Newsticker

Umfrage: Jeder zweite Deutsche hat Sorgen vor deutlichem Wieder-Anstieg der Infektionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Corona ist eine Katastrophe für die Zeltverleiher im Aichacher Land

Aichach-Friedberg

29.06.2020

Corona ist eine Katastrophe für die Zeltverleiher im Aichacher Land

Für Firmen, die sich auf den Aufbau von Festzelten spezialisiert haben, ist Corona eine Katastrophe.
Bild: Matthias Becker (Symbolfoto)

Plus Wegen Corona gibt es heuer keine großen Feste. Zelte werden nicht gebraucht. Ein Betrieb aus dem Landkreis würde sonst jetzt fast alle Wiesn-Zelte aufbauen.

Kein Oktoberfest in München, kein Volksfest in Aichach oder Pöttmes, kein Brauereifest in Kühbach oder Baar – die Corona-Pandemie hat mit einem Schlag eine ganze Festsaison beendet. Für Betriebe, die sich auf die Vermietung von Zelten spezialisiert haben, bedeutet das einen großen Umsatzeinbruch. Sie verzichten auf geplante Investitionen und gehen davon aus, dass sie noch länger an den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns knabbern werden. Im Wittelsbacher Land ist die Zeltbranche ein Wirtschaftsfaktor durch mehrere Betriebe. Die Dasinger Firma Pletschacher stellt zum Beispiel fast alle Großzelte auf der Wiesn auf.

Für die Eröffnung der Landesausstellung in Aichach bekam Roland Neukäufer aus Sulzbach (Stadt Aichach) kurzfristig den Auftrag, ein kleines Zelt aufzubauen. Einer von wenigen Aufträgen, die die Zeltverleihfirma heuer hat. Volksfeste, die er mit seinen Zelten bestückt, finden nicht statt, Hochzeiten, für die Neukäufer Partyzelte bereitstellt, wurden von den Brautpaaren abgesagt. Ebenso Messen, Ausstellungen und Firmenjubiläen. Auch sein eigenes Jubiläum – die Firma besteht heuer seit 40 Jahren – wird Neukäufer nicht feiern. Die eigene große Planenwaschanlage, in der Festwirte sonst 100.000 bis 150.000 Quadratmeter Zeltplanen waschen lassen, steht momentan still. „Wir waschen jetzt Klavierabdeckungen.“ Mindestens 50 Prozent seines Umsatzes würden fehlen, sagt der Firmeninhaber. „Wir sind breit aufgestellt, das ist das Gute.“ Kürzlich konnte er ein Lagerzelt aufbauen, und demnächst steht der Aufbau eines Arbeitszeltes bei einem Industriebetrieb an.

Firma Neukäufer aus Sulzbach will dieses Jahr nicht investieren

Die Corona-Krise sei für die Branche eine Katastrophe, so Neukäufer, der den Betrieb vor 30 Jahren von seinem Vater übernommen hat. Vier Mitarbeiter sind neben Neukäufer in dem Betrieb normalerweise beschäftigt. 40.000 Quadratmeter Zelte hat er in seinem Bestand. Gerade für dieses Jahr hätten sie so viele Aufträge wie noch nie gehabt, erzählt der Chef. Wegen der guten Auslastung hatte er im Februar einen weiteren Toilettenwagen gekauft. Eigentlich hatte Neukäufer auch geplant, heuer zwischen 50.000 und 80.000 Euro in den Betrieb zu investieren. „Nachdem ich nicht weiß, wie es nächstes Jahr weitergeht, gebe ich keinen Euro aus.“

 

Wobei er noch Glück hat: „Unser Vorteil ist, dass wir die vergangenen 30 Jahre gut gewirtschaftet haben und Rücklagen haben.“ Auch die laufenden Kosten hätten sie im Griff, und die große Photovoltaikanlage auf dem Betriebsgebäude werfe etwas ab. Über den Winter hatte er seinen Sohn und einen Mitarbeiter ausgestellt und zwei Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Dem Plan, im Frühjahr alle wieder einzustellen, machte Corona einen Strich durch die Rechnung. Ziehe sich die Krise bis 2021 hinein, „wird es ganz dramatisch“, sagt Neukäufer. Sollte es wirklich so kommen, hat er bis jetzt noch keinen Plan B. Solange es keinen Impfstoff gibt, werde die Wirtschaft nicht wieder anlaufen, glaubt Neukäufer.

Firma Schormair aus Kühbach baut sonst beim Gäubodenfest auf

Die Kühbacher Firma Schormair Metallbau Zeltvermietungs-GmbH wäre für dieses Jahr richtig gut gerüstet gewesen, erzählt Inhaber Albert Schormair. „Wir haben die Wintermonate genutzt, damit wir gut aufgestellt sind.“ Dann kam jedoch Corona und legte innerhalb weniger Wochen alles lahm. Am Anfang hätten sie noch damit gerechnet, dass es sich nur um ein oder zwei Monate handeln würde, sagt Schormair. Dann hatten sie auf den Mai und schließlich auf den Juni gehofft. Seine Firma baut unter anderem auf dem Dachauer Volksfest und dem Gäubodenvolksfest in Straubing Festzelte auf.

Inzwischen geht Schormair davon aus, dass heuer gar nichts mehr laufen wird. „Darauf haben wir uns eingestellt.“ Um Kosten zu sparen, legte die Firma den Fuhrpark still. 15 Mitarbeiter schickte er in Kurzarbeit. Der Firmeninhaber betont: „Wir wollen unsere Mitarbeiter halten.“ Für heuer geplante Investitionen sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Für das kommende Jahr hat er schon eine ganze Reihe von Buchungen für Festzelte. Er hofft, dass Corona ihm nicht wieder einen Strich durch die Rechnung machen werde und es die Lage erlaube, Volksfeste zu feiern. Den ausgefallenen Umsatz von diesem Jahr werde er so schnell nicht wieder aufholen, sagt Schormair. „Daran werden wir einige Jahre knabbern.“

Pletschacher hat vor drei Jahren neue Lagerhallen an B300 gebaut

Die Firma Pletschacher wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu den Auswirkungen äußern. Dass das Verbot von Großveranstaltungen und speziell die Oktoberfest-Absage ein extrem harter Schlag für das mittelständische Unternehmen ist, liegt aber auf der Hand. Im Dasinger Gewerbegebiet direkt an der Umgehungsstraße B300 wurde erst vor drei Jahren in vier neue Lagerhallen investiert. Neben der Zeltvermietung hat die Firma noch zwei weitere Standbeine (Holzbau, Gewerbe- und Einzelhandelsbauten). Seit Jahren errichtet das Familienunternehmen ab Anfang Juli den Großteil der Zelte auf der Theresienwiese und baut sie nach Ende des größten Volksfestes der Welt bis Mitte November wieder ab. 2017 waren es zum Beispiel zwölf der 14 Großzelte auf der Wiesn selbst sowie alle drei Zelte auf der Oidn Wiesn. Pletschacher vermietet Zelte mit bis zu 8000 Sitzplätzen und übernimmt auch Planung, Auf- und Abbau, Logistik und Einlagerung.

Vor einigen Jahren hat Pletschacher die Deuter Zelt- und Hallenbau übernommen – eine Firma, für die Pletschachers früher als Subunternehmer tätig waren. Dadurch kamen weitere Wiesn-Zelte wie die bekanntes Ochsenbraterei hinzu. 800 Sattelschlepper Material verbaut Pletschacher insgesamt allein für das Oktoberfest in der Landeshauptstadt. Die Firma baut aber auch Zelte für große Feste und Veranstaltungen in anderen Regionen Deutschlands auf, zum Beispiel für den Stuttgarter Wasen oder den Kölner Karneval. (mit cli)

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren