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Kirche

18.02.2019

Bei „Jona“ wird sogar gerappt

Unter einem Blätterstrauch wartet der hartherzige Jona auf den Untergang von Ninive. Erst der von Gott geschickte Wurm kann ihn erweichen.
Bild: Gerlinde Drexler

Macher des Propheten-Musicals in der Paul-Gerhardt-Kirche in Aichach übersetzen eine alte Geschichte in unsere Zeit

Über das stürmische Meer versucht der Prophet Jona, einem Auftrag Gottes zu entkommen. Was dann passiert, zeigen am Samstag Kinder, Jugendliche und Erwachsene der evangelischen Kirchengemeinde Aichach-Altomünster in der Paul-Gerhardt-Kirche in Aichach. Dort führen sie das Musical „Jona“ auf. Zum Abschluss singt auch das Publikum in der voll besetzten Kirche mit.

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Jona ist ein recht eigensinniger Prophet. Er sei ein „sehr selbstbewusster und von sich überzeugter Mann“, sagen die beiden Erzählerinnen, die die Zuhörer durch die Geschichte führen. Von dem Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, ist Jona alles andere als begeistert: Er soll nach Ninive gehen und die Menschen dort auffordern, ihr Leben zu ändern. Ein unbequemer und gefährlicher Auftrag. Vor allem aber hat der Prophet überhaupt keine Lust, die Menschen von Ninive zu retten. Er hadert mit Gott: „Warum interessiert er sich für diese Ausländer?“ Ginge es nach Jona, könnten sie ruhig untergehen. Also beschließt er, sich vor Gott zu verstecken, und plant eine „unbelastete Auszeit in Spanien“.

In 13 kleinen Szenen erzählt das Musical, wie der Prophet versucht, seinem Auftrag zu entkommen, er auf der Überfahrt über Bord geworfen und von einem Wal verschlungen wird. Der spuckt ihn nach drei Tagen wieder aus. Jetzt ist Jona bereit, Gottes Auftrag auszuführen.

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Die Texte der Erzählerinnen hat Pfarrer Stahl größtenteils selbst verfasst. Besonders der zweite Teil – Jona im Land der Assyrer – stammt fast ausschließlich von ihm. Er hat auch zwei der Lieder geschrieben – mit durchaus aktuellem Bezug: Bei den Bürgern von Ninive spielen Umweltschutz und Menschenrechte keine Rolle, sie kennen kein Mitleid mit Flüchtlingen. „Wer anders ist als andere, ist natürlich schlechter dran“, ist ihr Credo.

Der siebenjährige David verkörpert den König von Ninive, der sich von Jonas Bußpredigt beeindrucken lässt und sein Leben ändert. Die Texte zu lernen, sei nicht schwer gewesen, sagt David. Warum er den König verkörpern darf? „Weil es sonst keiner wollte.“ Also durfte er sowohl bei der Aufführung in Altomünster als auch in Aichach auf dem goldenen Thron sitzen.

Melissa Fromm ist eine der beiden Erzählerinnen. Ein bisschen aufgeregt sei sie schon, sagt die Elfjährige, „es ist viel Text, aber ich kann ihn ablesen.“ Im ersten Teil singt sie sogar einen kurzen Rap. Den zweiten Rap singt die Besatzung des Schiffes, das Hausmeister Heinrich Maurer als Theaterkulisse baute.

Relativ entspannt ist Emilie Schwabauer bei der Aufführung. Die Elfjährige spielt im zweiten Teil den Blätterstrauch, unter dem der hartherzige Jona auf den Untergang der Stadt Ninive wartet. Emilie hat schon in mehreren Musicals der Kirchengemeinde mitgespielt. Sie sagt: „Es macht Spaß und ich lerne auch viel im Chor.“ Mit dem Textlernen sei es manchmal etwas knapp gewesen, erzählt sie. Wer hängen bleibt, kann einen Blick auf den Spicker werfen, den Stahl vorbereitet hat. Besser sei es aber, seinen Text zu können, findet die Elfjährige: „Dann ist man nicht so angespannt.“

Pfarrer Stahl lobt am Ende der rund einstündigen Aufführung alle Beteiligten als „tolle Sänger und Schauspieler“. Musikalisch begleitet haben sie Gregor Holzapfel, von dem die Arrangements stammen, David Holzapfel und Ben Beinen. Als Zugabe singen alle noch einmal das Lied der Bürger von Ninive, die von Gottes Zorn verschont blieben: „Mensch, bin ich froh, wir leben noch.“ Gesungen als Kanon – mit dem Publikum als dritte Stimme.

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