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Flüchtlinge

22.10.2014

Asylhelfer wollen sich besser vernetzen

Symbolbild Helfer
Bild: Wolfgang Widemann

Landkreisweit engagieren sich viele Bürger für die Asylbewerber. Dabei kommen einige Probleme zur Sprache, aber auch Ideen, wie man sie lösen könnte

Die Bereitschaft zu helfen ist groß. Die Solidarität mit den Geflüchteten wächst. 485 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis, Tendenz steigend. Um sie kümmern sich offiziell die Behörden, vor Ort sind für diese Menschen die jeweiligen Asylkreise intensiv im Einsatz. 20 Helfer aus neun Asylkreisen waren kürzlich der Einladung von Stefanie Kratzer ins Stüberl des Dasinger Bauernmarktes gefolgt.

Die Leiterin der Freiwilligenagentur „mitanand & füranand im Wittelsbacher Land“ wollte ihnen eine Gelegenheit bieten, Erfahrungen auszutauschen. Ziel des Abends war, das ehrenamtliche Engagement besser zu koordinieren und zu strukturieren. Die Anregungen will Kratzer bündeln und mit zusätzlichen Informationen in Form eines Leitfadens an die Betroffenen und die Gemeinden weitergeben.

Die Zeit drängt. „Mehr Asylbewerber bedeuten mehr Aufgaben“, meinte Kratzer. Mehr Arbeit sowohl für die chronisch unterbesetzten Ämter und Behörden wie auch für die Ehrenamtlichen. Deren Einsatzgebiete und Arbeitseinsätze übersteigen unterdessen die bloße Vorstellung eines „ehrenamtlichen Engagements“.

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Aufwand und Zeit variieren mit der Anzahl der vor Ort zu Betreuenden, im Kern leisten jedoch alle die gleiche Arbeit: gestaffelter Deutschunterricht, Fahrdienste, Arztbesuche, Kinderbetreuung, schulische Eingliederung, Freizeitangebote, Hilfe bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Hilfe und Rat, wenn Eltern und Kinder traumatisiert sind gehört ebenfalls dazu, aber auch Vorurteile der Einheimischen bezüglich der „Fremden“ zumindest ansatzweise zu beheben. „Manchmal reicht ein ausländisches Kind im Kindergarten, um den Widerstand und die Angst vor Überfremdung zu schüren“, berichtete ein Helfer aus Ottmaring.

„Es gibt Sachen, die man als Ehrenamtlicher gar nicht mehr kann“, ergänzte ein anderer. Was bei Freizeitangeboten noch mit Fantasie und Geduld zu bewältigen ist, funktioniert auf anderen Gebieten nur ansatzweise. Das ist spätestens bei der Arbeits- und Wohnungssuche der Fall. Hier müsse seitens des Landratsamtes mehr Druck auf die jeweiligen Gemeindeväter ausgeübt werden, meinten die Anwesenden. Die Mehrzahl der Asylbewerber sei um jede noch so bescheidene Arbeit dankbar.

In einigen Gemeinden funktioniert das auch. Sich nützlich machen, als kleines Dankeschön für die entgegengebrachte Hilfe, umschrieb dies einer der Anwesenden. Noch gilt das neunmonatige Arbeitsverbot, das wohl irgendwann auf drei Monate runtergefahren wird. „Wir warten auf ein Signal aus der Politik“, so Stefanie Kratzer.

Helfer wollen einen kompetenten Ansprechpartner in Behörden

Sehr deutlich war der Wunsch nach einem kompetenten Ansprechpartner in den zuständigen Behörden, der auch an die Gemeindeverwaltungen verlässliche Informationen weiterleitet. Hier verpuffe noch viel Zeit und Energie, da niemand so richtig gut Bescheid wisse, hieß es. Die Zusammenarbeit sei oft unbefriedigend. Eine Hotline für brisante Fragen, etwa in der Rechtsberatung oder bei drohender Abschiebung, schlug Harald Lesti aus Hollenbach vor. Stefanie Kratzer denkt an Integrationslotsen oder -paten, gerade bezüglich Jobsuche und -vermittlung.

Die Asylkreise wollen sich intern ebenfalls effektiver strukturieren und vernetzen sowie wichtige Kontaktdaten direkt austauschen. Dafür war Birgit Schacherl aus Griesbeckerzell (Stadt Aichach) ganz besonders dankbar: Sie betreut als Einzelperson die 19 Asylbewerber vor Ort.

Im Januar 2015 wird das nächste Treffen mit zwei Experten der Ausländerbehörde und des Jobcenters stattfinden. Bereits am Sonntag, 9. November, findet die erste Freiwilligenmesse in der Friedberger Stadthalle statt. Von 10 bis 18 Uhr stellen sich Vereine, Verbände und Institutionen vor und bieten all denen, die sich freiwillig engagieren möchten, eine Vielfalt an Informationsmöglichkeiten. Veranstalter sind die Freiwilligenagentur „mitanand & füranand“ und der Kreisjugendring Aichach-Friedberg.

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