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Sportporträt

11.07.2019

Als Fußballer war Günter Seelos der "Zauberer"

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Günter Seelos sagt selbst von sich, dass er beim Tennis nicht so gut sei. Mit den Herren 55 des TC Aichach spielt er immerhin Bayernliga . . . .
Bild: Reiner Laske

Plus Jetzt spielt der Sielenbacher mit Schläger und sagt: „Ich kann nicht Tennis spielen.“ Mit den Herren 55 des TC Aichach tritt er aber in der Bayernliga an.

An seine Karriere als Fußballer werden sich gerade ältere Leser noch gut erinnern. Schließlich bekam er den respektvollen Beinamen „Zauberer“. Dieses Attribut besagt schon einiges darüber, wie Günter Seelos mit dem runden Leder umging: als feiner Techniker. Inzwischen hat sich der Mann, der Ende des Monats seinen 63. Geburtstag feiert, für einen kleineren Ball entschieden. Er gehört zum Team der Männer 55 im TC Aichach, das mit dem Aufstieg in die Bayernliga für Aufsehen sorgte. Dabei gilt Seelos normalerweise als Nummer fünf unter den sechs Aichacher Cracks. Dennoch sagt er von sich: „Ich kann nicht Tennis spielen.“ Aus diesem Satz spricht der Respekt von Teamkollegen wie Harald Greifenegger und Walter Schenkl, denen er ein deutlich höheres Niveau bescheinigt.

Seelos gehört der Leistungsklasse (LK) 17 an. Die Spieler in den anderen Bayernligateams sind durchweg im einstelligen LK-Bereich angesiedelt. Auf diese Weise wird deutlich, warum die Aichacher in diesen Wochen die Dominanz der Konkurrenten anerkennen müssen. Aber das war ihnen schon mit dem Aufstieg klar – mehr oder weniger zumindest. „Darauf warten, dass der andere einen Fehler macht, das genügt nicht mehr“, sagt der pensionierte Polizeibeamte, der auf Grund einer Leistungszerrung („Das ist nicht so tragisch“) derzeit nicht zum Racket greifen kann. Der Wechsel zum kleinen Ball war für den ehemaligen Kicker naheliegend: „Als Fußballer spielte man immer schon Tennis.“

Er kickte in Aichach, Ecknach und Aindling

Seine Wiege stand im Jahr 1956 in Eschwege. Von Hessen führte ihn der Weg bald nach Aichach. Seit 1983 lebt das Ehepaar Seelos in Sielenbach. In Aichach war Seelos zunächst in der Polizeiinspektion tätig, später war sein Arbeitsplatz beim Polizeipräsidium in Augsburg, wo er sich darum zu kümmern hatte, dass junge Leute sich ebenfalls für eine Tätigkeit bei der Polizei entschieden. Und als Fußballer heuerte er beim BC Aichach an. Weitere Stationen waren der VfL Ecknach und der TSV Aindling, ehe es zurück ging zum BCA. Drei Knieoperationen auf Grund von Knorpelschäden („Nach der ersten habe ich zu früh angefangen, da war ich selber schuld“) hat er gut verkraftet. Er kickte in der Aichacher AH und bei diesem Thema leuchten seine Augen richtig auf: „Wir sind viermal bayerischer Meister geworden, das war noch mal eine schöne Zeit.“

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Landesliga war die höchste Spielklasse in seiner aktiven Zeit zuvor: „Einmal wären wir fast in die Bayernliga aufgestiegen, da waren wir punktgleich mit Eching.“ Viele renommierte Namen könnte Seelos im Rückblick aufzählen, Peter Linzenkirchner etwa oder „Jackl“ Grammer. „Ich habe immer die Nummer sieben getragen“, berichtet er und seine Position rutschte im Laufe der Jahre immer weiter nach hinten: „Vor der Abwehr, immer wo der Ball ist.“ Als Überflieger will er sich im Nachhinein keineswegs einstufen: „Ich hatte auch Defizite, etwa in der Schusstechnik.“ Gleichwohl kam er in den guten Zeiten auf 15 Treffer pro Saison.

Seelos fehlen die Straßenfußballer

Seelos verfolgt nach wie vor die hiesige Fußballszene mit großem Interesse, nachdem er früher als Spielertrainer tätig war: „Was fehlt, das sind die Straßenfußballer.“ Das ist ein Manko, das von vielen Beobachtern beklagt wird. Des Öfteren hat man ihn schon gefragt, ob er sich im Fußball noch mal engagieren möchte, ohne Erfolg. Irgendwann müsse man erkennen, dass es vorbei ist. Hätte ein Mann mit seinen Talenten nicht höher kicken als in der Landesliga, die damals immerhin die vierthöchste Klasse bundesweit war? Auf diese Frage muss Seelos den Kopf schütteln: „Überhaupt nicht, das war meine Klasse, da habe ich mich wohl gefühlt. Bayernliga –- das wäre schon mit dem Beruf nicht gegangen.“ Dass der Fußball in unserer Region enorm an Stellenwert eingebüßt hat, ist dem „Zauberer“ nicht entgangen: „Gegen Dasing, Aindling oder Pipinsried - da hast du immer 1000 Zuschauer gehabt. Das war eine tolle Zeit.“ Von solchen Zahlen können die Kassiere heute nur noch träumen.

Kommt die Rede auf den „großen Fußball“, so findet Seelos ausgesprochen deutliche, kritische Worte: „Die Weltmeisterschaft in Katar wird einfach fürchterlich. Katar hat keine Fußballtradition, das ist kein Fußballland.“ Wäre der Zuschlag an die USA gegangen, über diese Entscheidung hätte er sich gefreut. Die Vereinigten Staaten sind vier Jahre später an der Reihe, zusammen mit Kanada und Mexiko. Seelos: „Das hört sich gut an.“

Drei Fragen an Günter Seelos:

Wen würden Sie gerne einmal persönlich kennenlernen oder treffen?

„Ich wäre gerne bei so vielen Sachen dabei gewesen, ob bei Weltmeisterschaften oder bei Olympia. Es ist beruflich oder aus welchen Gründen auch sonst nicht gegangen. Die Olympischen Spiele in Sydney zum Beispiel, die hätte ich gerne erlebt. Tokio und Japan nächstes Jahr reizt mich nicht so sehr wie Australien.“

Mit welcher Sportart können Sie gar nichts anfangen?

„Alles, was mit Pferden zu tun hat, oder Eiskunstlaufen. Sonst kann ich eigentlich mit allen Sportarten was anfangen.“

Womit kann man Sie so richtig auf die Palme bringen?

„Mit Egoismus und mit Unzuverlässigkeit.“

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