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Jahresetag

22.05.2019

Dauerregen weckt in Aichach Erinnerungen an Pfingsthochwasser 1999

Pfingsthochwasser 1999: Die Häuser südlich der Aichacher Bahnhofstraße waren stark betroffen.
Bild: Erich Echter

Plus Vor 20 Jahren traf das Pfingsthochwasser auch das Wittelsbacher Land. Mering und Kissing waren großflächig überschwemmt, aber auch Friedberg und Aichach waren stark betroffen. Heute sieht sich Aichach gut gerüstet.

Es regnet und regnet. Im Wittelsbacher Land steigen die Pegel. Seit Montag gilt eine Hochwasserwarnung. Das Wasserwirtschaftsamt prognostizierte am Dienstag an der Paar Hochwasser der Meldestufen 1 und 2, später dann teils Meldestufe 3. In Aichach war an der Paar am Blauen Steg am Dienstag um 18 Uhr mit einem Pegel von 143 Zentimetern Meldestufe 1 überschritten. Normal sind 50 bis 80 Zentimeter. Und es regnet weiter.

Bei vielen werden da schlimme Erinnerungen wach: Starke, anhaltende Regenfälle haben vor 20 Jahren zum Pfingsthochwasser geführt. Es richtete vor allem im Landkreissüden Millionenschäden an. Etwa 300 Feuerwehrleute waren rund um die Uhr im Einsatz.

Mering und Kissing wurden großflächig überschwemmt. In Mering waren etwa 250 Häuser betroffen, in Kissing 300. Die Hochwasserwelle lief laut Wasserwirtschaftsamt nach Norden hin aus. Deshalb richtete sie um Aichach herum weniger Schäden an.

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Das Hochwasser war in Aichach ein einschneidendes Ereignis

Dennoch war das Pfingsthochwasser ein einschneidendes Ereignis für Klaus Habermann, der damals gerade mal ein Jahr Aichacher Bürgermeister war. Er erinnert sich: „Auch wenn es bei uns im Vergleich zum Landkreissüden noch glimpflich abging – es war dennoch heftig, wie sich das Wasser rasant flächig ausgebreitet hat.“ An drei Tagen fielen damals 111 Liter Regen pro Quadratmeter, wie die Wetterstation am Aichacher Gymnasium belegte. Normal waren damals 90 Liter im ganzen Mai.

Die Paar trat schon am Freitag über die Ufer. Am Samstag, 22. Mai, erreichte das Pfingsthochwasser 1999 seinen Höhepunkt mit einem Pegel von 3,70 Metern. Seit den frühen Morgenstunden stieg das Wasser. Aus dem Flutgraben in Aichach schwappte es in Garagen und Keller an der Bahnhofstraße, der Flurstraße und am Oberbernbacher Weg. An der Paar standen die Schrebergärten einen Meter unter Wasser. Eine Anwohnerin der Bahnhofstraße sprach mit Galgenhumor über ihr „Haus mit großen Schwimmbecken“. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Sie habe vermutlich Schlimmeres verhindert, sagt Habermann. Er ist froh, dass keine Menschen zu Schaden kamen.

Straßen und Brücken waren überflutet, in Pöttmes brach ein Damm

Bei der Tränkmühle beim Aichacher Stadtteil Sulzbach, bei Walchshofen, bei Großhausen und zwischen Radersdorf und Paar waren Straßen und Brücken überflutet. In Pöttmes brach am Ortsausgang in Richtung Schrobenhausen an der Ach auf einer Länge von rund zweieinhalb Metern ein Damm. Das Wasser staute sich in Wiesen und drückte in den Keller eines Anwohners. In Rehling war die Brücke über den Lech gesperrt, die Feuerwehr pumpte Keller aus. In den Tagen danach bangten dann die Bewohner von Rehling, Sand und Mühlhausen: Dort stieg der Grundwasserspiegel.

In Aichach hat die Stadt Konsequenzen aus dem Hochwasser gezogen, wie Bürgermeister Habermann berichtet. In der Folge habe man beim Wasserwirtschaftsamt und den Ministerien den Druck für die Umsetzung des Aichacher Hochwasserprojektes weiter erhöht, erzählt er. Dieses war beschlossen und in Planung, aber noch nicht planfestgestellt. Es dauerte bis März 2007, bis es so weit war.

Die letzte Lücke im Hochwasserschutz ist geschlossen

Heute ist der Aichacher Hochwasserschutz bis auf letzte Restarbeiten fertig, wie Maximilian Hartmann vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth bestätigt. Vor Kurzem wurde die letzte Lücke an der Paar entlang der Franz-Beck-Straße mit Spundwänden geschlossen (wir berichteten). Freistaat und Stadt haben knapp zehn Millionen Euro investiert, damit Aichach vor einem sogenannten 100-jährigen Hochwasser geschützt ist. 70 Kubikmeter Wasser pro Sekunde können jetzt schadlos durch die Stadt geleitet werden. Beim Pfingsthochwasser 1999 waren es 50 Kubikmeter pro Sekunde. Für Habermann „ein unbedingt beruhigendes Gefühl“.


Welche Hochwasserschutzmaßnahmen werden in Aichach-Friedberg durchgeführt?

  • Hochwasserschutz Aichach (baulich abgeschlossen seit 2019): Kosten circa 10 Millionen Euro.
  • Hochwasserschutz „Obere Paar“, Gesamtkosten circa 20 Millionen Euro, bestehend aus den Teilprojekten:
  • Hochwasserrückhaltebecken Putzmühle nahe Steindorf (abgeschlossen seit 2007)
  • Hochwasserrückhaltebecken Merching (derzeit in Umsetzung)
  • Innerörtlicher Ausbau Kissing (in Planung)
  • Innerörtlicher Ausbau Mering (in Planung)


Welche Maßnahmen laufen gerade?

  • Merching Derzeit wird das Hochwasserrückhaltebecken Merching gebaut. Vom erforderlichen Dammvolumen (Gesamt 55.000 Kubikmeter) sind derzeit rund zwei Drittel eingebaut. Die Dammschüttung wird nach der Winterpause seit Ostern fortgeführt und wird witterungsabhängig voraussichtlich bis Juli dauern. Der Baugrubenverbau des Auslassbauwerkes ist fertig und die Bodenplatte betoniert. Derzeit werden die seitlichen Wände des Bauwerkes geschalt und betoniert. Die Fertigstellung der Stahlbetonarbeiten ist bis August vorgesehen. Im Herbst folgt der Einbau der Stahlwasserbauteile und anschließend die technische Ausrüstung (Steuertechnik etc.). Die wesentlichen Arbeiten können Ende 2019 abgeschlossen werden. Betriebsbereit wird das Becken voraussichtlich im Frühjahr 2020 sein.

Welche Maßnahmen sind in Planung?

  • Kissing/Mering Die innerörtlichen Ausbaumaßnahmen in Kissing und Mering sind noch in Planung. Nach Abschluss der Bauarbeiten am Hochwasserrückhaltebecken Merching wird als nächstes die Genehmigungsplanung für den innerörtlichen Ausbau in Kissing vorangetrieben.

Wie wird sich das Programm „Licca liber“ auswirken?

  • Lech Im Rahmen des Projektes „Licca liber“ sind auch Deichrückverlegungen vorgesehen. Durch die Reaktivierung größerer Überflutungsflächen kann zusätzlicher Retentionsraum geschaffen werden.

Informationen zu den Projekten unter www.wwa-don.bayern.de (Rubrik Hochwasserschutz)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Aichacher Hochwasserschutz hat sich längst bezahlt gemacht

Eine Bildergalerie finden Sie hier:

FA_Pfingsthochwasser Mering und Kissing011.jpg
41 Bilder
Das Pfingsthochwasser 1999 in Bildern
Bild: Peter Kleist, Anton Schlickenrieder, Marcus Bürzle, Foto Bänfer, Gemeinde Kissing, Erich Echter, Markus Bürzle
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