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Aichach

24.11.2019

Das Wasserschloss in Aichach bekommt eine Dauerausstellung

Eine Erfolgsgeschichte: Das Sisi-Schloss in Unterwittelsbach lockt jedes Jahr mit seinen Sonderausstellungen rund um Kaiserin Elisabeth tausende Besucher nach Unterwittelsbach. Seit 20 Jahren gehört das Wasserschloss der Stadt Aichach. Rechts neben dem Schloss ist die Schlosskapelle zu sehen.
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Eine Erfolgsgeschichte: Das Sisi-Schloss in Unterwittelsbach lockt jedes Jahr mit seinen Sonderausstellungen rund um Kaiserin Elisabeth tausende Besucher nach Unterwittelsbach. Seit 20 Jahren gehört das Wasserschloss der Stadt Aichach. Rechts neben dem Schloss ist die Schlosskapelle zu sehen.
Foto: Erich Echter

Plus Schloss in Unterwittelsbach bekommt Dauerausstellung und soll bei der Landesausstellung eine Rolle spielen. Vor 20 Jahren unklar, was mit dem Gebäude geschieht.

Die Sonderausstellung „Imperiale Köstlichkeiten“ ist zu Ende, der Kunst-Antik-Markt vorbei, jetzt ziehen die Handwerker ins Sisi-Schloss im Aichacher Stadtteil Unterwittelsbach ein. Dort werden jetzt Räume für eine Teil-Dauerausstellung vorbereitet.

Im ersten Stock des Wasserschlosses werden die Wände neu gestrichen, das Linoleum in den Zimmern durch einen Riemenboden aus Holz ersetzt. Punktuell wird eine neue, durch ein Schienensystem flexible Beleuchtung installiert, erläutert Bauamtsleiterin Carola Küspert. „Alles in Absprache mit dem Denkmalamt.“ Aus Denkmalschutzgründen bleiben die Decken mit ihren Stuckverzierungen unberührt. Die Maler- und Elektroarbeiten übernimmt der Bauhof, danach verlegt eine Firma den neuen Boden. Bis Januar muss alles fertig sein, denn dann soll schon der Aufbau der Ausstellung beginnen.

Aichach: Sonderausstellungen locken immer tausende Besucher nach Unterwittelsbach

Die jährlichen Sonderausstellungen rund um Kaiserin Elisabeth locken stets tausende Besucher nach Unterwittelsbach. Viele treue Fans kommen jedes Jahr, berichtet Kastellanin Brigitte Neumaier. Weil aber viele andere Besucher das Schloss zum ersten Mal sehen, ist es unerlässlich, stets auch die Biografie Sisis zu beleuchten. Dieser Teil wird nun zur Dauerausstellung.

Dabei bedeutet Dauerausstellung nicht, dass sie das ganze Jahr über zu sehen sein wird: Mit der jeweiligen Sonderausstellung wird sie künftig jedes Jahr wieder abgebaut, denn Veranstaltungen wie der Kunst-Antik-Markt, Kunstausstellungen, Lesungen und Konzerte sollen weiterhin wie gewohnt im ganzen Haus stattfinden. Dennoch hat die Dauerausstellung nach Ansicht von Brigitte Neumaier große Vorteile: Dieser Teil der Schau muss nicht mehr jedes Jahr neu konzipiert werden und es können auch zeitgemäße, interaktive Elemente und Medien eingesetzt werden, die für einen einmaligen Einsatz zu aufwendig wären. So soll sich zum Beispiel der Stammbaum von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph mittels Beamer nach und nach vor den Augen der Besucher aufbauen oder ein magischer Spiegel den Besuchern einen besonderen Anblick bieten.

Ein Raum wird sich der damaligen Zeit widmen, die Machtverhältnisse darstellen, die Rollenbilder von Mann und Frau im Biedermeier, die damaligen technischen Errungenschaften. Im nächsten Zimmer geht es um Sisis Kindheit, um ihre Eltern und Geschwister, um das Familienleben. Darauf folgen die Themen Heirat und Ehe, Schönheit, Reisen und der Tod Sisis. Bei der Gestaltung arbeitet Neumaier wieder Hand in Hand mit dem Gestalter Ullrich Styra, dem früheren Chef-Schauwerbegestalter bei Kröll & Nill in Augsburg. Bereits zum elften Mal bringt er sich bei der Gestaltung der Ausstellungen im Schloss maßgeblich mit ein.

Wie bisher wird es Sonderausstellungen mit wechselnden Themen geben. Sie beschränken sich dann auf die zweite Etage. Im nächsten Jahr werden es – passend zur Landesausstellung über die Wittelsbacher als Städtegründer – die Wittelsbacher Herzöge in Bayern sein, verrät die Kastellanin. Es wird um die Heimat- und Sommerorte der Kaiserin gehen und um Herzog Max – den jagenden und Zither spielenden Max. Besonders stolz ist Neumaier auf eine Abschussliste aus den Jahren 1839/40, die dann gezeigt wird. Sie belegt nach Neumaiers Ansicht eindeutig, dass sich der Herzog viel in Unterwittelsbach aufgehalten hat. „Das Privatleben von Max war hier“, sagt sie. Auch die Mutter Ludovika, die Geschwister und schließlich Sisis eigene Familie sind Thema.

Brigitte Neumaier freut sich auf die Landesausstellung. Auch, wenn das Sisi-Schloss nur im Rahmenprogramm eine Rolle spielen wird, verspricht sie sich davon doch viel Aufmerksamkeit für Aichach und für das Schloss.

Aichach: Stadt hat das Schloss vor 20 Jahren für 1,9 Millionen D-Mark gekauft

Die Entwicklung, die das Wasserschloss genommen hat, seitdem die Stadt es vor 20 Jahren für 1,9 Millionen D-Mark gekauft hat, freut auch Bürgermeister Klaus Habermann. „Wir wussten ja noch nicht, was wir damit machen wollen.“ Die Stadt habe vor allem Probleme durch mögliche andere Nutzungen vermeiden wollen. Rückblickend sagt er: „Die Entscheidung war ein Glücksfall. Das ist eine Erfolgsstory, die man so nicht erwartet hat.“ Wie groß das Interesse der Bürger an dem Schloss ist, habe sich schon kurze Zeit nach dem Kauf gezeigt, als tausende von Leuten zu einem Tag der offenen Tür ins Schloss mit seinem englischen Landschaftspark kamen. „Wir haben schnell gemerkt, dass es ein Kleinod ist“, sagt Habermann.

Für einige Monate zogen – vermittelt vom Kunstverein Aichach – ein Schriftsteller und zwei Malerinnen in das Schloss, boten Lesungen und Ausstellungen an. „Das war ein schönes Projekt“, erinnert sich der Bürgermeister. Im Jahr 2000 fand die erste Ausstellung im Sisi-Schloss statt. Götz Beck von der Regio Tourismus hatte dafür den Kontakt mit dem königlichen Schloss im ungarischen Gödöllö hergestellt, das Leihgaben dafür zur Verfügung stellte. Prompt wurde ein Tischkartenhalter gestohlen; eine Alarmanlage gab es damals noch nicht.

Der Verlust hat die Beziehungen allerdings nicht nachhaltig getrübt: Aus der Verbindung über Sisi wuchs eine Städtepartnerschaft zwischen Aichach und Gödöllö. Verbunden sind die beiden Städte heute, ebenso wie weitere Orte, die mit der Kaiserin in Verbindung stehen, über die Sisi-Straße. Auch sie wurde initiiert von Götz Beck und der Regio Tourismus. Heute steht das Sisi-Schloss sogar im Programm von Busreisen.

Für Habermann geht die Rechnung auf: Zwar koste das Schloss immer wieder viel Geld, aber es bringe auch viele Menschen nach Aichach, die hier essen, einkaufen, übernachten. Viel wichtiger ist für den Bürgermeister aber etwas anderes: Das Geschichtsbewusstsein der Bevölkerung und die Identifikation mit der Wittelsbacher Geschichte sei gewachsen.

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