Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Corona-Virus: Steht demnächst auch der Landkreis still?

Aichach-Friedberg

02.03.2020

Corona-Virus: Steht demnächst auch der Landkreis still?

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Coronavirus (SARS-CoV-2, orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt.
Bild: ---/NIAID-RML/dpa

Plus Export-Unternehmen im Wittelsbacher Land bleiben von den Folgen des Coronavirus nicht verschont. Nicht nur Flugausfälle sind eine Herausforderung für sie.

Reisen nach China werden abgesagt, laufende Projekte verzögern sich und Mitarbeiter in China sind nur noch im Homeoffice tätig. Auswirkungen des neuartigen Virus Covid-19 spürt nicht nur die Weltwirtschaft, sondern auch Export-Unternehmen im Kreis Aichach-Friedberg und Umgebung. „Man hat das Gefühl, dass das ganze Land derzeit still steht“, erzählt Norbert Hofstetter , Geschäftsführer des Unternehmens Taktomat in Pöttmes. Der Hersteller von Produkten für die Automatisierungsbranche besitzt eine komplett eigene Niederlassung im chinesischen Suzhou , in der Nähe von Schanghai.

Erkrankte Mitarbeiter hat das Pöttmeser Unternehmen zum Glück nicht zu verzeichnen. In Pfronten hat das Maschinenbau-Unternehmen DMG Mori den Standort für zwei Tage geschlossen, weil sich ein Mitarbeiter infiziert hat ( wir berichteten ). Die Firma aus dem Allgäu ist ein Kunde des Werkzeugbauunternehmens Haimer in Igenhausen ( Hollenbach ). Auch dort sind die Auswirkungen der Corona-Krise in Asien seit über einem Monat spürbar ( wir berichteten ).

Coronavirus: Taktomat streicht alle Reisen nach China

Bei Taktomat wurden alle Reisen nach China vorerst gestrichen und ein Mitarbeiter nach Deutschland zurückgeholt. Sofern das überhaupt möglich ist, wird in Suzhou nur im Homeoffice gearbeitet. Laut Hofstetter erreichen Mitarbeiter vor Ort fast niemanden und Entscheidungsträger sind nicht unterwegs. Obwohl Taktomat eine Messe in Schanghai abgesagt hat, bleibt Geschäftsführer Norbert Hofstetter optimistisch: „Wir werden das locker stemmen.“ Da Taktomat im Investitionsgütersektor tätig ist, hat das Unternehmen keine Probleme mit der Teilebeschaffung.

Ein bisschen anders sieht es da beispielsweise bei Autefa Solutions in Friedberg aus. Das Unternehmen realisiert Industrieanlagen und Automatisierungslösungen für Konzerne und Unternehmen der Textil- und Konsumgüterindustrie. Seit 2011 ist Autefa Solutions Teil der China Hi-Tech Group Cooperation (CHTC). Laut Jutta Soell , Marketingchefin bei Autefa Solutions, bezieht das Unternehmen zwar nur wenige Bauteile aus China , aber auch ein einzelnes fehlendes Teil verhindert die Herstellung von Maschinen.

Eines wird deutlich, das Coronavirus wird Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.
Bild: Christian Charisius (Symbol)

Ausfälle versucht Autefa Solutions in dieser Hinsicht durch andere Lieferanten zu kompensieren. Herausforderungen ergäben sich eher hinsichtlich des Exports an viele Kunden in China. „Wir merken ganz deutlich, dass aktuell keine Entscheidungen bezüglich neuer Projekte getroffen werden“, berichtet Soell.

Coronavirus: Schwesterfirma in China geschlossen

Autefa Solutions hat unter anderem auch eine Schwesterfirma im chinesischen Wuxi. Diese Firma ist laut Soell derzeit geschlossen. Monteure und Inbetriebnehmer vor Ort arbeiten dementsprechend gar nicht und andere Mitarbeiter nur im Homeoffice. Infiziert hat sich zum Glück auch hier noch niemand. Mit dem Versand von Schutzmasken versucht das Unternehmen, vor Ort auszuhelfen. Zur Vermeidung von Flügen setzt Autefa Solutions momentan vermehrt auf Telefonkonferenzen.

Der Rückgang und Ausfall von Flügen ist vor allem für die Tourismusbranche und auch für Zulieferer diverser Airlines in der Region eine große Herausforderung. Eine amtliche Reisewarnung hätte zum Beispiel Auswirkungen auf die Firma Air Caterer Munich. Das Unternehmen beliefert Airlines am Flughafen München , Memmingen , Augsburg , Ingolstadt und Oberpfaffenhofen mit Verpflegung und sonstigem Kabinenbedarf.

Coronavirus: Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln steigt

Im Businesspark Friedberg Ost besitzt das Unternehmen seine Zentralproduktion sowie sein gesamtes Lager für die Aktivitäten am Flughafen München. Klaus Englisch von Stelzer, Verkaufsleiter bei Air Caterer Munich , hofft, dass die Stornierungen nicht zunehmen. Ansonsten reduziere sich auch die Arbeit seines Unternehmens sowie die Bestellungen an seine Lieferanten.

Neben den stornierten Flügen macht sich das Virus auch durch eine erhöhte Nachfrage von Latexhandschuhen, Desinfektionstüchern oder antibakterieller Seife bei manchen Fluglinien deutlich, fügt der Verkaufsleiter an.

Auswirkungen des Virus im Wirtschaftsraum Augsburg deutlich zu spüren

Laut Jens Walter , Regionalgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwaben , sind aufgrund der internationalen Zusammenarbeit und Lieferketten die Auswirkungen des Virus im Wirtschaftsraum Augsburg schon deutlich zu spüren. Aber: „So weit, dass ganze Betriebe geschlossen werden müssen, sind wir zum Glück noch nicht.“

Die Nachfrage nach Desinfektionsmittel steigt.
Bild: Annegret Döring (Symbol)

Da die Lieferung heutzutage „just in time“ funktioniert, sei die globale Vernetzung in dieser Hinsicht natürlich problematisch, sagt Walter. Stehen Betriebe, Anlagen und Flugzeuge in China still, können Teile nicht produziert und nach Deutschland geliefert werden. „Ein paar Wochen kann man das schon überbrücken“, macht Walter deutlich. Bis dato herrscht überall noch Verständnis für diese Ausnahmesituation. Wenn das aber länger andauert, muss vor allem bei Spezialanfertigungen mit größeren Engpässen gerechnet werden.

Was das und größere Flugausfälle für die Unternehmen und Reiseveranstalter im Raum Aichach-Friedberg dann konkret bedeutet, könne momentan noch nicht genau abgeschätzt werden. Nur eines ist definitiv klar: Ein allgemeines Konzept, wie die Unternehmen damit umgehen sollen, ist schwierig zu formulieren. Laut Walter muss das von Unternehmen und Branchen individuell entschieden werden. Auf alternative Anbieter umzusteigen bzw. andere Reiseziele zu bedienen, könnte in dieser Ausnahmesituation so lange Abhilfe schaffen.

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren