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Aichach-Oberwittelsbach

08.06.2019

Burgkirche muss buchstäblich in Millimeterarbeit saniert werden

In der Burgkirche in Oberwittelsbach laufen die Arbeiten zur Anhebung des geschädigten Gewölbes: Eine flächige Holzkonstruktion, die den Krümmungen des Gewölbes entspricht, wurde an den Gewölbesegeln angebracht.
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In der Burgkirche in Oberwittelsbach laufen die Arbeiten zur Anhebung des geschädigten Gewölbes: Eine flächige Holzkonstruktion, die den Krümmungen des Gewölbes entspricht, wurde an den Gewölbesegeln angebracht.
Bild: Erich Echter

Spezialisten sind mit der Rückverformung des Gewölbes der geschichtsträchtigen Burgkirche beschäftigt. Fertig wird sie wohl nicht vor 2022.

Sie ist ein schwieriges Projekt: die Generalsanierung der Burgkirche im Aichacher Stadtteil Oberwittelsbach. Das betonte Stadtpfarrer Herbert Gugler für die Kirchenverwaltung „Maria vom Siege“, wie die Burgkirche heißt, bei einer Informationsveranstaltung vor etwa 50 Interessierten im Gasthof Burghof. Die Generalsanierung hat 2014 begonnen und sollte ursprünglich einmal Ende 2016 abgeschlossen sein. Jetzt wird es voraussichtlich Ende 2022. Das sagte Volker Wörner vom Staatlichen Bauamt, das für die Generalsanierung zuständig ist. Derzeit läuft die aufwendige Rückverformung des Gewölbes – ein absolutes Novum bei einem Gewölbe dieser Größenordnung, waren sich die Verantwortlichen einig.

„Patientin“ Burgkirche überrascht Fachleute immer wieder

Seit Beginn der Arbeiten hat die „Patientin“ Burgkirche die Fachleute immer wieder überrascht und vor Herausforderungen gestellt. Wegen der unerwartet massiven Schäden am Gewölbe herrschte 2018 sogar weitgehend Stillstand auf der Baustelle. Die Fachleute mussten erst klären, wie die Risse und Verformungen, die die Statik beeinträchtigen, behoben werden können. Planung, Genehmigung, die Kostenverteilung: Das alles brauchte Zeit. Seit dem Frühling läuft nun die Rückverformung. Gugler sagte: „Man sieht eigentlich nicht viel, aber es geschieht sehr viel.“ Es sei ein sehr schwieriges Projekt.

Das wurde auch bei Volker Wörner deutlich, der mit Projektleiterin Dagmar Feiler und Clemens Römer vom Ingenieurbüro Wolfrum & Römer eine Übersicht über die Bauabschnitte, die Schäden, die Maßnahmen und die Kosten gab. Der Kern des Kirchenbaus ist die einstige Burgkapelle. Das heutige Gebäude sei in drei großen Bauphasen ab 1250 entstanden, was die Sanierung durch die unterschiedlichen Baumaterialien erheblich erschwert, so Römer. Dagmar Feiler, die das Projekt beim Staatlichen Bauamt leitet, ging auf die Chronologie der Arbeiten ein.

Burgkirche muss buchstäblich in Millimeterarbeit saniert werden

2005 wurden erhebliche Schäden am Tonnengewölbe festgestellt

2005 waren erhebliche Schäden am Tonnengewölbe des Langhauses festgestellt worden. Bis die Sanierung begann, vergingen allerdings noch neun Jahre. Ab 2014 wurden in einem ersten Schritt die Fundamente und die Gründung der Kirche stabilisiert und der Hang, an dem sie steht, gesichert. Im zweiten Jahr, 2015, waren Mauerwerk und Dach sowie die Fassade dran. Die Innensanierung begann. Sie hätte bis Ende 2016 abgeschlossen sein sollen. Doch dann wurden am Gewölbe Risse und Verformungen entdeckt, die die Statik beeinträchtigen. Teilweise hängt das Gewölbe durch.

Die Fachleute mussten sich entscheiden, ob sie Teile des Gewölbes austauschen oder versuchen, es wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen. Um möglichst viel der historischen Bausubstanz zu erhalten, fiel die Wahl auf Letzteres. Ein geeignetes Verfahren dafür musste aber erst gefunden werden. Wörner sprach von einem „Pilotprojekt“ am Rande des technisch Machbaren.

Für diese Sanierung sind absolute Spezialisten nötig

Über Details der Arbeiten sprach Clemens Römer, der betonte, dass die Burgkirche eine sehr spezielle Baustelle sei. Die Gewölbesanierung erfordere Spezialisten, die nicht überall zu finden seien, sagte er. „Für das Gelingen der Maßnahme sowie die Einhaltung der Kosten sind eine außergewöhnliche Fachkunde und absolute Zuverlässigkeit der ausführenden Firmen zwingend erforderlich“, betonte Römer.

Die Arbeitsschritte seien hochsensibel. Das Gewölbe ist in Bauabschnitte eingeteilt, die Arbeitsbühne im Kirchenraum mit Streben verstärkt, damit sie dem Druck standhält. Eine Holzkonstruktion wurde der Krümmung des Gewölbes angepasst. An verschiedenen Stellen hat es sich um zehn bis 20 Zentimeter abgesenkt.

Die Rückverformung des Gewölbes erfolgt Millimeter für Millimeter

Die Rückverformung erfolgt nun in Stufen im Millimeterbereich: Mit hydraulischen Pressen wird das Gewölbe Stück für Stück nach oben gedrückt. Der Prozess wird ständig online überwacht, um bei unvorhergesehenen Veränderungen im Gemäuer sofort eingreifen zu können. Dazu wurde das Gewölbe mit Messmarken versehen. Bis das Gewölbe in seiner ursprünglichen Position ist, wird etwa ein halbes Jahr vergehen. Danach müsse man dem Gewölbe eine Ruhezeit von 30 bis 40 Wochen gönnen, damit es sich verfestigt, sagte Volker Wörner. Als Dauermaßnahme werden die kritischen Gewölbeteile überwacht.

Klappt alles wie geplant, geht es mit der Sanierung der Raumschale, der Altäre und der Kunstwerke weiter. Wörner hofft, dass die Burgkirche spätestens Ende 2022 wieder als Gotteshaus genutzt werden kann. „Vielleicht geht es auch schnell“, zeigte er sich ein wenig optimistisch.

Kirche kann bei Landesausstellung nicht für Besucher geöffnet werden

Der Aichacher Bürgermeister Klaus Habermann bedauerte zwar, dass die Burgkirche bei der Bayerischen Landesausstellung nicht für Besucher geöffnet werden kann. Doch zumindest der Burgplatz wird bis dahin neu gestaltet mit einem Rundweg und Infotafeln zur Geschichte der Wittelsbacher. Eventuell werde es eine Visualisierung zur Sanierung geben. Um die Burgkirche vor weiteren Schäden zu bewahren, forderten einige Besucher, den Baumbestand dort zu dezimieren. Ein Besucher wollte wissen, ob die Kirche künftig auch anderweitig genutzt wird. Pfarrer Gugler sagte dazu, ohne Notausgang sei das nicht möglich. Die Burgkirche werde sicher keine Konzertarena und auch nicht aus dem Denkmalschutz genommen.

Pfarrer bittet um weitere Spenden für die Renovierung

Zum Abschluss bat Pfarrer Gugler um weitere Spenden für die Renovierungsarbeiten der Burgkirche. Die Gesamtkosten – bei Baubeginn mit knapp drei Millionen Euro veranschlagt – sind durch die Gewölbeschäden um etwa 1,3 Millionen Euro gestiegen. Die Kosten teilen sich der Freistaat Bayern und die Diözese Augsburg. An deren Anteil muss sich aber die Oberwittelsbacher Kirchengemeinde Maria vom Siege beteiligen. Vor dem Nachschlag waren es 600000 Euro.

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