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Marktgemeinderat Aindling

12.05.2016

Bürgermobil gilt als Vorbild

Pater Jiby bei der Segnung des Bürgermobils im Juli 2015. Dahinter sind Bürgermeister Konrad Carl, das Organisationsteam und ein Teil der Fahrer zu sehen. Archivbild
Bild: Sofia Brandmayr

Aindling plant Fahrdienst für Senioren. Petra Wackerl erzählt, wie gut das Projekt in Todtenweis läuft. Trotzdem gibt es Zweifel

Aindling Die Worte von Petra Wackerl, dritte Bürgermeisterin in Todtenweis, machten am Dienstagabend mächtig Eindruck auf die Aindlinger Gemeinderäte. Bürgermeister Tomas Zinnecker betonte am Ende, dass er sich für Aindling nur das Todtenweiser Modell vorstellen könne. Gemeinderätin Helga Holland ging sogar noch weiter: „Das ist ja fast ein Grund, nach Todtenweis umzuziehen.“

Wackerl hatte dem Marktgemeinderat ein Todtenweiser Erfolgsmodell vorgestellt, das Bürgermobil. Wie mehrfach berichtet, handelt es sich dabei um einen Fahrdienst für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Sie können sich mit Theo, so heißt das Bürgermobil, zum Arzt, zur Massage, zum Friseur, zum Tierarzt, zu Behördengängen oder zum Einkaufen fahren lassen. Laut Wackerl sind derzeit 21 Personen an diesem Projekt beteiligt, alle arbeiten ehrenamtlich. Wackerl selbst ist Mitorganisatorin und eine der sieben „Callgirls“, der Telefondamen für die Terminannahme und -verwaltung. Die „Callgirls“ sind zwischen 45 und 65 Jahre alt. Für Theo stehen aktuell zehn Fahrer und drei Springer im Alter von 60 bis 70 Jahren zur Verfügung. „Jeder Fahrer kommt nur alle 14 Tage dran“, so Wackerl.

Richtig gestartet ist das Bürgermobil im Februar 2015 – nach eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit. Der Fahrdienst ist ein Baustein des Projekts „Marktplatz der Generationen“, für das die Gemeinde 2012 ausgewählt wurde. Der Freistaat fördert dabei Konzepte, die den Menschen ein Altwerden in ihrer gewohnten Umgebung ermöglichen. Für Theo, einen VW Caddy, hat die Gemeinde einen Zuschuss von 10000 Euro erhalten.

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Nach anfänglicher Skepsis komme Theo immer besser an, erzählt Wackerl. Er fährt wochentags von 8 Uhr bis 17 Uhr. 300 Fahrten hat er in den vergangenen 14 Monaten zurückgelegt. Die Fahrgäste zahlen pro Kilometer 30 Cent – für Fahrten im Umkreis von bis zu 25 Kilometern. Der Fahrer rechnet direkt nach der Fahrt ab. Der Fahrer ist aber nicht nur Fahrer, er begleitet die Senioren auch in den Supermarkt und hilft beim Einräumen oder Tragen der Taschen. Er geht beispielsweise auch mit in die Bank oder auf den Friedhof. Marktgemeinderat Johann Schenk hat schon des Öfteren beobachtet, wie „unglaublich fürsorglich“ die Fahrer sind. Dieser persönliche Kontakt ist für Wackerl ein großer Pluspunkt des Projekts. Es hätten sich schon richtige Freundschaften entwickelt. Für einige Kunden sei die gesellige Fahrt der Höhepunkt der Woche. Mittlerweile gibt es auch Gutscheine für Theo. Auch Jüngere, die etwa nach einer Operation nicht mobil sind, können das Auto nutzen.

Finanziell trägt sich das Bürgermobil nach Wackerl Angaben nicht selbst, aber ein derartiges Angebot sei ein großer Pluspunkt für eine Gemeinde. Eine Kooperation mit Aindling kann sich die Todtenweiserin nicht vorstellen, allein aufgrund der zweckgebundenen Förderung nicht.

Aindling kann wohl nicht auf eine Förderung hoffen, weil die Gemeinde größer ist. Bei den Gremiumsmitgliedern kam das Todtenweiser Modell gut an. Allerdings befürchteten mehrere Räte, dass es schwierig werden könnte, eine derart große Anzahl von Ehrenamtlichen zu finden und bei der Stange zu halten.

Der Familien-, Jugend- und Seniorenausschuss des Marktes soll nun ein Konzept für das „Senioren-Taxi“ erarbeiten. "Weiterer Bericht folgt

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