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Prozess in Aichach

18.06.2019

Drogenhandel in Aichacher WG nach dem Prinzip „Kaffeekasse“

Wegen Drogenhandels musste sich jetzt ein 31-Jähriger am Schöffengericht Aichach verantworten.
Bild: Symbolfoto: Katja Röderer

In der Wohnung eines Aichachers konnten sich Mitbewohner an der Drogenbox bedienen und Geld in die Kasse legen. Zufällig kam ihm die Polizei auf die Schliche.

Nach dem Prinzip Kaffeekasse funktionierte der Drogenhandel eines 31-jährigen Aichachers. Die Mitbewohner seiner Wohngemeinschaft konnten sich an der Box mit Drogen bedienen und legten dafür ihren Obolus in eine Extra-Kasse. Aufgeflogen war er durch Zufall. Die Polizei war aus einem ganz anderen Grund in seine Wohnung gekommen und fand dabei die Drogenutensilien. Am Montag musste er sich wegen unerlaubten Handels mit Drogen und Besitz in nicht geringer Menge vor dem Aichacher Schöffengericht verantworten.

Polizei fand Marihuana unter der Spüle

Rund 65 Gramm Marihuana fand die Polizei in einer Tabakbox unter der Spüle in der Küche des Angeklagten. Dazu gut vier Gramm Kokain in seinem „Waldsafe“. Außerdem 1760 Euro Bargeld in „szenetypischer Stückelung“. Das sei angespartes Tätowiergeld gewesen, sagte der Angeklagte dazu aus.

Den Besitz der Drogen gab der 31-Jährige zu, stritt jedoch ab, dass er damit Handel betrieben habe. „Die Drogen waren für alle zugänglich“, sagte er vor Gericht aus. Sprich: Sie lagen offen in der Box. Wer sich etwas herausnahm, legte Bares in die Kasse. „Ein guter Freund“ des Angeklagten kam regelmäßig vorbei, nahm das Geld und füllte die Box wieder auf. Den Namen seines Freundes wollte der 31-Jährige nicht nennen. Auf Nachfrage von Walter Hell, Vorsitzender des Schöffengerichts, ob derjenige schon mal vor Gericht gesessen hatte, antwortete der Angeklagte: „Bestimmt“.

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Angeklagter ist einschlägig vorbestraft

Für Staatsanwalt Daniel Kulawig ergab sich aus den Zeugenaussagen ein sehr diffuses Bild. Da war ein Freund des Angeklagten, der dessen Aussage vom „Prinzip Kaffeekasse“ bestätigte. Eine ehemalige Mitbewohnerin sagte aus, dass sie dem 31-Jährigen jeweils Geld gegeben hatte und er ihr dann Drogen dafür aushändigte. In mindestens drei Fällen soll sie im ersten Halbjahr 2018 jeweils etwa vier Gramm zum Preis von 50 Euro gekauft haben.

Kulawig wertete das Geständnis zu Gunsten des Angeklagten. Ebenso, dass es sich bei Marihuana um eine sogenannte weiche Droge handelt. Gegen den Mann sprachen einschlägige Vorstrafen. Er hatte bereits drei Mal wegen Drogendelikten vor Gericht gestanden und war zuletzt 2014 wegen unerlaubten Handels zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Diesmal forderte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von zwei Jahren drei Monaten.

Gericht verurteilt Angeklagten zu zwei Jahren Haft

Verteidiger Reinhard Baade sprach sich wegen Drogenbesitz für eine Bewährungsstrafe von „deutlich unter einem Jahr“ aus. Im Fall des Verkaufs von Drogen forderte er Freispruch. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Entscheidend war, dass der 31-Jährige als Mieter der Wohnung „die Hand auf den Drogen hatte“. Gegen den 31-Jährigen sprach aus Sicht des Gerichts, dass er keinerlei ernsthafte Bemühungen zeigte, etwas gegen seine Drogensucht zu tun. Das Strafmaß gibt ihm die Möglichkeit, statt der Haft einen stationären Drogenentzug zu machen.

Polizei war aus einem ganz anderen Grund in der Wohnung

Der Grund, weshalb die Beamten in der Wohnung des 31-Jährigen waren: Sie hatten den Hinweis bekommen, dass sich ein von der Polizei Gesuchter in der Wohnung des Aichachers aufhalten sollte. Außer dem Gesuchten fanden die Beamten auch die Drogenutensilien.

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