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Rehling

03.04.2021

Das Rätsel um den Brand des Rehlinger Pfarrhauses bleibt

Nur die Außenmauern und die beiden Kamine blieben übrig nach dem Rehlinger Pfarrhausbrand im Jahr 1981. Im Inneren des Gebäudes war alles zerstört.
Foto: Josef Abt (Repro)

Plus Vor 40 Jahren ging das Pfarrhaus in Rehling in Flammen auf. Bis heute ist nicht geklärt, wie es zu dem Feuer kam. Wen die Polizei verhört hat und wer den Neubau unterstützt hat.

Am 3. April vor 40 Jahren heulte in Rehling mitten in der Nacht die Feuerwehrsirene. Der Pfarrhof stand lichterloh in Flammen. Viele Feuerwehrleute aus Rehling und den Nachbarorten sowie später auch aus Aichach eilten herbei, um den Brand zu bekämpfen. Aber sie waren machtlos. Der Pfarrhof brannte bis auf die Grundmauern nieder. Eine Gedenktafel an der Garage des heutigen Pfarrhofs erinnert an das aufsehenerregende Ereignis. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.

Der Brand sorgte auch deshalb für viele Schlagzeilen, weil nie geklärt werden konnte, wie er entstanden ist. Das führte natürlich zu vielen Spekulationen, über die in Rehling noch heute gerätselt wird. Schnell stand 1981 die Frage der Brandstiftung im Raum, also "ein warmer Abriss", wie solche Brände gerne im Volksmund bezeichnet wurden. Nahrung bekam diese Theorie auch dadurch, dass der damalige Kirchenpfleger Ignaz Strobl und Pfarrer Reinhold Schwarz im Augsburger Polizeipräsidium stundenlang verhört wurden. Dass sie ins Visier der Ermittler gerieten, hatte einen Grund.

Pfarrer Reinhold Schwarz kämpfte leidenschaftlich für den Abriss des Rehlinger Pfarrhauses. Ein nächtlicher Brand kam dem Abriss zuvor.
Foto: Josef Abt

Dem Pfarrhausbrand in Rehling gingen langwierige Verhandlungen mit den Behörden und Institutionen voraus. Im Mittelpunkt stand dabei immer die heiß diskutierte Frage "Abbruch und Neubau oder Erhalt der baufälligen Substanz mit Renovierung". Insbesondere der Denkmalschutz plädierte für den Erhalt des Hauses, das seit 1978 leer stand. Immer wieder trafen sich die Beteiligten zu komplizierten Gesprächen. Mit dabei waren neben Pfarrer Schwarz auch die Gemeinde Rehling, das Bischöfliche Ordinariat mit dem Diözesanbauamt und der Bischöflichen Finanzkammer, das Landratsamt Aichach, das Landesamt für Denkmalpflege, der Rehlinger Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung. Mitten in diese Phase der Diskussionen kam der nächtliche Brand und schuf Tatsachen.

Rehlinger Gemeinderat stimmt Abbruch zu

Den ersten Versuch, das 1788 erbaute Gebäude für einen Neubau freizumachen, unternahm bereits der frühere Ortspfarrer, Geistlicher Rat Heribert Lohner. Er war von 1936 bis 1980 Pfarrer von Rehling und wohnte bis 1978 in dem alten Gebäude. Um seinem Nachfolger einen neuen Pfarrhof hinterlassen zu können, stellte Pfarrer Lohner bereits am 8. November 1979 einen Antrag auf Abbruchgenehmigung. Diesem Antrag stimmte der damalige Gemeinderat einstimmig zu.

Doch der alte Pfarrhof stand unter Denkmalschutz. Deshalb schaltete das Landratsamt in Aichach das Landesamt für Denkmalpflege in München ein. Von dort kam am 18. August 1980 die Nachricht, "dass einem Abbruch seitens des Landesamtes für Denkmalpflege nicht zugestimmt werden kann". Daraufhin wandte sich Pfarrer Schwarz, der ab Mitte August 1980 Pfarrvikar und ab Januar 1981 Pfarrer von Rehling und Todtenweis war, an die Diözese. Aber das Diözesanbauamt stimmte dem Denkmalpflegeamt zu und war zunächst für den Erhalt des alten Pfarrhofes. Doch Pfarrer Schwarz, der übergangsweise in einem gemeindlichen Mehrfamilienhaus wohnte, kämpfte weiter für einen Neubau.

Diözese ändert ihre Meinung

Nach einer weiteren Besprechung mit der Diözese erteilte diese dann doch die stiftungsaufsichtliche Genehmigung für den Abriss des Pfarrhofs. Architekt Adolf Kreutzer aus Augsburg erhielt den Auftrag, in Absprache mit Pfarrer und Kirchenverwaltung einen Neubau zu planen, der die selben Ausmaße wie der bestehende Bau haben sollte. Die Diözese sagte zu, 80 Prozent der Baukosten zu übernehmen, 20 Prozent sollten zu Lasten der Kirchenstiftung gehen. Sowohl Pfarrgemeinderat als auch Kirchenstiftung stimmten den Punkten einstimmig zu. Der Rehlinger Gemeinderat mit Bürgermeister Fritz Höß an der Spitze segnete den Vorentwurf für den Neubau am 2. Januar 1981 ab.

Doch das Denkmalpflegeamt stellte sich weiter quer und überzeugte auch wieder die Verantwortlichen der Diözese, dass der Pfarrhof erhalten bleiben müsse. Nach weiteren Verhandlungen und Ortsterminen erhielt Pfarrer Schwarz einzig Unterstützung vom damaligen Landrat Josef Bestler, der eher für den Abriss war. Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte, schien ein Neubau in weite Ferne gerückt zu sein.

Bei dem Pfarrhausbrand half auch die alte Tragkraftspritze der Rehlinger Feuerwehr nichts mehr, hier der damalige Kommandant Georg Glas hinter dem Löschgerät. Links im Bild der Rehlinger Xaver Happacher, vielen noch als begeisterter Natur- und Landschaftsfotograf in der Lechraingemeinde bekannt.
Foto: Josef Abt (Repro)

Dann plötzlich, am 3. April 1981, um 3 Uhr morgens brannte der Pfarrhof lichterloh. Die Feuerwehren hatten keine Chance gegen die Flammen. Es blieben nur noch die Grundmauern übrig. Die Ruine zog bereits tags darauf viele Neugierige aus nah und fern an.

An die folgenden Ermittlungen der Polizei erinnern sich der heute 94-jährige damalige Kirchenpfleger Ignaz Strobl ("Krammabeck“) und seine Frau Elisabeth noch sehr gut. Wenige Tage nach dem Feuer stand plötzlich die Polizei bei Strobls in der Küche und nahm Ignaz vom Mittagstisch weg mit ins Polizeipräsidium nach Augsburg. Als Grund wurden Ermittlungen zum Pfarrhausbrand genannt. Er wusste gar nicht, wie ihm geschah, als er stundenlang bis in den späten Abend hinein verhört wurde. Daheim war seine Frau in Sorge, wann er wiederkommen würde. Gegen 19 Uhr war das Verhör beendet.

Rehlinger Pfarrer wird verhört

Wenige Tage später wurde auch Pfarrer Schwarz fünf Stunden lang im Polizeipräsidium verhört. Ohne Ergebnis. Wie Schwarz später niederschrieb, trugen diese Verhöre nicht zur Aufklärung bei. So stellte die Staatsanwaltschaft drei Wochen nach dem Feuer die Untersuchungen ein, "da kein Täter zu ermitteln war und die Brandursache ungeklärt blieb". Der heute 77-jährige Schwarz ist nach Pfarrstellen in Waal (Landkreis Ostallgäu) und Aresing (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) seit 2014 in Ruhestand und lebt in Bad Wörishofen, wo er aushilfsweise einige Filialen sowie ein Altersheim seelsorgerisch betreut.

Zum Goldenen Priesterjubiläum des früheren Rehlinger Pfarrers Reinhold Schwarz gestalteten die Rehlinger Hoagrtensänger eine Messe in Bad Wörishofen. Hier der 76-jährige Pfarrer beim Einzug mit seinen Ministranten.
Foto: Josef Abt (Archiv)

Für den Neubau des Pfarrhofs veranschlagte die Kirchenverwaltung in einem außerordentlichen Haushaltsplan eine Million Deutsche Mark. Das Denkmalpflegeamt signalisierte seine Zustimmung, wenn der neue Pfarrhof dieselben Ausmaße erhält wie der alte. Schlechte Nachrichten gab es aber von der Diözese. "Nach einer turbulenten Diskussion wurde das Bauvorhaben aufgrund zu hoher Kosten abgelehnt", schrieb Pfarrer Schwarz. Sogar in Rehling selbst gab es unterschiedliche Meinungen über den "zu teuren und gewaltigen Pfarrhofbau". Es gab auch einige Stimmen, das Pfarrhofgrundstück besser für die notwendige Friedhofserweiterung zu nutzen. Der neue Pfarrhof sollte stattdessen in einem Neubaugebiet "Rehling West" entstehen. Diese Idee fand aber keine Mehrheit.

Am 20. Juli 1981 bat Pfarrer Schwarz Bischof Josef Stimpfle in einem leidenschaftlichen Brief um Hilfe. Wenige Tage später sagte der Bischof per Schreiben seine volle Unterstützung in der Sache zu. Einer Verkleinerung des Baukörpers und somit auch Reduzierung der Kosten stimmte das Denkmalpflegeamt nicht zu. Der Pfarrgemeinderat war mit dem Wiederaufbau in alter Größe einverstanden. Auf Initiative von Bischof Stimpfle folgte im Diözesanbauamt eine weitere Sitzung mit allen Beteiligten, darunter Rehlings Bürgermeister Höß. Dabei wurden die Neubaupläne, die zuvor vom Bau- und Finanzausschuss der Diözese verworfen worden waren, stiftungsaufsichtlich plötzlich doch genehmigt.

Pfarrer hält Baugenehmigung in der Hand

Damit machte die Diözese den Weg für den Neubau frei. Am 2. Oktober 1981 durchlief der Plan den Gemeinderat und wurde einstimmig abgesegnet. Bereits im Februar 1982 erteilte das Landratsamt die Baugenehmigung. Am 11. Februar 1982 händigte sie Landrat Bestler persönlich Pfarrer Schwarz aus, als dieser seinen Antrittsbesuch als Dekan machte. Baubeginn des neuen Pfarrhofes war am 29. März 1982, fast genau ein Jahr nach dem Brand.

Der Neubau des Rehlinger Pfarrhauses hat genau die gleichen Abmessungen wie das vor 40 Jahren abgebrannte alte Pfarrhaus. Heute ist alles ordentlich angelegt, auch die Mauer und der Zaun. Im Hintergrund ist die Rehlinger Pfarrkirche St. Vitus und St. Katharina zu sehen.
Foto: Josef Abt

In einer weiteren Aufzeichnung zur Baugeschichte des Rehlinger Pfarrhauses stellte Pfarrer Schwarz auch die Kosten des Neubaus dar. Die Baulast (Baupflicht) am Pfarrhof oblag demnach einst der reichen Pfarrpfründestiftung selbst. Durch Gesetz vom 4. November 1924 ging diese auf die Pfarrkirchenstiftung über. Aus diesem Grund musste die Kirchenstiftung von den Kosten für den Neubau, die insgesamt 1.187.000 D-Mark betrugen, 317.000 Mark selbst aufbringen. Das gelang, indem 212.000 Mark eingingen durch den Tausch der Kobeswiesen in Oberach an die politische Gemeinde und Pfarrangehörige 105.000 Mark spendeten. Von der Bischöflichen Finanzkammer gab es einen Zuschuss von 870.000 Mark.

Diese Gedenktafel an der Rehlinger Pfarrhof-Garage erinnert an den Brand vor 40 Jahren.
Foto: Josef Abt

Am 31. Juli 1983 kam der große Tag, als im Anschluss an den Gottesdienst der Pfarrhof eingeweiht wurde. Es war dies am Fest des Heiligen Ignatius von Loyola, dessen Wahlspruch lautete: "Alles zur größeren Ehre Gottes." Das ist auch auf der Gedenktafel zum Brand zu lesen.

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