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Mittelalterliche Markttage

14.09.2015

Bodenlose Dummheiten: Volkstheater und Theaterfreunde widmen sich menschlichen Verfehlungen

Als die Dorfbewohner merken, dass ihnen der Rossdieb entkommen ist, geraten sie in Streit: (von links) Magd Grete (Conny Metz), Bauer Huckebein (Kurt Rauscher), Gemeindevorsteher Dötsch (Richard Bauch), Bauer Stoffel (Stefan Dauber) und seine Frau Liese (Elisabeth Drescher). Das Aichacher Volkstheater gibt den Schwank „Der Rossdieb“ von Hans Sachs zum Besten.
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Als die Dorfbewohner merken, dass ihnen der Rossdieb entkommen ist, geraten sie in Streit: (von links) Magd Grete (Conny Metz), Bauer Huckebein (Kurt Rauscher), Gemeindevorsteher Dötsch (Richard Bauch), Bauer Stoffel (Stefan Dauber) und seine Frau Liese (Elisabeth Drescher). Das Aichacher Volkstheater gibt den Schwank „Der Rossdieb“ von Hans Sachs zum Besten.
Bild: Erich Echter

Wie ein Rossdieb die Bauern an der Nase herumführt und warum der Landrichter einen anderen Bauern an den Pranger schickt. Vor Gericht steht auch eine untadelige Witwe.

Mit einem Rossdieb, einer untadeligen Witwe und Gewalt gegen die Obrigkeit bekommen es die Richter und Richtenden bei den Mittelalterlichen Markttagen zu tun. Der letzte Fall spielt in Kühbach. Auf dem Nachhauseweg von einer Dorfschenke wird der Werber Linus Sixt übel verprügelt.

Dabei soll Sixt (Markus Bohn) doch im Namen des Edlen Klaus Werbung für das Vorhaben des Grafen Otto von Scheyern machen, die Wittelsbacher Burg zu erweitern. Mit dem Ziel, Handwerker dafür zu gewinnen. Doch Bauer Korbinian Moosbacher (Alois Schmid) und seine Mitstreiter fürchten, dass zu viele Tagelöhner und Handwerker abwandern. Das muss der Werber, der sich in die Magd Resi verguckt, büßen. Am Ende verhängt der Landrichter (Jonny Michl) eine harte Strafe gegen Moosbacher: Er muss einen ganzen Sonntag vor der Kirche am Pranger stehen und einen Ochsen für die Burgarbeiter stiften sowie Hühner für den Werber.

Auch im Fall der zankenden Nachbarinnen, der Gieblerin und der Mitterin, zeigt sich der Gerichtsrat ungnädig. Die geschwätzige Mitterin beschuldigt die Witwe, ohne Erlaubnis zwei Tage einen fremden Mann beherbergt zu haben. Der Richter verurteilt die beiden zu einer gemeinsamen Fußwallfahrt nach Inchenhofen, um sich auszusprechen.

Schorsch Huber hat eine Triologie verfasst

Die Gerichtstage der Altbayerischen Theaterfreunde stammen aus der Feder von Schorsch Huber aus Altomünster. Er hat für die Markttage eine Trilogie verfasst, die auch im Einzug und im Auszug des Grafen Otto spielt. „Beim Auszug will eine Wahrsagerin bereits auf die Schleifung der Burg hinweisen, aber sie wird gleich weitergeschickt“, erzählt Huber.

Das Aichacher Volkstheater bringt die Zuschauer – wie schon bei den Markttagen 2012 – mit einem Hans-Sachs-Stück zum Schmunzeln. In „Der Rossdieb“ geht es um einfältige Bauern, die mit einem Pferdedieb (Udo Artmann) vereinbaren, dass er nach der Ernte wiederkommt, um sich hängen zu lassen – was dieser natürlich nicht tut. Stattdessen bestiehlt er die Dorfbewohner. Die geprellten Bauern geraten in Streit und verprügeln sich gegenseitig.

Insbesondere die herrlichen Masken mit den Glubschaugen für alle Protagonisten machen die Inszenierung des Volkstheaters zu einem echten Hingucker. Wie Regisseurin Claudia Flassig berichtet, sind die Masken selbst gemacht. „Sie tragen dazu bei, eine Vereinheitlichung der Dummheit herzustellen, aber trotzdem hat jeder sein individuelles Gesicht“, so Flassig.

Musicus Erwin Fraunhofer verleiht dem halbstündigen Schwank mit seiner Concertina, einem Akkordeon ähnlichen Handzuginstrument, zusätzlichen Witz.

Wer die Aufführungen verpasst hat: bei der Aichacher Museumsnacht am 17. Oktober ist das Sachs-Stück im San-Depot zu sehen.

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