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Aichach-Friedberg

31.03.2020

Corona-Krise: Landkreis installiert einen Arzt als Krisenmanager

Dr. Andreas Ullmann aus Aichach wurde von Landrat Dr. Klaus Metzger zum Versorgungsarzt für den Landkreis ernannt. Er ist ab sofort Bindeglied zwischen den zwischen den niedergelassenen Ärzten im Landkreis und dem Landrat bzw. dem Krisenstab.
Bild: Wolfgang Müller, Landratsamt Aichach-Friedberg

Der Landkreis muss einen Versorgungsarzt installieren, der die medizinische Versorgung im Wittelsbacher Land sichern soll. Was Dr. Andreas Ullmann zu tun hat.

Um in der Corona-Krise für einen weiteren Anstieg der Erkrankten gerüstet zu sein, schafft der Landkreis Aichach-Friedberg weitere neue Strukturen. Er installiert nun ein Bindeglied zwischen den rund 60 niedergelassenen Ärzten im Wittelsbacher Land und dem Landratsamt: einen sogenannten Versorgungsarzt, der die medizinische Versorgung gewährleisten soll. Die Zahl der Infizierten ist von Montag auf Dienstag um acht auf 128 Patienten gestiegen, einer liegt auf Intentiv. Immerhin: 35 davon sind inzwischen genesen.

Ein Aichacher Allgemeinarzt übernimmt die neue Aufgabe

Einen Versorgungsarzt muss auf Anordnung von Innen- und Gesundheitsministerium vom Freitag jeder Landkreis in Bayern haben. Bei der Lagebesprechung am Montag im Landratsamt kam Dr. Andreas Ullmann ins Gespräch. Landrat Klaus Metzger berichtete am Dienstag, dass ein Anruf genügte. Ullmann habe sofort zugesagt. Der Facharzt für Allgemeinmedizin ist Geschäftsführer des „Zentrum für Allgemeinmedizin“ an der Sudetenstraße in Aichach. Die Aufgaben, die er nun hat, „sind eine ganze Menge“, so der Landrat. Boris Peter von der Führungsgruppe Katastrophenschutz ist froh, „dass wir ihn haben“. Ullmann muss nun die medizinische Versorgung im Landkreis planen und koordinieren. Er muss alle notwendigen Maßnahmen treffen, um die ärztliche Grundversorgung im Katastrophenfall zu sichern. Im Zweifelsfall genügt zur Umsetzung eine Weisung des Landrates. Wenn nötig, wird der Versorgungsarzt auch Schwerpunktpraxen für die Behandlung von Covid-19-Patienten einrichten und das Personal dafür rekrutieren. Die Kassenärztliche Vereinigung ist verpflichtet, ihn dabei zu unterstützen. Außerdem unterstützt er das Landratsamt bei der Verteilung von Schutzausrüstung, die der Freistaat den Landkreisen entsprechend des Bevölkerungsschlüssels zuweist.

Jede Pflegekraft der Sozialstation Augsburg Hochzoll Friedberg und Umgebung fährt nur in der Schutzmontur zu den Klienten. Dazu gehören der Schutzanzug, der Mundschutz, die Schutzbrille wie auch die Schutzanschuhe. Pflegedienstleitung Ulrike Hopfes hat die Montur hier für das Foto angezogen.
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In Bildern: So wirkt sich die Corona-Krise auf den Landkreis aus
Bild: Caritas Augsburg/Bernhard Gattner.

Corona-Krise: Das sind weitere Neuerungen

Bundeswehr unterstützt Um im Notfall nicht warten zu müssen, hat der Landkreis diese Möglichkeit schon jetzt ausgelotet. Das Kreisverbindungskommando ist laut Landrat Metzger bereits teilaktiviert. Hauptmann Oliver Teynor nimmt nun an den täglichen Lagebesprechungen teil. Noch sei „nicht absehbar, dass wir sie brauchen“, erklärte Boris Peter. Doch die Bundeswehr ist in Alarmbereitschaft und kann sofort eingreifen. Denkbar sind zum Beispiel Transporte.

Ex-Polizisten helfen Ehrenamtliche Unterstützung erhält das Gesundheitsamt von fünf pensionierten Polizisten, darunter der frühere Aichacher Inspektionsleiter Rudolf Rothhammer, Aichachs Zweiter Bürgermeister Helmut Beck und Landratsstellvertreter Manfred Losinger. Sie werden die Kontaktpersonen von Infizierten ermitteln. Behördenleiter Dr. Friedrich Pürner spricht von einer großen Entlastung für seine Mitarbeiter. Die Hygienekontrolleure könnten sich dann wieder auf die Überwachung des Infektionsschutzes konzentrieren.

Nicht denunzieren Bürger sollen nicht ihre Nachbarn melden, wenn es um Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung geht, betonte der Landrat. Denunziation sei ein fürchterlicher Begriff und nicht im Sinne der Behörde. Dieser sei es vergangene Woche lediglich um sogenannte Corona-Partys gegangen, als sie darauf hinwies, dass dafür die Polizei oder das zuständige Ordnungsamt Ansprechpartner seien.

Psycho-soziale Hilfe Die Menschen werden immer unruhiger, „je länger der Zustand andauert“, hat nicht nur der Landrat festgestellt. Der Landkreis versucht nun, psycho-soziale Unterstützung zu leisten. Dafür zuständig ist Fachberaterin Angela Hammerl. Sie hat sich überlegt, welche Zielgruppen Hilfe brauchen könnten, von Familien über Risikogruppen bis hin zu psychisch vorbelasteten Menschen und für sie einen „Schutzschirm“ entwickelt. Über das Bürgertelefon (08251/92-444) können sie erfahren, wo sie Hilfe finden. Aktiviert ist auch ein Krisentelefon, das bei der Ökomenischen Telefonseelsorge aufschlägt. Bei Sorgen und Nöten seien die Menschen dort gut aufgehoben, so Hammerl. Das Angebot gilt für einsame Senioren ebenso wie für Eltern, die Unterstützung brauchen. Auch für Helfer, also Einsatzkräfte von Feuerwehren oder Rettungsdienst, gibt es ein Angebot. Außerdem sind zwei Wohnungen im südlichen Landkreis vorbereitet, um bei Bedarf Opfer von Gewalt in Familien – meist Frauen – unterbringen zu können.

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