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Aichach: Schon 26 Anmeldungen für das neue Geburtshaus in Aichach

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Schon 26 Anmeldungen für das neue Geburtshaus in Aichach

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    Eine entspannte, unaufgeregte Atmosphäre für Mutter und Kind soll im neuen Aichacher Geburtshaus am alten Krankenhaus entstehen. Das neue Angebot öffnet im September.
    Eine entspannte, unaufgeregte Atmosphäre für Mutter und Kind soll im neuen Aichacher Geburtshaus am alten Krankenhaus entstehen. Das neue Angebot öffnet im September. Foto: Arno Burgi, dpa (Symbolbild)

    Der Termin steht: Am 1. September eröffnet das Aichacher Geburtshaus. Sechs Räume im Altbau des Aichacher Krankenhauses werden derzeit renoviert und neu eingerichtet. Sechs Schwangere sind bereits für September angemeldet, um im Geburtshaus in familiärer Atmosphäre ohne ärztliche Begleitung zu entbinden. Für Oktober und November gibt es jeweils zehn Anmeldungen.

    Mit diesem Interesse sind die Initiatorinnen des Geburtshauses sehr zufrieden. Fünf selbstständige Hebammen werden die Einrichtung ab September betreiben, Verstärkung ist aber gewünscht. Mit Pia Petrovic aus Oberbernbach und Stefanie Schmidt kommen zwei Mitglieder der eingetragenen Hebammengesellschaft aus Aichach. Linja Dittmann aus Augsburg, Thea Holstein aus Bobingen (Kreis Augsburg) und Larissa Wittmann aus Ehekirchen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) vervollständigen das derzeitige Team.

    Geburtshaus in Aichach peilt 150 Geburten an

    Einige Frauen, die sich bisher angemeldet haben, stammen aus dem Augsburger Raum oder dem Münchner Umland. Der Großteil der werdenden Mütter kommt aber aus Aichach und Umgebung. Wie Holstein berichtet, hätten viele schwangere Aichacherinnen aufgeatmet, als sie erfahren haben, dass das Geburtshaus öffnet. "Viele Frauen wollen am liebsten in der eigenen Stadt gebären", sagt sie. Bis zu 150 Entbindungen im Jahr peilt das Geburtshaus an.

    Die Geburtshilfestation im neuen Krankenhaus in Aichach ist weiterhin verwaist. Die Station musste 2018 schließen, noch bevor sie überhaupt öffnete.
    Die Geburtshilfestation im neuen Krankenhaus in Aichach ist weiterhin verwaist. Die Station musste 2018 schließen, noch bevor sie überhaupt öffnete. Foto: Christoph Lotter (Archivbild)

    Seit drei Jahren gibt es am Aichacher Krankenhaus keine Geburtsstation mehr. Sie wurde im Herbst 2018 bei der Eröffnung des neuen Krankenhauses aus Mangel an Hebammen erst gar nicht miteröffnet. Zahlreiche Proteste blieben bis heute erfolglos. Die fünf Hebammen sehen das Geburtshaus in Aichach als Zusatzangebot und nicht als Konkurrenz zur klinischen Geburtshilfe. "Es gibt genug Frauen da draußen", betont Holstein. Es sei auch Typsache, wer lieber im Krankenhaus und wer lieber im Geburtshaus entbinde.

    Männer dürfen bei Geburt dabei sein

    Das Angebot des Geburtshauses richtet sich an Schwangere, bei denen alles auf eine risikoarme, natürliche Geburt hindeutet, bei der keine ärztliche Betreuung nötig ist. Die Hebammen übernehmen in der Regel Vorsorge, Geburt und Nachsorge. Bei der Geburt sind stets zwei Hebammen im Einsatz, die sich über das jeweilige Vorgehen beraten können. Notfallmedikamente sind zwar vor Ort, bei der Geburt verabreichen die Hebammen aber keine Medikamente. Stattdessen wird laut Dittmann und Holstein mit Wärme, Bewegung, Badewanne, Massagen, Akkupunktur oder Homöopathie gearbeitet. Männer sind willkommen.

    Thea Holstein (links) und Linja Dittmann gehören zum Team der fünf Hebammen, die das Aichacher Geburtshaus betreiben. Sie wollen den werdenden Müttern eine natürliche Geburt in möglichst unaufgeregter Atmoshäre bieten.
    Thea Holstein (links) und Linja Dittmann gehören zum Team der fünf Hebammen, die das Aichacher Geburtshaus betreiben. Sie wollen den werdenden Müttern eine natürliche Geburt in möglichst unaufgeregter Atmoshäre bieten. Foto: Evelin Grauer

    Wenn es Mutter und Kind gut geht, geht die Familie drei bis vier Stunden nach der Geburt wieder nach Hause. Wie Dittmann erläutert, funktioniere in der Ruhe des häuslichen Umfelds vieles besser als auswärts, etwa das Stillen. Die Hebammen seien berechtigt, kurz nach der Geburt die erste Untersuchung des Babys, die U1, zu machen, sodass kein Kinderarzt nötig sei. Dass während der Geburt ein Notfall auftrete und die Gebärende rasch in ein Krankenhaus verlegt werden müsse, komme laut Dittmann nur bei ein bis drei Prozent der außerklinischen Geburten vor. Das passiert beispielsweise dann, wenn es Mutter oder Kind nicht gut geht.

    Verlegung in Klinik bei Problemen

    Sogenannte "Verlegungen in Ruhe", bei denen kein Notfall vorliegt, machen etwa 20 Prozent aus. Diese Verlegungen sind etwa dann nötig, wenn bei der Geburt nichts mehr weitergeht oder sich andeutet, dass die Geburt für die Mutter zu schmerzhaft wird. Alle Frauen, die im Geburtshaus entbinden wollen, suchen sich bereits vorab - für den Fall der Verlegung - ein Krankenhaus aus und stellen sich dort vor. So könnten von Aichach aus Verlegungen nach Friedberg, Augsburg, Neuburg, Ingolstadt oder Dachau erfolgen.

    Grundsätzlich darf im Geburtshaus erst ab der Schwangerschaftswoche 37+0, also drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, entbunden werden. Frühere Geburten gelten als Risikogeburten - hier muss die Frau ins Krankenhaus. Fortgeschrittenes Alter ist kein Ausschlusskriterium für die Entbindung im Geburtshaus. Es kann aber eine intensivere Betreuung zur Folge haben. Nicht möglich sind dagegen Zwillingsgeburten. Ob Frauen aufgenommen werden, die bei der ersten Geburt einen Kaiserschnitt hatten, wird situationsabhängig entschieden.

    Geburtshaus Aichach sammelt Geld

    Für das Geburtshaus wird der alte Kreißsaal im Altbau des Aichacher Krankenhauses umgebaut. Die Kliniken an der Paar, die ein Eigenbetrieb des Landkreises sind, vermieten die rund 170 Quadratmeter zu einer moderaten Miete an die Hebammen. Die Räume sollen Wohnzimmer-Charakter bekommen. Zur Verfügung stehen zwei Gebärräume, zwei Untersuchungszimmer, ein Aufenthaltsraum und ein Büro. Zur Not können die Untersuchungszimmer ebenfalls für Geburten genutzt werden.

    Für die Einrichtung der Räume hat das Hebammenteam über eine Crowdfunding-Aktion, eine Gruppenfinanzierung, Geld gesammelt. Wie Pia Petrovic berichtet, sind dabei rund 25.000 Euro von Firmen und Privatpersonen zusammengekommen - mehr als erwartet. Sollte aus dieser Aktion Geld übrig bleiben, sollen damit Eltern unterstützt werden, die Probleme mit der Zuzahlung haben. Grundsätzlich übernimmt die Krankenkasse alle Leistungen des Geburtshauses. Für die Rufbereitschaft der Hebammen drei Wochen vor und zwei Wochen nach der Geburt müssen die Eltern aber selbst 500 bis 700 Euro bezahlen. In der Regel erstattet die Krankenkasse später wieder etwa die Hälfte des Geldes.

    Weitere Informationen gibt es auf der Homepage unter www.geburtshaus-aichach.de.

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