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Ehrungen II

13.12.2019

Ehrenringe für die Urgesteine des Kreistags

Der Landkreis hat zwei neue Ehrenringträger: Rupert Reitberger (Zweiter von links) und Peter Feile erhielten die höchste Auszeichnung, die das Wittelsbacher Land zu vergeben hat von Landrat Klaus Metzger (rechts). Matthias Stegmeir (links) wurde die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik verliehen. Foto: Christian Lichtenstern

Peter Feile und Rupert Reitberger sind zusammen 100 Jahre im Kreistag. Jetzt sind die Kommunalpolitiker Träger des Goldenen Ehrenrings des Wittelsbacher Landes. Das ist die höchste Auszeichnung, die der Landkreis vergibt

Wenn sich der Kreistag traditionsgemäß kurz vor Weihnachten nicht im Blauen Palais, sondern in einem dekorierten Gastsaal – zwischen Plätzchen und von Blasmusik-Begleitung unterbrochen – zur letzten Sitzung des Jahres trifft, dann bleibt der politische Schlagabtausch wie Knecht Ruprecht vor der Tür. Die absolute Ausnahme vor 15 Jahren bestätigt da nur die Regel. Damals brannte in Heimpersdorf (Gemeinde Baar) im nordwestlichen Zipfel des Wittelsbach Landes regelrecht der Baum. Der damalige Landrat ließ bei diesem eher besinnlichen Termin kurz vor der Bescherung per Mehrheits-Beschluss die Dienstleistungs-Gesellschaft (SWL) des Landkreises aus der Taufe heben, die dann im Januar 2005 an den Start ging. „Sozialdumping“ tobten Kreisräte von SPD und Grünen.

Diese Woche fand die Weihnachtsitzung wieder mal im Bachmair-Saal im Heimpersdorf statt. Altlandrat Christian Knauer war als Gast dabei und auch der ein oder andere altgediente Kreisrat hat sich an die damalige Sitzung zurückerinnert. Das Geschehen ist dennoch ganz weit weg und dieser Nachmittag war nun wirklich harmonisch. Generell wird bei diesem Termin nämlich aufs Jahr zurückgeblickt und vor allem ehrenamtlich tätige Bürger und Kommunalpolitiker geehrt. Diesmal waren es insgesamt gleich elf, was Landrat Klaus Metzger als „Reigen“ beschrieb.

Die Ehrungen von zwei kommunalpolischen Urgesteinen stechen dabei besonders heraus: Stellvertretender Landrat Peter Feile und Rupert Reitberger – gemeinsam sind sie seit 100 Jahren (!) im Kreistag – erhielten den Ehrenring in Gold des Wittelsbacher Landes: Die höchste Auszeichnung des Landkreises wurde in 47 Jahren seit Gründung von Aichach-Friedberg überhaupt erst sechsmal verliehen. Jetzt sind es mit Knauer und dem früheren Landrats-Stellvertreter Edgar Hegler insgesamt vier Ehrenring-Träger. Auch die 2018 verstorbenen früheren Landräte Josef Bestler und Theo Körner sind so ausgezeichnet worden. Die Bundesverdienstmedaille erhielt der frühere Landrats-Stellvertreter Matthias Stegmair.

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Seit 1972 gehört der Friedberger dem Kreistag an. Feile habe den Aufbau des neuen Landkreises Aichach-Friedberg entscheidend mitgeprägt, sagte Landrat Klaus Metzger in seiner Laudatio. Bereits als junger Mensch sei er über Vater und Großvater in die Politik hineingewachsen. Als Vertreter in allen wichtigen Ausschüssen und als Fraktionsvorsitzender der SPD sei es ihm dabei ein besonderes Anliegen gewesen, zwischen den beiden Altkreisen südlich und nördlich der Autobahn ausgleichend zu wirken und Brücken der Verständigung zu bauen. Feile war Mitglied des Krankenhaus- und Altersheimausschusses, des Jugendwohlfahrtsausschusses, des Finanz-, Umwelt-, Kreis-, Bau- und Rechnungsprüfungsausschusses und ist aktuell im Werkausschuss. Die Finanz- und Gesundheitspolitik sei Feile ein besonderes Anliegen. Politische Diskussionen bereichere er mit fundiertem Fachwissen in Finanz- und Wirtschaftsfragen und „messerscharfem Sachverstand“, sagte Metzger. Bei der Haushaltsstrukturkommission 2004 habe sich der in diesem Jahr 80 gewordene durch sein Fachwissen und durch jahrelange Tätigkeit als Rechnungsprüfer besonders eingebracht. Seit über 28 Jahren stehe Feile nun bereits dem dritten Landrat als Stellvertreter zur Seite, sagte Metzger. Ebenfalls seit 1972 ist er ununterbrochen im Friedberger Stadtrat. Von 1980 bis 1983 war Feile Bundestagsabgeordneter. Besonders am Herzen liege dem Geehrten die Sozialpolitik. In verschiedensten Funktionen, insbesondere bei der Arbeiterwohlfahrt, sorgen Sie mit Umsicht und Geschick für unsere Gesellschaft, erinnerte Metzger: „Das Wittelsbacher Land ist Ihnen zu großem Dank und Anerkennung verpflichtet.“

Das gesamte ehrenamtliche Engagement des neuen Eheringträgers zu beleuchten, würde den Nachmittag sprengen, so Landrat Metzger. Wer sich die Liste seiner Tätigkeitsfelder vornehme könne kaum zu glauben, dass ein einziger Mensch das alles schaffen könne. Das Spektrum ist so enorm wie das Volumen und reicht von Politik über Soziales, zu Kultur, Blas-, Chor- und Volksmusik, geht weiter über Sport bis zum Vorsitzenden des Gartenbau-Kreisverbands und des Wasserzweckverband Magnusgruppe – allein hier seit 46 Jahren und bis heute. 1966 wurdest der heute 81 Jährige im damals noch selbstständigen Igenhausen (heute Gemeinde Hollenbach) zum jüngsten Bürgermeister in Bayern gewählt. Er blieb es in der neu geschaffenen Kommune bis 1990. Seit 1966 ist Reitberger ununterbrochen im Kreistag – also siebenmal gewählt worden. Auch deutschlandweit eine ziemlich einzigartige Kontinuität. Er war von 2002 bis 2014 Stellvertreter des Landrats und dazu kommen noch 34 Jahre im Bezirkstag (1974 und 2008). Dort kümmerte sich Reitberger als Referent für europäische Partnerschaftsangelegenheiten vor allem um den Austausch mit dem französischen Département Mayenne und den Kontakt mit der ukrainisch-rumänischen Grenzregion Bukowina. Solidarität mit den Menschen in wirtschaftlich schwächeren Regionen und Hilfe für rumänische Kinderheime seien Reitberger besonders am Herzen gelegen, erinnerte Metzger. Er hob dessen Einsatz für Musik und Kultur beim Bezirk und im Wittelsbacher Land hervor. Nicht nur als Leiter des Wittelsbacher Landfrauenchores habe Reitberger unzählige Benefizkonzerte organisiert. Er war Leiter und Dirigent des Blasorchesters „Bajuwaren“ und rief Volksmusikgruppen ins Leben. Zu Reitbergers sozialem Engagement zähle die Gründung der Caritas-Sozialstation Aichach 1980 und auch des Vereins „Kennen und Verstehen“ für die Verbesserung der psychosozialen und sozialpsychiatrischen Versorgung im Kreis als Zweiter Vorsitzender. Der Geehrte erinnerte in seiner Dankesrede an den verstorbenen Landrat Bestler: Der habe ihm als „väterlicher Freund“ den Weg gezeigt.

Der Rinnenthaler (Stadt Friedberg) habe sich beruflich als auch im ehrenamtlichen Bereich weit über das normale Maß hinaus engagiert, sagte Metzger. Seit 1984 ist der 70-Jährige im Kreistag und war von 1990 bis 1996 und von 2002 bis 2014 stellvertretender Landrat. Dabei habe er stets Engagement und betriebswirtschaftlichen Sachverstand eingebracht. Beruflich war Stegmeir fast 35 Jahre lang Geschäftsführer der Kolping-Stiftung Augsburg, ein Sozialwerk das Jugend- sowie Studentenwohnheime, einen Tagungsbereich sowie ein Restaurant umfasst. Trotz wirtschaftlichen Drucks habe Stegmeir Arbeitsplätze gesichert und immer versucht, den Mitarbeitern gerecht zu werden, sagte Metzger. Das Engagement des Geehrten sei getragen von einer tiefen Verwurzelung im Glauben und in der katholischen Kirche.

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