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Aichach-Friedberg

13.02.2020

Ein Augsburger Notarzt übernimmt die Kliniken an der Paar

Dr. Hubert Mayer wird ab April Geschäftsführer der Kliniken an der Paar.
Bild: Christian Lichtenstern

Plus Hubert Mayer wird Chef der Krankenhäuser in Aichach und Friedberg. Der Augsburger ist derzeit Direktor am Josefinum. Er will beim Personal ansetzen.

Die Hoffnung der Kreispolitiker im Wittelsbacher Land auf ein rasch sinkendes Krankenhausdefizit hat einen Namen: Dr. Hubert Mayer. Der 57-Jährige übernimmt ab April die Geschäftsführung der Kliniken an der Paar. Vor ihm liegen einige Herausforderungen. Aber der Mediziner hat bereits so etwas wie ein Rezept.

Dass der Chirurg und derzeitige Ärztliche Direktor des Augsburger Josefinums bis heute zusätzlich freiwillig als Notarzt in seiner Heimatstadt Menschen in Lebensgefahr hilft und das übrigens auch weiterhin tun will, passt ins Bild seiner zukünftigen „großen Herausforderung, die ich mit allen Mitarbeitern angehen will“. Ganz so schlimm steht es zwar nicht um die beiden Häuser in Aichach und Friedberg mit rund 700 Mitarbeitern. Aber die im vergangenen Jahr in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Kliniken sind selbst aktuell ein Akutpatient. Der Landkreis muss in diesem Haushaltsjahr einen Verlust von rund 9,5 Millionen Euro aus 2019 ausgleichen. Schon in diesem Jahr soll das Minus zumindest auf rund sechs Millionen zurückgehen.

Klinken an der Paar: Kreistag beruft Mayer einstimmig

Auch das sei auf die Dauer für den Landkreis zu viel, sagt Landrat Klaus Metzger. Eine Größenordnung von zwei bis zweieinhalb Millionen sei aber tragbar, wenn damit die medizinische Versorgung der Landkreisbevölkerung mit hoher Qualität gesichert werde. Das gehe aber nur mit einem starken und erfahrenen Geschäftsführer an der Spitze. Und den glaubt der Kreistag mit Mayer gefunden zu haben. Wie berichtet, ist er am Mittwoch in einer nicht öffentlichen Sitzung einstimmig berufen und mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet worden. Der Landrat sprach von einer der „wichtigsten Personalien des Landkreises“ der letzten Jahre.

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Die Kliniken an der Paar haben ab April einen neuen Chef.
Bild: Erich Echter (Archiv)

Dass es jetzt so schnell zu einer einvernehmlichen Nachfolgelösung gekommen ist, nannte Metzger „ein starkes Signal“ und ein klares Bekenntnis des Kreistags zu einer kommunalen Trägerschaft und zwei Standorten. Dieser politische Rückhalt sei auch ausschlaggebend gewesen, das sich trotz der bekannten Probleme so viele zum Großteil hochkarätige Bewerber für die Schlüsselposition interessierten, ist der Landrat überzeugt. Aus 30 Kandidaten filterte eine Findungskommission vier und dann zwei heraus. In der Kommission saß übrigens auch der Friedberger Siegfried Hasenbein. Der heutige Chef der Bayerischen Krankenhausgesellschaft war in den 90er- Jahren selbst mal in der Geschäftsführung der Kliniken an der Paar. Der Werkausschuss als vorberatendes Gremium sprach sich dann schon klar für Mayer aus und empfahl nur noch den Favoriten, über den der Kreistag dann zu entscheiden hatte.

Aichach-Friedberg: Auch Mayers Vorgänger musste ein Defizit abbauen

Ende August entließ der Kreistag mit einer Mehrheitsentscheidung den zuletzt umstrittenen Geschäftsführer Krzysztof Kazmierczak. Als der 2007 startete, musste er ebenfalls ein hohes Defizit abbauen. Das gelang ihm. Die Kliniken schrieben zwischenzeitlich sogar eine schwarze Null. Kritik an seiner Personalführung gab es aber immer, und zuletzt stimmten die Zahlen überhaupt nicht mehr. Nach seiner Ankündigung von Verlusten von insgesamt rund 30 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren zog die Mehrheit die Notbremse. Georg Großhauser, Abteilungsleiter im Landratsamt, ist seither gemeinsam und Peter Schiele, Geschäftsführer der Servicegesellschaft des Kreises, kommissarischer Geschäftsführer. Schiele soll auch in Zukunft in der Klinikleitung bleiben. Darüber müsse der Kreistag aber noch entscheiden, so Landrat Metzger.

Hubert Mayer hat sich am Donnerstag bei den Mitarbeitern in beiden Krankenhäusern als neuer Chef vorgestellt und ist – laut Landrat – mit langem Applaus begrüßt worden. Für den künftigen Geschäftsführer ist das Personal der absolute Schlüssel zum Erfolg. Wichtig und vorrangig sei, dass die öffentliche Wahrnehmung der Kliniken wieder positiv werde. Die bestmögliche Behandlung und Versorgung durch Ärzte und Pflegekräfte seien das Potenzial eines Krankenhauses. Die Patienten und die wirtschaftliche Stabilisierung würden dann von ganz allein kommen, so Mayer.

Als Notarzt kennt er ein brandaktuelles Thema des Landkreises

Der gebürtige Augsburger ist verheiratet, hat zwei Kinder und Enkel und will sich mit 57 „nicht zurücklehnen“ und es bis zur Rente auslaufen lassen –, sondern anpacken, verändern und gestalten. Den Landrat beeindruckt unter anderem Mayers Engagement als Notarzt. Ein im Landkreis nach der Nichtbesetzung von Diensten über Weihnachten brandaktuelles Thema. Die Vorstellung, dass Mayer sozusagen in seiner Freizeit Patienten in eigene Kliniken bringe, zeige, wie nah dran er sei.

Der Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Notfallmedizin war vor seiner jetzigen Funktion Klinikdirektor am Josefinum. Zu seinen weiteren beruflichen Stationen zählen neben dem Vincentinum und dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) an dieser Klinik, an dem er als geschäftsführender Gesellschafter tätig war, das Klinikum Augsburg und das Krankenhaus Ottobeuren. Mayer sieht die Kliniken an der Paar als Grundpfeiler der Daseinsvorsorge in einer aufstrebenden Region. Die Aufgabe bezeichnet er als berufliche Herausforderung und Chance. Dass sich die im Wittelsbacher Land sozusagen vor seiner Haustüre stellt (er wohnt im Spickel) sei natürlich eine glückliche Konstellation.

Alles dreht sich ums Personal - lesen Sie einen Kommentar von Redakteur Christian Lichtenstern: Aichach-Friedberg: Neuer Klinik-Chef muss beim Personal ansetzen

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