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Schiltberg

11.05.2020

Abschied vom Schiltberger Rathaus: Josef Schreier freut sich auf viel freie Zeit

20 Jahre war Josef Schreier Bürgermeister von Schiltberg. Im März 2020 trat er nicht mehr zur Wahl an.
Bild: Gerlinde Drexler (Archiv)

Plus Nach zwei Jahrzehnten geht der Schiltberger Bürgermeister Josef Schreier zwar mit Wehmut, aber dennoch mit Freude. Was er in nächster Zeit alles vorhat.

Sie waren zum Teil Jahrzehnte im Amt und haben ihre Gemeinden geprägt. Zum 1. Mai haben gleich zehn von 16 Bürgermeistern im Aichacher Land aufgehört. In einer Serie verabschieden wir die langjährigen Bürgermeister und erkundigen uns, wie ihre Nachfolger die ersten Tage im Amt erlebt haben.

Nach 20 Jahren als Bürgermeister von Schiltberg in Ruhe Abschied nehmen – bei Josef Schreier war das nicht drin. Der 61-Jährige absolvierte am 30. April einen „vollen Arbeitstag mit vollem Stress von der Früh bis auf d’Nacht“, wie er erzählt. Denn unbedingt sollte der alte Gemeinderat noch den Haushalt 2020 verabschieden. Das ist gelungen. Zeit zum Nachdenken blieb da keine.

Diesen Stress wird Josef Schreier in Zukunft sicher nicht vermissen. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er schon im Herbst 2018 angekündigt, dass er nicht mehr kandidieren würde.

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Seine frühe Entscheidung, sein Amt abzugeben, hat er nicht bereut

Er hatte festgestellt, dass die Belastungsfähigkeit seines Körpers abgenommen habe. „Wenn es sein muss, dann schafft man alles“, sagt er. Doch jetzt sei er froh, „dass es vorbei ist“. Stress, Druck und Terminen weint er keine Träne nach. Das heißt nicht, dass ihn der Abschied vom Amt kalt gelassen hätte. „Wehmut ist immer dabei nach 20 Jahren. Das geht gar nicht anders“, gibt Schreier zu. Trotzdem hat er seine frühe Entscheidung aufzuhören in keinem Fall bereut. „Ich freue mich wirklich“, betont er.

Langweilen wird er sich sicher nicht. Davon ist Schreier überzeugt. Daheim ist einiges liegen geblieben. Gerade baut er neues Tomatenhäuschen. Nur ein Punkt auf einer Liste von Aufgaben.

Außerdem will Schreier seine kleine Schreinerei wiederbeleben. Als 61-Jähriger ist er zu jung für die Rente. Jetzt wird er „in kleinem Stil“ selbstständig. Fünf, sechs Stunden will er täglich in seiner Ein-Mann-Schreinerei arbeiten. „Das ist mein Wunsch.“

Ein, zwei Stunden pro Woche ist Josef Schreier für seinen Amtsnachfolger da

Momentan ist er auch noch ein, zwei Stunden pro Woche für seinen Nachfolger Fabian Streit, um ihn einzuarbeiten. Das geschehe im besten Einvernehmen, betont Schreier und ergänzt: Das wäre auch nicht anders gewesen, hätte sich der Wähler für Albert Wagner entschieden. Der Übergang in der Gemeindeverwaltung war nahtlos. Auf die Frage, ob er dort schon ausgezogen sei, sagt Schreier mit ein wenig Verwunderung in der Stimme: „Ich hab gar nichts ausgeräumt.“ Die paar Dinge, die ihm gehörten, hätten in eine kleine Tasche gepasst, erklärt er. So war es nur noch nötig, dass das Computerkennwort für den neuen Bürgermeister geändert wurde.

Ein bisschen Kommunalpolitik bleibt Josef Schreier trotzdem erhalten. Er wurde erneut in den Kreistag gewählt. Das freue ihn und das mache er gerne weiterhin, betont der 61-Jährige am Telefon. Und natürlich will er auch endlich mehr Zeit mit seiner Frau verbringen. Einmal wöchentlich steht Nordic Walking mit ihr auf dem Programm. Eventuell schaffen sich beide E-Bikes an. Seit einem Jahr reden sie schon davon. Josef Schreier hat schon eingewilligt, dass sie sich zumindest mal Modelle in einem Laden anschauen.

Im Jahr 2000 wurde Josef Schreier zum Bürgermeister von Schiltberg gewählt

20 Jahre war Josef Schreier Bürgermeister von Schiltberg. Er wurde im Jahr 2000 außertourlich gewählt, nachdem Franz-Xaver Schmid aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Schreier saß in Schiltberg immer fest im Sattel. Bei seinen Wiederwahlen hatte er nie einen Gegenkandidaten.

Damals 2000, ganz neu im Amt, hatte er Bedenken, ob er nicht mit vielen Problemen und Streitereien würde leben müssen. Dass das nicht eingetreten ist, dass er immer mit allen auf einen Nenner gekommen sei, „das ist das Schönste“, bilanziert Schreier seine Amtszeit. In sie fallen unter anderem der Bau von vier Radwegen, aber auch Meilensteine wie das Bürgerhaus und der Neubau von Gemeindeverwaltung und Feuerwehrhaus.

Wegen der Corona-Pandemie schied er ganz still aus dem Amt

Wegen Corona ist der Schiltberger Bürgermeister ganz still aus dem Amt geschieden. Es war eine "schöne harmonische Sitzung", beschreibt Schreier. Aber eine festliche Stimmung wollte sich angesichts des Abstandsgebots nicht einstellen. Verabschiedet haben sich von ihm trotzdem viele: von der Schule angefangen bis hin zu Vereinen und zu Bürgermeisterkollegen. Dass es nicht anders ging, nimmt Schreier gelassen hin. „Ich bin nicht der Typ dafür, dass ich den großen Bahnhof brauche.“ Trotzdem wird’s den noch geben. Nachfolger Streit hat versprochen, dass ein großer Festabend nachgeholt wird, sobald es die Situation wieder zulässt.

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