über die Hälfte importiert. Ein weiter schwächelnder chinesischer Markt und höhere Kosten für Ausfuhren nach Amerika könnten Mercedes in diesem Jahr erheblich zusetzen. So rechnet das Unternehmen für 2025 mit einem deutlich geringeren Gewinn vor Zinsen und Steuern.

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