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Warum OHB und DLR im bayerischen Space-Valley die Zukunft planen

Raumfahrt

„Das bayerische Houston“: Wie das Thema Raumfahrt in München große Träume entfacht

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    Trägt gerne Astronauten-Jacke, will aber selber nicht zum Mond fliegen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
    Trägt gerne Astronauten-Jacke, will aber selber nicht zum Mond fliegen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Foto: Felix Hörhager, dpa

    Es gibt Tage, an denen stehen die Gestirne günstig. So günstig, dass, was einst als bayerische All-Machts-Fantasie geerdet wurde, plötzlich interplanetare Möglichkeiten erschließt. Es ist gut sieben Jahre her, dass Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates und – für manche – so etwas wie der Darth Maul weiß-blauer Herrlichkeit, als damals beinahe juveniler Landesvater bei der Jungen Union in Neuburg an der Donau Wahlkampf machte. Er sprach über Raumfahrt, über „Bavaria One“ und seine „Mission Zukunft“. Der Ernsthaftigkeit seines Anliegens war nicht direkt dienlich, dass es dazu ein abgespacetes Logo gab. Von diesem grinste einen ein etwas unkantiger Commander an. Und huch, ja, es war Söder selbst. Der Rest wurde eine Social-Media-Geschichte, die mit Hohn und Spott und „Söderchens Mondfahrt“ endete. Vorerst.

    Denn am Mittwoch steht Söder auf der Besucherbrücke des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Und grinst wieder. Mit sich und den Galaxien im Reinen. Links und rechts kann er eine Etage tiefer in die vier Kontrollräume sehen. Von hier wird zum Beispiel das Weltraumlabor Columbus der Internationalen Raumstation ISS gesteuert.

    Neues Kontrollzentrum im bayerischen Space-Valley

    Söder übergibt gleich einen Förderbescheid über 58 Millionen Euro. Für die astronautische Raumfahrt von morgen entsteht mitten im bayerischen Space-Valley ein neues Kontrollzentrum, das Human Exploration Control Center (HECC). Das mit jahrzehntelanger Erfahrung ausgestattete Nationale Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) wird erweitert. 200 Mitarbeitende werden gemeinsam mit den europäischen Partnern südwestlich von München aus viele Missionen bestreiten. Baubeginn ist 2028, Start könnte 2030 sein. Söder sagt: „Hier entsteht das Zentrum, das für alle Mondmissionen und später dann für den Mars die Kontrolle ist. Also das bayerische Houston kann man jetzt wirklich sagen.“

    Es sei ein „weiterer Meilenstein für die gesamte Technologieregion“, Ergebnis einer langfristigen Strategie. Darauf legt Söder Wert. Siehe Bavaria One. Der Mond sei so wichtig, weil er das „Sprungbrett ins All“ sei. Von dort geht es weiter zum Mars. Aus Träumen soll Wirklichkeit werden. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR, orchestriert das so: „Heute beginnt die Zukunft der Raumflugkontrolle im DLR.“

    Raumfahrt als Teil der Hightech-Agenda in Bayern

    Bis zu einer Milliarde Euro investiert der Freistaat bis 2030 in die Raumfahrt, Teil der Hightech-Agenda. Dazu gehört Europas größte Fakultät für Luft- und Raumfahrt an der TU München. Und dazu gehören immer mehr Unternehmen und Start-ups, die sich in der Gegend ansiedeln, weil hier etwas im Werden ist. Wie groß es wird, wie viele Industriearbeitsplätze tatsächlich geschaffen werden, ob ihre Zahl kompensieren kann, was in der Autoindustrie wegbricht, wird man sehen. Aber Bayern ist inzwischen Startup-Land Nummer eins in Deutschland.

    Und das hat auch etwas mit der Staatsregierung zu tun. Söder kann diese Woche Schub mitnehmen, den er vor Jahren selbst angestoßen hat. Vor dem Termin beim DLR war er gegenüber beim Sitz des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB. Das „B“ im Firmennamen könnte inzwischen auch für Bayern stehen, denn das Unternehmen hat im Freistaat viele Töchter. Dazu gehören die Rocket Factory und MT Aerospace in Augsburg. Seit diesem Mittwoch gibt es eine weitere. Es ist die „European Moonport Company“, die die OHB-Aktivitäten rund um zukünftige Mondmissionen im Freistaat verdichtet.

    USA, China und Europa – alle wollen auf den Mond

    Nicht nur die USA und China, sondern auch Europa strebt eine eigene Präsenz auf dem Mond an. Vor Ort bei OHB ist auch ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher. Der Chef der Europäischen Weltraumorganisation sagt: „Für die ESA ist entscheidend, dass Europa die Fähigkeiten aufbaut, um dauerhaft, nachhaltig und eigenständig auf dem Mond präsent zu sein – als verlässlicher und aktiver Partner einer internationalen Mondarchitektur.“ Es geht dabei nicht nur um Start- und Landeplätze, die Energie-, Sauerstoff- und Treibstoffversorgung, sondern auch um Navigations- und Kommunikationssysteme. OHB hat viel vor. Mit dem Münchener Flughafen hat man ein erstes Konzept für eine zentrale Start- und Landebasis auf der Mondoberfläche erarbeitet. Ein Modell davon ist bereits aufgebaut. Söder sieht es gerne.

    Wem das alles zu sehr Science-Fiction ist, kann an diesem Morgen übrigens lernen, dass bereits daran gearbeitet wird, wie Kartoffeln auf Mond und Mars angebaut werden. Bodenständiger geht es kaum. Trotzdem zu weit weg? Auf Nachfrage, wann denn zumindest auf dem Mond alles so weit gerichtet sei, antwortet Söder: „Vielleicht, wenn die Stammstrecke fertig ist.“ Der Commander hat heute Auftrieb.

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