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Fest

12.08.2014

Asylbewerber tanzen für ihre Gäste

Mit einem Tanz und Trommeln sorgten die jungen Männer aus Afrika für die nötige Stimmung beim „Familienfest“ in Anwalting.
Bild: Victorine Jeanty

In Anwalting feiern die Flüchtlinge mit Nachbarn und Interessierten aus dem Umkreis, um sich gegenseitig kennenzulernen. Die Helfer des Asylkreises und ihre Schützlinge brauchen dazu keine Namensschilder mehr

Als Mamadou unter lautem Geschrei und begleitet von Trommelwirbel auf die Wiese stürmt und anfängt zu tanzen, fängt der kleine Sohn von Petra Bachmeir bitterlich an zu weinen. Das ist auch schon der einzige Schreckensmoment beim Kennenlern-Fest am Samstagnachmittag im Affinger Ortsteil Anwalting. Eingeladen hat dazu der Asylkreis Affing-Anwalting gemeinsam mit Pfarrer Max Bauer. In der Schmiedgasse wohnen 18 der insgesamt 22 Asylbewerber, die in der Großgemeinde Affing seit mehreren Monaten eine Bleibe gefunden haben.

Tanz ist "Ausdruck des Glücks"

Der junge Mann aus Mali ist in der Tat ein bisschen zum Fürchten: Gesicht und Körper sind dicht mit grünem Blattwerk verschnürt, er stampft immer wieder auf den Boden und kniet nieder, um gleich darauf wieder mit wilden Bewegungen seinen kraftvollen Tanz zu vollführen. Was den Knirps vor Schreck zum Weinen bringt, gilt in der Heimat von Mamadou als „Ausdruck des Glücks“, wie Petra Bachmeir erklärt. Sie gehört zum Affinger Asylkreis und betreut mit weiteren 25 ehrenamtlichen Helfern die jungen Männer aus Syrien, Pakistan, Mali und Nigeria.

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Viele, wenn auch nicht so viele, wie die Organisatoren erhofft hätten, sind in die Schmiedgasse in Anwalting gekommen: Bewohner aus dem Ort und der Umgebung. Gemeinderat Georg Engelhard ist da, auch Zweiter Bürgermeister Markus Winkelhofer, der Bürgermeister Rudi Fuchs vertritt. Sie finden ein großes Partyzelt vor und ein reichhaltiges Büfett mit einem üppigen bayerischen Kuchensortiment, pakistanischen Reisgerichten oder scharf Gewürztem aus der afrikanischen Küche. Dazu ertönt Trommelmusik und es wird getanzt. Die Kinder spielen Fußball.

25 Helfer und 22 Asylbewerber

Petra, Manuela, Christa, Simon, Gerhard, Konrad aus Gebenhofen, Affing, Hausen oder Anwalting – Mamadou, Khaled, Sisoco aus Mali, Syrien, Nigeria: Die Asylhelfer und ihre Schützlinge kennen sich auch ohne Namensschilder. Auf 22 Asylbewerber in der Gemeinde Affing kommen 25 ehrenamtliche Helfer. Seit fast einem Jahr gibt es diesen engagierten Asylkreis, den der Affinger Pfarrer Max Bauer 14 Tage nach seiner Amtseinführung im September 2013 initiiert hat.

Die vielen Helfer sind alle im Einsatz: Deutschunterricht, Behördengänge, Formulare ausfüllen, trösten, schlichten, aber auch: Putzpläne aufstellen und auf deren Einhaltung achten, so weit möglich die Selbstständigkeit vorantreiben, und sei es mittels Fahrrad zum Unterricht nach Hausen fahren oder zum Einkaufen nach Augsburg. Vieles funktioniert. Die Verständigung auf Deutsch klappt unterschiedlich gut, noch zeigen nicht alle den gleichen Lerneifer.

Kahled aus Syrien ist mittlerweile als Flüchtling anerkannt und jetzt auf Arbeits- und Wohnungssuche. Schon vor Monaten hat jemand Trommeln organisiert. Noch im August soll ein Schnupperkurs für Kinder angeboten werden. Pfarrer Max Bauer ist froh über die Helfer. „Die Menschen sind nun mal da und dann müssen wir helfen“, sagt er pragmatisch. Vor Ort sieht er, wie viel Mühe und Einsatz notwendig sind, um den Menschen mehr als nur ein bisschen aus ihrer Not zu helfen.

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