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Aichach-Friedberg

14.06.2019

Brauereifest und Co. - Greifen Securitys bei Schlägereien zu hart durch?

Securitys stehen bei Schlägereien oft zwischen den Fronten. Nebenbei kontrollieren sie etwa Tickets und, ob das Rauchverbot eingehalten wird.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Bei Festen kommt es oft zu Schlägereien. Private Sicherheitsdienste schlichten. Eine Gratwanderung, die auch nach Ansicht von Veranstaltern nicht immer gelingt.

Schlägereien, Verletzte, gegenseitige Vorwürfe – auf größeren Festen, bei denen eine Menge Alkohol im Spiel ist, sind gewaltsame Zwischenfälle keine Seltenheit. Viele Veranstalter engagieren private Sicherheitsdienste, die in solchen Situationen eingreifen. Doch wie massiv darf das Eingreifen sein, um nicht selbst zur Straftat zu werden? Immer wieder werden auch am Aichacher Amtsgericht solche strittigen Fälle verhandelt.

Vor 20 Monaten beispielsweise verurteilte Richter Walter Hell einen damals 25-jährigen Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldauflage von 2000 Euro. Der Mann hatte nach Überzeugung des Richters einen Gast auf dem Baarer Brauereifest aus dem Festzelt geführt und auf ihn eingeschlagen. Hell riet dem Angeklagten, sich zu überlegen, ob er für den Beruf des Security-Mitarbeiters geeignet sei. Der Mann hatte vor Gericht ausgesagt, der Gast sei aggressiv gewesen.

Solche wechselseitigen Beschuldigungen gibt es oft: Die Partygäste hätten zu viel getrunken und seien aggressiv gewesen. Und – auf die Sicherheitsdienste gemünzt: Diese gingen Randalierer zu hart an. Eine Gratwanderung im Getümmel, wenn es in vollen Festzelten bei lauter Musik schnell mal hoch hergeht.

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Veranstalter erhebt Vorwürfe gegen Sicherheitsfirma

Peter Löffler von der Aichacher Polizei kann weder bestätigen noch bestreiten, dass Sicherheitsdienste zu hart vorgehen. Er verweist lediglich auf die vergangenen beiden Stadtfeste in Aichach, bei denen es eine gute Kooperation mit einem Security-Dienst gegeben habe. Prinzipiell sei es schwierig zu sagen, wer der Schuldige bei einem Konflikt zwischen einem Party-Gast und einem Security-Mitarbeiter sei. Löffler: „Wenn ein Betrunkener gewaltsam Zutritt zu einer Party will, kann die Security nicht mit Wattebällchen werfen.“ Das sei bei Polizisten kaum anders.

Doch auch mancher Veranstalter ist nicht glücklich über die Arbeit der Sicherheitsdienste. Roland Neukäufer betreibt einen Zeltverleih im Aichacher Stadtteil Sulzbach. Im vergangenen Oktober fand auf seinem Firmengelände eine Mallorca-Party statt, die die Freiwillige Feuerwehr organisiert hatte. Bis 23 Uhr sei alles ruhig gewesen, sagt Neukäufer. Doch dann habe er die ganze Zeit die Security im Blick haben müssen. „Es war Horror, wenn die losgelaufen sind“, sagt der 58-Jährige. Er habe beobachtet, wie die Sicherheitsleute hart gegen Besucher vorgingen und Streithähne gewaltsam trennten: „Das war nicht professionell.“ Es sei abgesprochen gewesen, dass der Sicherheitsdienst deeskalierend wirken solle. Doch das sei nicht der Fall gewesen. Zugeschlagen hätten die Mitarbeiter nicht.

Doch Securitys hätten ein Schulungsdefizit, so Neukäufer. Längst nicht alle Party-Gäste sind brave Lämmer. Das weiß auch Neukäufer. Doch wenn sich alle zusammen reißen würden, gäbe es seiner Meinung nach nur 20 bis 30 Prozent der Gerichtsverfahren, von denen er immer wieder in der Zeitung lese.

Der Sicherheitsdienst, der an jenem Abend tätig war, heißt BG-Security und hat seinen Sitz in Aichach. Alexander Braun ist einer der beiden Geschäftsführer. Der 28-Jährige wundert sich über Neukäufers Anschuldigungen. Es habe an dem Abend nur eine einzige Rauferei gegeben, zu der die Polizei aber nicht kommen musste. Braun war an dem Abend ebenfalls im Einsatz und hat zwei Kollegen beobachtet, als sie dazwischen gingen. Die Situation sei nach zwei Minuten vorbei gewesen. Einer der Beteiligten habe sich auf einer späteren Party sogar bei ihm entschuldigt. Viel zu tun hatten die Sicherheitsleute damit, das Rauchverbot umzusetzen. „Wir mussten einige rausschmeißen.“ Zu Problemen sei es aber auch dabei nicht gekommen. Als der Sicherheitsdienst nach der Party mit Mit-Organisator Neukäufer telefonierte, sei das Rauchen im Zelt ein Thema gewesen. Aber es sei ein freundliches Telefonat zwischen Auftraggeber und Dienstleister gewesen.

Sicherheitsleute: Es gibt keine vorgeschriebene Ausbildung

Neukäufers Beschwerde ein gutes halbes Jahr später sei die erste für die Firma, so Braun. Das Unternehmen gibt es seit 2017. Braun verweist auf mehrere Stammkunden, die mit dem Sicherheitsteam zufrieden seien: Im Einsatz war BG-Security etwa bei der Sielenbacher Beachparty, beim Weiberfasching in Laimering und bei Rock den Mai in Sielenbach. „Unser Verhalten ändert sich nicht von einer zur anderen Party“, sagt Braun. Seine Mitarbeiter seien ausreichend geschult.

Der Agentur für Arbeit zufolge ist für eine Tätigkeit als Sicherheitsmitarbeiter auf Volksfesten oder in Diskos eine Sachkundeprüfung nach Paragraf 34a der Gewerbeordnung nötigt. Katharina Stallinger von der Arbeitsagentur sagt: „Es wird also nicht zwingend vorausgesetzt, dass eine Ausbildung zur Schutz- und Sicherheitskraft oder Fachkraft für Schutz und Sicherheit vorliegt.“ Die Mitarbeiter können als Türsteher, bei Fußballspielen und Konzerten eingesetzt werden – ob als 450 Euro-Kraft, in Teil- oder Vollzeit ist unerheblich.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Für die Sicherheit auf Festen: Party machen ja, aber gesittet!

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