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Soziales

23.05.2018

Das Wittelsbacher Land wird immer älter

Die Zahl der Hochbetagten und Pflegebedürftigen wird in den kommenden Jahrzehnten noch einmal deutlich ansteigen, denn jetzt gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Ruhestand.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

In den kommenden Jahren steigt die Zahl der Hochbetagten deutlich an. Wie sich die Kreispolitik auf diese Entwicklung eingestellt hat und was noch zu tun ist.

Die Zahlen sprechen für sich: Innerhalb von 40 Jahren vervierfacht sich der Anteil hochbetagter Menschen im Landkreis Aichach-Friedberg. Lebten 1994 noch 1313 Personen, die älter als 85 Jahre waren, im Wittelsbacher Land, so werden es 2034 bereits über 5800 sein. Diese Zahlen stellte der Altenhilfereferent des Landkreises, Alf Neumeier, jetzt im Kreisentwicklungsausschuss vor. Seinen Ausblick verband Neumeier, der jetzt selbst in Ruhestand geht, mit einem Rückblick auf das Geleistete (siehe Infokasten).

Die geburtenstarken Jahrgänge kommen jetzt ins Rentenalter und damit erhöhen sich die Herausforderungen auch für die Kommunalpolitik. Bereits heute wird mit 18 bis 20 Millionen Euro der mit Abstand größte Posten im Kreishaushalt im Rahmen der Bezirksumlage für Pflege und Eingliederungshilfe verwendet. „Relativ geringere Renten und abnehmende häusliche Pflegepotenziale werden diesen Trend verstärken“, sagt Neumeier voraus. Angesichts der steigenden Zahl von Demenzerkrankungen wird die gerontopsychiatrische Pflege zu Hause und in teilstationären Einrichtungen immer wichtiger.

Was folgt aus dieser Entwicklung? Der scheidende Altenhilfereferent sieht unter anderem folgende Notwendigkeiten:

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Altenheime Eigentlich sollte das Anfang 2017 in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetz den Schwerpunkt wieder auf die häusliche Pflege legen, um den Bedarf an Heimplätzen zu verringern. Tatsächlich ist im Landkreis aber das Gegenteil der Fall: „Statt Nachfragerückgang verzeichnen wir erstmals seit 20 Jahren wieder Vollbelegung“, berichtete Neumeier. Wollte man den heutigen Versorgungsmix fortschreiben, so müssten allein in den nächsten 13 Jahren drei neue Heime mit je 80 Plätzen gebaut werden. Inzwischen haben internationale Pflegekonzerne den Markt für sich entdeckt und expandieren stark, während die Häuser der kommunalen Altenpflege und der freien Wohlfahrt weniger werden. Weil die hohen Renditeerwartungen der Unternehmen zu einem standardisierten Betrieb führen, muss nach Neumeiers Einschätzung die Heimaufsicht personell und sachlich gestärkt werden.

Kurzzeitpflege In den vergangenen Jahren mussten allein im Großraum Augsburg zwölf Einrichtungen der Kurzzeitpflege aus finanziellen Gründen schließen. Dem versucht man jetzt entgegenzusteuern, indem in den Heimen einzelne Kurzzeitpflegeplätze geschaffen werden. Allerdings sind erst ein Drittel der vormals bestehenden Plätze wieder vorhanden, sodass weiterer Bedarf besteht.

Netzwerke Die künftigen Herausforderungen können laut Neumeier nur durch mehr Nachbarschaftsnetzwerke, Stärkung des Ehrenamts und Angebote für pflegende Angehörige gemeistert werden. „Ohne bürgerschaftliches Engagement werden wir in den nächsten Jahren Qualitätseinbußen nicht vermeiden können“, warnte er. Vor allem Städte und Gemeinden sind hier gefördert, der Landkreis kann aber unterstützend tätig sein.

Beratung Der Altenhilfereferent riet den Kreisräten, sich um den Status einer Modellkommune zu bewerben, in denen ein einheitliches Beratungsangebot für Senioren und pflegende Angehörige erprobt werden soll.

Ausbildung Um einen Pflegenotstand im Landkreis zu vermeiden, ist die Gründung einer zweiten Schule im Landkreis-Norden aus Neumeiers Sicht zwingend notwendig. Nach dem Krankenhaus-Werkausschuss hat sich inzwischen auch der Kreisentwicklungsausschuss eindeutig für eine solche Einrichtung ausgesprochen. Alf Neumeier rät zu einer engen Kooperation mit den Klinken an der Paar und zu einer intensiven Bewerbung des Berufsbilds.

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