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Jahresglosse

02.01.2019

2019 bringt Gelbe-Tonnen-Krise im Wittelsbacher Land

Mutter aller Krisen im Wittelsbacher Land: Die nagelneuen Gelben Tonnen werden nicht geleert . . .
Bild: Archivbild: Ludwig Meiershofer

Landrat kämpft an allen Fronten, Aichacher CSU hat ein Problem und was sonst noch passieren wird -  die nicht ganz ernst gemeinte AN-Vorschau auf das Jahr

Diese Einleitung hat Tradition, darum bleiben wir auch 2019 dabei: Das Wittelsbacher Land ist und bleibt eine Wundertüte. Das beweist uns der obligatorische Rückblick am Neujahrstag in unsere AN-Jahresglossen der Vorjahre. Danach lässt sich unbewiesen verbreiten, dass die absurdesten Voraussagen von der Realität rechts überholt werden und die besten Geschichten sowieso das Leben schreibt. Beispiel gefällig? Für 2012 haben wir vollmundig angekündigt, dass Aichach zur großen Kreiselstadt ausgebaut wird. Gut, den Formel-1-Kreisel-Rundkurs gibt es (bis dato zumindest) nicht, aber wer die Stadt einmal schräg durchquert, kommt derzeit schon mal auf rekordverdächtige und schwindelerregende sieben Kreisverkehre. Das ermutigt uns, eine Tradition beizubehalten. In der ersten Ausgabe des Jahres sagen wir nämlich seit der Jahrtausendwende mit einem Augenzwinkern Episoden und Entwicklungen voraus, die in den nächsten zwölf Monaten garantiert nicht eintreffen und über die wir heuer mit großer Sicherheit nicht berichten müssen. Glauben wir zumindest. Aber Glauben heißt halt nicht wissen und es gilt die stehende Redewendung unseres Journalisten-Kollegen Marc Twain. Der hat einst in bester Valentin-Manier prognostiziert: „Voraussagen sind immer dann besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Unsere Jahresglosse ist übrigens einigen der Hauptakteure mittlerweile so lieb geworden, dass sie durchaus enttäuscht nachfragen, wenn sie nicht erwähnt werden...

Es formiert sich eine Gelb-Tonnen-Protest-Bewegung

Januar Das Jahr beginnt mit einer schlechten Nachricht für den genervten Mülltrenner und einer freudigen Botschaft für die begeisterten Sortierer im müllbewegten Landkreis. Die nagelneuen und vollgestopften Gelben Tonnen werden nicht abgeholt. Das Holsystem für Verpackungsmüll endet, bevor es überhaupt beginnt. Das liegt übrigens nicht an der katastrophalen Fehlwurfquote von knapp 99 Prozent bei der Erstbefüllung, sondern an einem akuten Wittelsbacher Fachkräfte-Problem: Müllfahrer-Mangel. Landrat Klaus Metzger ist durch die Hebammen- Malaise vorbereitet. Er legt ein Förderprogramm auf und weiß gleichzeitig: „Geld allein macht nicht glücklich. Damit können wir uns auch keine Müllfahrer schnitzen.“ Er will aber nicht „ruhen oder rasten“, bis die „Gelben“ abgeholt werden. Nach der ersten Schockstarre formiert sich die sogenannte Gelb-Tonnen-Protestbewegung.

Februar Krisen-Stimmung bei der Aichacher CSU: Es hagelt körbeweise Absagen. Kein Mensch und schon gar kein Parteimitglied will als Kanonenfutter bei der Bürgermeisterwahl gegen Klaus Habermann antreten. Nach Überlegungen für ein Streichholzziehen in der dritten Parteisoldaten-Reihe folgt eine Massenaustrittswelle. Der Verzweiflungsgang der christsozialen Granden nach Unterwittelsbach endet in einem Fiasko: Altlandrat Christian Knauer hat sich der Gelb-Tonnen-Bewegung angeschlossen und sein Haus verbarrikadiert. Sein Nachfolger im Blauen Palais setzt derweil alle Hebel in Bewegung, damit der gelbe Sprengstoff entschärft wird. Er kündigt eine Müllfahrer-Schule an, um zumindest mittelfristig Berufsnachwuchs zu generieren.

März Nächste Hiobsbotschaft: Das nagelneue Ärztehaus in Pöttmes schließt, bevor es überhaupt öffnet. Grund: Sie ahnen es – Ärztemangel. Bürgermeister Franz Schindele will nicht „ruhen oder rasten, bis...“. Landrat Metzger bleibt im Krisenmodus, kündigt ein Förderprogramm und eine Landärzteschule an, ist sich seiner Einflussmöglichkeiten aber bewusst: „Damit können wir uns auch keine Mediziner backen.“ Derweil blockieren die Gelb-Tonner erste Kreisverkehre mit Verpackungsmüllsperren.

Müllblockade auf den Kreisstraßen Richtung Affing und Pöttmes

April Ex-Parteichef Theo Waigel sagt der Aichacher CSU ab. Begründung: Für Harakiri fühle er sich noch zu jung. In Eresried jenseits von Steindorf, Lechlingszell oberhalb von Baar und Kemnat hinter Schiltberg kommt es zu ersten Straßenschlachten mit gegenseitiger Müllbeschmeißung zwischen Gelb-Tonnern und militanten Müll-Sortierern. Landrat Metzger löst vorsorglich Katastrophen-Alarm aus.

Mai Ganz bitter für Rehling. Die beiden nagelneuen Masten für den Behördenfunk sind vor Ort, werden aber nicht aufgestellt. Grund: Sie können es sich vermutlich denken – akuter Mastenaufstellermangel. Bürgermeister Alfred Rappel will nicht „ruhen oder rasten, bis...“. Landrat Metzger geht das Problem in altbewährter Weise mit Förderprogramm und einer Mastenaufstellerschule an und gibt gleichzeitig zu bedenken: „Damit können wir uns auch keine Funkmast-Mechaniker zusammenschrauben.“

Juni Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber sagt der Aichacher CSU ab. Seine Ausrede: Er sei zwar Aufsichtsrat beim FC Bayern, aber im Grunde seines Herzens Nürnberg-Anhänger. Er bringe es nicht übers Herz, gegen den erklärten Club-Fan Habermann zu kandidieren. Die Gelb-Tonnen-Proteste nähern sich derweil immer mehr der Hauptstadt des Wittelsbacher Landes. Die Kreisstraßen Richtung Pöttmes und Affing müssen mehrmals am Tag mit Müllräumern freigehalten werden.

Bürgermeister sollen ehrenamtlich Verpackungsmüll abfahren

Juli Alarmstimmung in Kühbach: Die nagelneue Kläranlage schließt, bevor sie überhaupt öffnet, und das hat nichts mit einem Bürgerprotest zu tun. Grund: Das überrascht jetzt nun wirklich niemanden mehr – Klärwärtermangel. Bürgermeister Johann Lotterschmid ist stocknarrisch und verspricht, dass er „nicht ruhen oder rasten will, bis der Sch... da geklärt wird“. Landrat Metzger hat ausreichend Routine, kündigt ein Förderprogramm und eine Klärwärterschule an, ist sich seiner Problemabflussmöglichkeiten aber bewusst: „Damit können wir uns auch keine Abwasserspezialisten freispülen.“

August Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagt der Aichacher CSU ab. Begründung: Nach der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit sei sein Bedarf an Karrieredellen erschöpft. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron wird als Berater in der Gelb-Tonnen-Krise eingeflogen. Das verschärft allerdings die Lage extrem. Exil-Franzosen aus ganz Bayern blockieren in gelben Westen Autobahn und B 300. Landrat Metzger hat eine Idee. Die Bürgermeister und Kreisräte sollen ehrenamtlich den Verpackungsmüll in ihren Gemeinden abfahren.

September Jetzt brennt’s im Wittelsbacher Land: 23 von 24 Rathäuser (Ausnahme Aichach) werden über Nacht geschlossen. Grund: Logisch – Bürgermeistermangel. Der Großteil hört sowieso im nächsten Jahr auf und macht gleich Schluss und der Rest will nicht neben der Bürgermeisterei noch zusätzlich sechsmal die Woche Gelbe Tonnen leeren. Landrat Metzger hat mittlerweile ausreichend Erfahrung in solchen Situationen, kündigt ein Förderprogramm und eine Bürgermeisterschule an, kennt aber seine Möglichkeiten: „Damit können wir uns auch keine Rathauschefs herbeizaubern.“

Gelb-Tonner rufen zum Sturm auf die Recyclinghöfe auf

Oktober Ex-Parteichef Seehofer sagt der Aichacher CSU erst zu und dann nach einer denkwürdigen Nachtsitzung wieder ab. Begründung für die eingesprungene Horst-Pirouette: Bürgermeister von Aichach sei zwar das schönste Amt nach dem des Papstes. Aber die Wahrscheinlichkeit, als Bundesinnenminister im Amt zu bleiben liege im Vergleich zur Chance, Habermann zu schlagen, bei 100:1.

November Der Vorschlag, Joghurtbecher und Co. wieder wie früher auf die Wertstoff-Sammelstellen zu bringen, bringt das Fass zum Überlaufen. Die Gelb-Tonner rufen zum Sturm auf die Recyclinghöfe auf.

Dezember Ministerpräsident und Parteichef Markus Söder löst die Probleme der Aichacher CSU mit einem genialen Handstreich. Er übernimmt die sich auflösende Rest-SPD und beendet gleichzeitig auch die Altersgrenze für hauptamtliche Bürgermeister im Freistaat. Das Gesetz geht als „Lex Habermann“ in die bayerische Geschichte ein. Der Dauerbrenner kann also auch noch 2026 und 2032 antreten. Landrat Klaus Metzger bekommt die Mutter aller Krisen im Wittelsbacher Land durch einen genialen Schachzug in den Griff. Mitglieder der Gelb-Tonnen-Bewegung dürfen ihren Verpackungsmüll beim Silvesterfeuerwerk mit Trägerraketen auf Grundstücke von überzeugten Sortierern schießen. Allein die Ankündigung sorgt für Begeisterung auf allen Seiten und ungebremsten Zuzug von Fachkräften ins Wittelsbacher Land: Die Babystation im Aichacher Krankenhaus wird sofort wieder geöffnet ...

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