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Prozess in Aichach

20.11.2019

19-Jähriger grölt „Sieg“ und „Heil“ in Augsburg

Ein 19-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis musste sich vor dem Aichacher Jugendgericht verantworten.
Foto: Archivfoto: Christian Kirstges

Ein junger Mann aus dem Landkreis will in der Bahnhofstraße nur eine Fußballhymne gesungen haben. Doch ausgerechnet ein Polizist war Zeuge

Er lief grölend durch die Bahnhofstraße in Augsburg und rief dabei „Sieg“ und „Heil“. Der Vorfall im vergangenen April hatte nun ein juristisches Nachspiel für einen 19-Jährigen. Die Anklage lautete: Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor Gericht. In der Verhandlung vor dem Jugendgericht in Aichach bestritt er den Vorwurf.

Bei dem unrühmlichen Auftritt war der 19-Jährige, so jedenfalls die Anklage, nicht allein. Es war noch ein zweiter Mann angeklagt. Der soll sich mit ihm beim Skandieren abgewechselt haben. Der erschien erst gar nicht vor Gericht. Der 19-Jährige behauptete: Er kenne den Mitangeklagten gar nicht.

Immerhin räumte er ein, dass er am Bahnhof in Augsburg war. Allerdings mit einer größeren Gruppe von Männern. „Soviel ich weiß, war da ein FCA-Spiel“, sagte der Angeklagte und betonte, die Gruppe habe nur die Hymne der Fußballmannschaft. Er versicherte Jugendrichterin Eva-Maria Grosse: „Mehr habe ich nicht gemacht und soviel ich weiß, auch die anderen nicht.“

Ein Polizist hört die jungen Männer in Augsburg grölen

Allerdings war es ein Polizist, dem das grölende Duo gegen sechs Uhr morgens aufgefallen war. Der Beamte konnte sich an keine Gruppe erinnern, die im Bereich des Bahnhofs unterwegs gewesen war. Es sei auch kein Fußballspiel gewesen, sagte er als Zeuge. Die beiden jungen Männer seien hinter ihm „lautstark lachend und grölend“ aufgetaucht. Sein Eindruck: „Sie haben sich gegenseitig ziemlich hochgepuscht.“ Als die beiden um eine Kurve bogen, verlor sie der Polizist aus den Augen. Kurz darauf hörte er, wie zwei Männer abwechselnd „Sieg“ und „Heil“ riefen. Als er in Richtung der Schreie gegangen sei, habe er den Angeklagten und seinen Begleiter gesehen.

Der 19-Jährige stand nicht das erste Mal vor Gericht. Er war schon zwei Mal wegen Körperverletzung zu Jugendarresten verurteilt worden. Nach seiner jüngsten Verurteilung heuer im März saß er zwar den Arrest ab, erfüllte aber die Auflagen nicht. Der Angeklagte absolvierte weder den sozialen Trainingskurs, noch ging er zu den Betreuungsweisungen. Damals habe er gedacht, dass er alles alleine schaffe, sagte der 19-Jährige zur Jugendrichterin und ergänzte: „Ich habe eingesehen, dass ich es allein nicht hinkriege.“

Nach einer Phase, in der es bei dem Angeklagten mit allem bergab gegangen ist, scheint er sich jetzt wieder gefangen zu haben. Seit etwa zwei Monaten fühle er sich besser, sagte er. Er schrieb Bewerbungen und hat laut eigenen Angaben auch einen Arbeitsplatz in Aussicht. Jugendrichterin Grosse sah „ein winziges Pflänzchen der Hoffnung, dass es langsam wird“.

Die Staatsanwältin hofft, dass der 19-Jährige die Kurve kriegt

Auch Staatsanwältin Hannah Witzigmann hatte die Hoffnung, dass der 19-Jährige die Kurve kriegt: „Wir glauben Ihnen mal, dass Sie Bewerbungen geschrieben haben und dass Sie etwas in Aussicht haben.“ Als Minuspunkt wertete sie, dass die Sanktionen bei der letzten Verurteilung nicht funktioniert hätten. Eine Bewährungsstrafe werde sie trotzdem nicht beantragen, sagte Witzigmann. Sie plädierte für zehn Beratungsgespräche bei der Brücke sowie eine Geldauflage in Höhe von 800 Euro.

Grosse verurteilte den Angeklagten zu fünf Beratungsgesprächen zum Thema Jobsuche und Wohnsituation sowie 800 Euro Geldauflage. Sie war überzeugt, dass der 19-Jährige die Worte „Sieg“ und „Heil“ gerufen hatte, glaubte aber auch, dass er es nicht wirklich ernst gemeint hatte. „Es ist eine Straftat, die hier in unserem Land einfach nicht zu dulden ist“, betonte sie. Der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war, nahm das Urteil an. Gegen seinen Begleiter, der bei der Verhandlung unentschuldigt fehlte, erließ das Gericht einen Haftbefehl.

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