Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant, die Kosten der Energiewende in Deutschland zu senken. In Berlin ist der erste Entwurf eines Gesetzes durchgedrungen, das die hohen Ausgaben für den Netzausbau senken will. Ins Visier nimmt das Ministerium unter anderem neue Windräder und Solarparks. Die erneuerbaren Energien hatten zuletzt Fahrt aufgenommen. „Der Netzausbau kann häufig nicht mit dem Anlagenzubau schritthalten“, kritisiert der Entwurf, der unserer Redaktion vorliegt. Ziel müsse es deshalb sein, die Errichtung neuer Windräder und Solarparks besser auf den Netzausbau abzustimmen.
Sorgen macht Reiche auch der Boom der Großbatteriespeicher. Den Netzbetreibern lägen inzwischen Anträge für rund 400 Gigawatt Batteriekapazität vor. Das wäre mehr als die gesamte Kraftwerksleistung Deutschlands, die 2025 bei 284,7 Gigawatt lag. Das bisherige „Windhund-Prinzip“, bei dem der schnellste Antrag bevorzugt wird, sei deshalb „nicht mehr zeitgemäß“, heißt es im Entwurf. Zudem ist fraglich, ob alle Vorhaben überhaupt verwirklicht werden. Die Netze sind für die Verbraucher zuletzt deutlich teurer geworden: Zahlten die Haushalte im Jahr 2015 noch 6,3 Cent pro Kilowattstunde für die Netze, waren es 2024 fast doppelt so viel, nämlich 11,4 Cent. Zuletzt gab es eine leichte Entlastung, weil der Bund Zuschüsse zahlt.
Lechwerke: 50 Prozent der Netzanschlusskosten eingespart
Um die Kosten weiter zu senken, sieht das Ministerium vor, dass die Netzbetreiber künftig die Möglichkeiten haben, bei den Anschlussanträgen zu priorisieren. Schließlich konkurrieren auch Rechenzentren, Ladenetze und andere Industrieanlagen um die knappen Netzanschlüsse. Zudem plant das Ministerium eine größere Steuerung beim Zubau von erneuerbaren Energien. Unter anderem soll es in besonders belasteten Netzgebieten keine Entschädigung mehr für die Betreiber neuer Windkraft- und Photovoltaikanlagen geben, wenn die Anlagen abgeregelt werden müssen. Zu Abregelungen kommt es, wenn zu viel Strom ins Netz drückt. Der Entwurf sieht außerdem die Möglichkeit vor, dass sich die Betreiber erneuerbarer Energien an den Netzausbaukosten beteiligen. Dies könnte über Baukostenzuschüsse erfolgen.
Letztlich plant das Ministerium ein Instrument, um den Zubau von Wind- und Solarparks koordiniert und vorausschauend zu gestalten. Dazu würde zuerst ein „Einspeisenetz“ errichtet, an dieses könnten dann die neuen Anlagen angeschlossen werden. Dieser Plan birgt erhebliches Sparpotenzial, das zeigt ein Pilotprojekt der Lechwerke. Diese haben im Kreis Günzburg erst eine Einspeisemöglichkeit geschaffen, auf die sich dann Unternehmen bewerben konnten, um Solarparks, Windräder und Batteriespeicher anzuschließen. Davor war die Logik genau andersherum. Der Effekt ist deutlich: „So sanken die Netzanschlusskosten im Projekt insgesamt um 50 Prozent“, sagt LEW-Chef Malte Sunderkötter.
Bundesverband Solarwirtschaft: „Das würde die Energiewende in großen Teilen Deutschlands zum Erliegen bringen“
Doch an den Plänen der Ministerin hagelt es auch Kritik: Der Bundesverband Solarwirtschaft kritisiert vor allem die Streichung von Entschädigungszahlungen an die Betreiber von Wind- oder Solaranlagen im Falle von Netzengpässen. „Eine derartige Regelung würde die Energiewende in großen Teilen Deutschlands zum Erliegen bringen“, sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. In Bayern wäre es schwer, überhaupt eine Finanzierung für neue Anlagen zu bekommen. „Ein derartiger Ausbaustopp hätte dramatische Auswirkungen auf unzählige mittelständische Betriebe mit tausenden Arbeitnehmern im Freistaat“, warnt Körnig. Deutschland drohe zudem eine „Netz-Kleinstaaterei“, wenn jeder der 800 Verteilnetzbetreiber selbst priorisieren kann, welche Anlagen zuerst ans Netz genommen werden sollen.
Der Bundesverband Windenergie legte ein Gutachten vor, dass die Pläne auch europarechtlich unzulässig ist.
Oliver Koch, Sonnen: „Das grenzt an Abzocke“
Der Speicherbauer Sonnen sieht auch private Solaranlagenbetreiber im Nachteil: „Ein Baukostenzuschuss für Photovoltaikanlagen an bestehenden Netzanschlüssen grenzt an Abzocke“, sagt Sonnen-Chef Oliver Koch. „Man kann nicht vom Kunden einen Baukostenzuschuss verlangen, wenn er sein Gebäude errichtet und dann nochmals einen, wenn er sich eine PV-Anlage baut.“
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