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Aichach-Friedberg

04.04.2020

Corona: Frauen in Schiltberg und Aichach nähen Schutzmasken

Yvonne Laves koordiniert die große Gruppe der Näherinnen, den Eingang der Bestellungen, die Qualitätssicherung und die Auslieferung an Einrichtungen.
Bild: Marco Laves

Plus Weil Mundschutzmasken überall fehlen, werden zwei Schiltbergerinnen aktiv. Sie beliefern unter anderem Seniorenheime. In Aichach bildet sich ein Netzwerk.

Mundschutzmasken sind Mangelware. Eine Münchner Klinik hat kürzlich in einem Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook um Unterstützung gebeten. Als Simone Sander aus Schiltberg diesen las, war sie sich binnen kürzester Zeit mit ihrer Mutter Maria Schalk einig, diese Idee aufzugreifen. Auch in Aichach und Umgebung werden Mundschutzmasken genäht. Dort hat sich ein Netzwerk aus rund 50 Näherinnen gebildet.

Bei den Masken handelt es sich um keine klassifizierten Atemschutzmasken und um kein medizinisches Produkt. Gesundheitsamtsleiter Dr. Friedrich Pürner sagt dazu, Stoff sei virendurchlässig. Die Masken schützten daher allenfalls die Umwelt weitgehend vor Niesern. Es gibt aber auch viele Ärzte, die jede Art von Schutz vor Mund oder Nase für sinnvoll halten, schon um andere wenigstens ein bisschen vor einer Tröpfcheninfektion durch Sprechen, Niesen oder Husten zu schützen. Die bekannten Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand halten und Hände waschen sollten keinesfalls vernachlässigt werden.

Stoffmasken für Seniorenheime, Kinderarztpraxen und andere

Dass ihre Masken keinen hundertprozentigen Schutz bieten, ist Simone Sander bewusst. Sie sollten aber helfen, die Ansteckungsgefahr zumindest ein bisschen zu verringern, ist sie überzeugt. Mit ihrer Mutter Maria sitzt sie täglich teilweise von 8 bis 23 Uhr mit Essenspausen daheim an den Nähmaschinen. Mutter und Tochter nähen auf Bestellung Stoffmasken für Seniorenheime, Kinderarztpraxen, Kindertagesstätten mit Notbetreuung und ganz allgemein Risikopatienten. Maria Schalk, die geübtere Näherin von beiden, braucht ungefähr eine halbe Stunde vom Zuschnitt bis zur fertigen Maske. Nachdem von sechs Nähmaschinen im Haus zeitweise nur noch eine richtig funktionierte, gab es für sie bei der Gelegenheit nun eine neue Maschine.

Die größte Bestellung waren bislang 50 Masken für ein Seniorenheim. Simone Sander rät dazu, pro Person zwei Masken vorzusehen, damit immer eine benutzbar ist, während die andere gewaschen wird. Die Masken können bei 90 Grad gewaschen werden. Die telefonische Bestellannahme, die Logistik und das Ausfahren der fertigen Stoffmasken übernimmt Simones Mann Wolfgang Sander.

Die Masken geben sie völlig unentgeltlich an die Einrichtungen ab. Es kam Simone Sander nie in den Sinn, in der momentanen Ausnahmesituation Geld dafür zu verlangen. „Wir sind Herzensmenschen, wir sitzen alle im gleichen Boot bei der Corona-Welle“, sagt Simone Sander. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn aus der Not ein Reibach gemacht wird.“ Die Stoffe und Gummis bekommt die Familie zumeist als Spenden aus ganz Schiltberg vor die Tür gelegt. Manchmal bitten ältere Mitmenschen bei der Gelegenheit dann ganz bescheiden auch um eine Maske für sich selbst. „Die Menschen haben Angst“, sagt Simone Sander.

Simone Sander (links) und Mutter Maria Schalk aus Schiltberg nähen im Akkord Baumwollene Stoffmasken.
Bild: Simone Sander (Selbstauslöser)

In Aichach bilden 50 Näherinnen ein Netzwerk

Eine ähnliche Aktion, allerdings in deutlich größerem Stil, hat Petra Gardum-Holz unlängst ins Leben gerufen. Durch eine Freundin aus Leipzig kam auch sie auf die Idee, ein Netzwerk aus Näherinnen zusammenzustellen, um die verschiedensten Einrichtungen in Aichach und Umgebung mit Stoffmasken zu versorgen. Mittlerweile sind es 50 Näherinnen aus den unterschiedlichsten Berufen und ein ehrenamtlicher Fahrer. Die Frauen an den Nähmaschinen legen sich mächtig ins Zeug. Sie bleiben über eine WhatsApp-Gruppe in Kontakt und motivieren sich gegenseitig.

Petra Gardum-Holz kam über eine Bekannte aus Leipzig auf die Idee diese Aktion zur Herstellung handgenähter Masken ins Leben zu rufen.
Bild: Carla Holz

Bestellungen für bis zu 200 Masken auf einmal sind bereits bei Yvonne Laves, Sozialpädagogin beim Roten Kreuz und mittlerweile Koordinatorin der Aktion, eingegangen. Wichtig für die rechtliche Absicherung der Näherinnen und Organisatoren war ein Träger. Einen solchen haben sie mit der Caritas gefunden. Durch die große Zahl an Näherinnen sind sie dazu übergegangen, die fertigen Masken gebündelt bei der Caritas in Aichach zu sammeln. Dort werden sie nochmals einer Qualitätskontrolle unterzogen und vor der Auslieferung in die Einrichtungen auf hohen Temperaturen dampfgebügelt. Auch diese Masken sind bei mindestens 60 Grad waschbar. Genäht werden sie zwei- oder dreilagig, zum Teil auch mit Einschubfach für ein spezielles Vlies zum noch höheren Schutz.

Anleitungen zum Selbermachen

Auch Petra Gardum-Holz und Yvonne Laves ist bewusst, dass ihre Masken nicht hundertprozentig vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen können. Auf der Internetseite der Initiative sind deshalb Aussagen von Fachleuten nachzulesen, warum es sich trotzdem empfiehlt, eine solche Maske zu tragen und für wen diese besonders wichtig sein können.

 

Auf der Seite sind auch Nähanleitungen zu finden für all diejenigen, welche sich selbst einen Mundschutz nähen oder dem Nähnetzwerk beitreten wollen. Sowohl Simone Sander aus Schiltberg als auch die Gruppe um Petra Gardum-Holz und Yvonne Laves sind momentan dringend auf der Suche nach Hosengummis für die Fertigung weiterer Masken.

Für Spenden, Bestellungen oder Unterstützung kann man sich melden bei Familie Sander aus Schiltberg, Telefon 08259/897885, und bei Yvonne Laves, Telefon 0177/7847049, und auf der Internetseite der Initiative.

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