1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Dem Josefsland gehen die Seppen aus

Dem Josefsland gehen die Seppen aus

Dem Josefsland gehen die Seppen aus
Glosse Von Christian Lichtenstern
03.07.2019

Aichach und das Wittelsbacher Land ist die Wiege der Königlich-Bayerischen Josefspartei. Den Volksparteien geht das Volk aus und der Josefspartei die Josefs.

Am 19. März war Josefstag und kein Feiertag. Damit ist zur Daseinsberechtigung der Königlich-Bayerischen Josefspartei (fast) alles gesagt – aber nur fast. Im vergangenen Jahr jährte sich die größte Schmach der Josefs zum 50. Mal. Zu Ehren des Ziehvaters Jesu ruhte früher in Bayern am 19. März die Arbeit. Die Schüler bekamen frei, die Mädchen schmückten sich mit Blumenkränzen und die Burschen tranken ihre erste Biergartenmaß. 1968 wurde Josefi als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. Damit fanden sich die Seppen ab – doch eine kleine Stadt in Altbayern beziehungsweise eine „Partei“ hörte nicht auf, Widerstand zu leisten.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Unter einem Minister machte es die Josefspartei nicht

Das ist bis heute im Grunde so. Das einfach gestrickte bisherige Erfolgsprogramm (Josefi muss wieder Feiertag werden) steht wie eine Eins, doch wie den anderen großen Volksparteien geht der KBJP das Volk beziehungsweise die Seppen verloren. Was waren das früher noch für Hochfeste und Josefs-Aufläufe bei den Parteitagen. Das Zelt voll, die Stimmung bierselig und Parteimitglieder aus Brasilien oder König Cephas Josef Bansah aus Ghana, Kontinentalvorsitzender der Josefspartei in Afrika, feierten mit. Unter einem Minister als Hauptredner machten es Weltvorsitzender Otto Steuerl und Co. nicht. Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl machte 1986 den Anfang, Söder kam als Finanzminister, Seehofer als Ministerpräsident und wenn sogar eine Frau das Wort im Bierzelt launig ergreifen durfte, dann musste es schon eine Tochter von Franz-Josef Strauß sein.

Hoffnung besteht, solange Josefi kein Feiertag ist

So war das mal im Josefsland. Das ist heute ziemlich seppenleer. Zuletzt fiel der Parteitag sogar ganz aus und ein Jahr zuvor waren die Bänke beim Kühbacher Brauereifest nur noch zu einem Viertel besetzt. Jetzt kommt die KBJP wieder in die Heimatstadt zurück und hofft auf einen Neustart. Na ja, solange der Josefstag kein Feiertag ist, besteht Hoffnung. Wer kommt eigentlich am Sonntag als prominenter Redner beim Parteitag …?

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Josefsparteitag kehrt aufs Aichacher Volksfest zurück

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren