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Deutsche Bahn

10.01.2019

Bahn rüstet nach Zugunglück in Aichach 600 alte Stellwerke nach

Bei einem schweren Zugunglück in Aichach sind im Mai 2018 zwei Menschen gestorben.
Bild: Erich Echter (Archiv)

Rund 600 Stellwerke der Bahn werden mit zusätzlicher Sicherheitstechnik ausgestattet. Die Bahn reagiert damit auf schwere Zugunglücke wie in Aichach.

Nach mehreren schweren Bahnunglücken mit Toten und Verletzten will die Deutsche Bahn (DB) in den kommenden fünf Jahren rund 600 ältere Stellwerke mit zusätzlicher Sicherheitstechnik ausstatten. In einem ersten Schritt sollen in diesem Jahr bundesweit bis zu 50 Stellwerke modernisiert werden, sagte eine DB-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Auf der Liste der ersten dafür vorgesehenen Anlagen steht auch das Stellwerk in Aichach, wo im Mai 2018 ein Personenzug auf einen stehenden Güterzug aufgefahren war. Der 37 Jahre alte Lokführer des Zuges der Bayerischen Regiobahn und eine 73 Jahre alte Passagierin starben, 14 Fahrgäste wurden teils schwer verletzt.

Schweres Zugunglück in Aichach: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fahrdienstleiter

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem Unfall gegen den DB-Fahrdienstleiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und weiterer Straftaten. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, Details zu der Unglücksursache hat die Staatsanwaltschaft bislang nicht bekanntgegeben. Wann es zu einem möglichen Prozess kommt, ist derzeit noch nicht absehbar.

Zugunglück mit zwei Toten bei Aichach
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Zugunglück bei Aichach: Regiobahn fährt in Güterzug
Bild: Matthias Balk, dpa

In wenigen Wochen sollen die Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen. Das hat Pressesprecher Matthias Nickolai auf Anfrage unserer Redaktion erklärt. Der Oberstaatsanwalt geht von Ende Januar oder Anfang Februar aus. Erst dann sollen Einzelheiten zu den Ermittlungen veröffentlicht werden, darunter auch das Gutachten, das bereits seit Herbst fertig ist.

In den für die Nachrüstung vorgesehenen 600 mechanischen und elektromechanischen Stellwerken kontrollieren bislang die Fahrdienstleiter nur auf Sicht, welche Gleise frei sind. Künftig wird der Bahnmitarbeiter dabei durch Technik unterstützt. "Unterläuft dem Fahrdienstleiter zum Beispiel bei seiner Fahrwegprüfung durch Hinsehen ein Fehler, dann kann die Technik die Einfahrt bei besetztem Gleis blockieren", erklärte die Bahnsprecherin.

In Deutschland gibt es noch etwa 1000 alte Stellwerke

Neuere Stellwerke sind schon mit sogenannten Gleisfreimeldeanlagen ausgestattet, die Zugfahrten auf besetzten Schienen verhindern. Insgesamt hat die DB bundesweit rund 2700 Stellwerke, davon noch etwa 1000 mit alter Technik. In den vergangenen Jahren hat die Bahn die Zahl dieser kleinen Anlagen bereits reduziert. Bei den verbliebenen wurde nun nach Kriterien wie der Zahl der Züge und der gefahrenen Geschwindigkeit geprüft, welche modernisiert werden müssen.

Neben Aichach sollen in diesem Jahr beispielsweise auch die Stellwerke in Stadtallendorf in Mittelhessen, in Salem am Bodensee, in Niebüll (Schleswig-Holstein) und Berlin-Lichtenberg nachgerüstet werden. Zunächst will die DB die Technik in Nordrhein-Westfalen in Kerken-Nieukerk an der Strecke Köln-Kleve und im oberbayerischen Utting an der Strecke Mehring-Weilheim testen. Diese zwei Pilotanlagen würden derzeit umgerüstet und gingen in Kürze in Betrieb, sagte die Sprecherin. Zugunglück mit zwei Toten: Fahrdienstleiter festgenommen

Bahn: Modernisierung der Stellwerke soll bis 2023 dauern

Die komplette Modernisierung aller 600 Stellwerke soll bis zum Jahr 2023 dauern. Die Bahn rechnet mit Kosten in Höhe von 90 Millionen Euro. Die Finanzierung werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium besprochen.

Durch Fehler von Fahrdienstleitern kommt es immer wieder zu schweren Bahnunglücken. So waren im Dezember 2017 bei Meerbusch in Nordrhein-Westfalen rund 50 Menschen verletzt worden, als eine Regionalbahn auf einen Güterzug prallte. Im Februar 2016 kamen beim oberbayerischen Bad Aibling 12 Menschen ums Leben und 89 Passagiere wurden verletzt, als zwei Nahverkehrszüge kollidierten. Der Fahrdienstleiter hatte mit seinem Handy gespielt und dadurch falsche Signale gesetzt. Er wurde zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. (jca/dpa)

Lesen Sie Sie dazu den Kommentar: Zugunglück in Aichach: Neues Stellwerk reicht nicht aus

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