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Zeitenwende bei Autenrieder: Alkoholfreies Bier wird in Deutschland immer beliebter

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Zeitenwende bei Autenrieder: Alkoholfreies Bier wird immer beliebter

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    Braumeister Matthias Hieber ist stolz auf seine alkoholfreien Biere.
    Braumeister Matthias Hieber ist stolz auf seine alkoholfreien Biere. Foto: Anja Volkwein

    Viele starten ins neue Jahr mit guten Vorsätzen: mehr Bewegung, weniger Zucker, weniger Alkohol. Der „Dry January“, ein Trend aus Großbritannien, setzt genau dort an – einen Monat lang wird bewusst verzichtet. Stattdessen landet öfter alkoholfreies Bier im Glas. Etwa aus Autenried im Landkreis Günzburg, wo in einer Familienbrauerei das Geschäft mit dem alkoholfreien Sortiment brummt.

    Es ist ein trüber Wintertag in Autenried. Hier, in dem kleinen Pfarrdorf zwischen Ulm und Günzburg, geht es eher gemächlich zu. Lediglich in der Schlossbrauerei dröhnen die Maschinen. Dort arbeitet Matthias Hieber. Der Braumeister und seine Kollegen sind schon seit Stunden auf den Beinen. Die erste Schicht beginnt um 3:30 Uhr, mitten in der Nacht. Es riecht nach süßem Malz und aromastarkem Hopfen – fast schon zitronig.

    Absolute Regionalität: Das zeichnet das Bier von Autenrieder aus

    In Autenried wird seit 375 Jahren Bier gebraut. Mit der Schlossbrauerei versorgte der damalige Baron Dorfbewohner und Tagelöhner. Vor etwa 110 Jahren ging die Brauerei in den Privatbesitz der Familie Feuchtmayr über, die auch heute noch die Geschicke von Autenrieder lenkt. Alle Familienmitglieder arbeiten in dem Betrieb, der rund 85 Vollzeitkräfte in Brauerei, Gasthof und eigener Landwirtschaft zählt.

    Neben Wasser und Limonaden produziert Autenrieder viele verschiedene Biersorten. Darunter Pils, Lagerbier, Weizenbier, Kellerbier und Festbiere. Am beliebtesten ist jedoch das Urtyp Hell. „Von dem leben wir“, sagt Braumeister Hieber. Für die Getränke verwendet Familie Feuchtmayr nur heimische und hochwertige Produkte: Das Malz kommt direkt vom eigenen Hof, das Wasser aus der hauseigenen Quelle, der Hopfen aus dem Hallertau bei Ingolstadt.

    Fallzahlen: Deutsche trinken weniger Alkohol

    Die Biere wurden mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit Welt- und Europameistertiteln. Trotzdem werden die Produkte nur regional über ein Gebiet von etwa 100 Kilometern vermarktet. Geschäftsführer Rudolf Feuchtmayr bilanziert: Dem Unternehmen geht es wirtschaftlich gut, doch Expansion müsse sein. Denn der Bierabsatz sinkt.

    Die Deutschen trinken weniger – im Schnitt nur noch 88 Liter pro Kopf und Jahr. Mitte der 70er trank der Durchschnittsbürger jährlich ganze 151 Liter Bier. Heute entscheiden sich viele für weniger Alkohol – auch aus gesundheitlichen Gründen. Das Bundesgesundheitsministerium warnt: Jeder Konsum birgt Risiken – selbst kleine Mengen können langfristig schaden. Als „risikoarm“ gelten nur kleine Mengen und an mindestens zwei Tagen pro Woche soll ganz verzichtet werden. Frauen sollten nicht mehr als 0,3 Liter Bier pro Tag zu sich nehmen, Männer nicht mehr als 0,6 Liter.

    Alkoholfreies Bier ist beliebter als je zuvor

    Der sinkende Konsum wirkt sich unmittelbar auf die Bierproduktion aus. Die ist laut dem Deutschen Brauer-Bund seit 2017 um rund 10 Prozent zurückgegangen. Dagegen stieg die Produktion von alkoholfreiem Bier im Vergleichszeitraum um 75 Prozent. Über acht Liter davon konsumiert jeder Deutsche im Schnitt jährlich. Somit ist Alkoholfreies nach Pils und Hellem das beliebteste Bier in der Bundesrepublik. Hieber spricht von einer „Zeitenwende“.

    Auch bei Autenrieder hat es einen festen Platz in der Produktpalette gefunden. Jedes zehnte verkaufte Bier ist alkoholfrei. Teilweise war der Andrang so groß, dass Lieferungen ausgesetzt werden mussten, sagt Hieber. „Wenn wir bei Dorffesten früher zwei Kästen Alkoholfreies gestellt haben, gingen eineinhalb Kisten wieder zurück. Heute gehen zwölf Kästen locker weg. Damit haben wir nicht gerechnet.“ Den Dry January sieht Geschäftsführer Feuchtmayr dabei eher als Randerscheinung. Der Januar sei nach wie vor der Monat mit dem geringsten Absatz. Der Trend zu alkoholfreiem Bier sei dagegen übers ganze Jahr spürbar.

    Das unterscheidet Autenrieders Alkoholfreies von der Konkurrenz

    Hieber und Feuchtmayr sind stolz auf ihre alkoholfreien Produkte. Im Gegensatz zu manchen Konkurrenzprodukten kämen sie dem Originalgeschmack sehr nahe. Das liege am Brauverfahren: Andere Brauereien würden häufig günstige Hefestämme verwenden, die nur bestimmte Zucker verstoffwechseln. Das fertige Bier wäre dann aber sehr süß.

    Deswegen setzt Autenrieder auf ein anderes Verfahren: Zuerst wird klassisches Bier gebraut, das anschließend durch eine Membran gepresst wird. Dabei wird der Alkohol von dem Rest des Bieres getrennt. Das Getränk behält seinen typisch-herben Geschmack. Ganz identisch schmecke es aber nicht, sagt Hieber: „Das liegt daran, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist – genau wie Butter.“

    Unter Familie Feuchtmayr soll sich Autenrieder weiter modernisieren. Zuletzt investierte das Unternehmen in sechs neue Reifetanks im Wert von 1,2 Millionen Euro. An einer deutschlandweiten Expansion ist man dennoch nicht interessiert. „Wir wollen in der Region eine Marke sein“, sagt Hieber.

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