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Pöttmes/Augsburg

11.02.2015

„Einbruchsopfer“ soll fast drei Jahre hinter Gitter

Ein angeblicher Einbruch hat nun massive Folgen für den Hausbesitzer. Das Landgericht Augsburg verurteilte ihn in zweiter Instanz zu zwei Jahren und acht Monaten Haft. Nach Überzeugung des Gerichts hat der Mann den Einbruch vorgetäuscht.
Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Das Landgericht Augsburg hat einen 61-Jährigen zu fast drei Jahren Haft verurteilt. Grund: ein angeblicher Einbruch in sein Haus.

Pöttmes/ Augsburg Es bleibt dabei: Zwei Jahre und acht Monate soll ein Mann aus einer Donaumoos-Einöde bei Pöttmes hinter Gitter. Er soll einen Einbruch in sein Wohnhaus vorgetäuscht und danach versucht haben, seine Versicherung um den Wert der angeblichen Beute in sechsstelliger Höhe zu betrügen. Die siebte Kammer des Landgerichts Augsburg unter Vorsitz von Richterin Margith Pohl bestätigte gestern das Urteil des Amtsgerichts Aichach aus der ersten Instanz.

Pohl schloss sich weitgehend dem Plädoyer von Staatsanwältin Regina Grandl an. Diese hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten gefordert. Die Verteidiger, David Herrmann und Nicole Lehmbruck, die am letzten Prozesstag neu hinzustieß, hatten auf Freispruch plädiert. Herrmann kündigte an, in Revision zu gehen.

Für seinen Mandanten geht es um viel. Der 61-Jährige hatte sich während der vier Verhandlungstage widersprüchlich verhalten. Am zweiten Tag hatte er die Vorwürfe gegen ihn eingeräumt. Am dritten Prozesstag schränkte er sein Geständnis wieder ein. Auch gestern blieb er dabei, dass es den Einbruch tatsächlich gegeben habe. Er habe nur den Wert der Beute höher beziffert, um mehr Geld von der Versicherung zu bekommen. Dazu habe er einige Dinge als gestohlen gemeldet, die gar nicht gefehlt hätten.

Die über 100 Positionen lange Liste las sich wie der Traum jedes Einbrechers: Darunter waren teure Wertsachen wie eine Rolex-Uhr, ein Goldring und Manschettenknöpfe mit Smaragden oder Saphiren. Auch hochwertige Elektronikgegenstände waren aufgelistet, ebenso ein Kriegshelm aus Persien, ein Tigerkopf oder ein Katana-Schwert.

Was all die Gegenstände tatsächlich wert waren, blieb im Prozess unklar. Die Versicherung hatte die Summen, die der Angeklagte ihr genannt hatte, nicht genauer bewertet. Sie wollte das Strafverfahren abwarten. Daher waren mehrere Beträge im Spiel: Der Angeklagte selbst hatte seiner Versicherung einen Schaden von über einer halben Million Euro gemeldet. Sogar Verteidiger Herrmann bezeichnete das als „völlig absurd“. Die Versicherung hätte das nach seiner Ansicht nie erstattet. Die Versicherung ging zunächst davon aus, dass sie 265000 Euro hätte ausbezahlen müssen. In einer aktuellen Einschätzung, die gestern verlesen wurde, nannte sie eine Summe von 330000 Euro. Auf sie berief sich die Kammer in ihrem Urteil.

Dieses nahm Verteidiger Herrmann kopfschüttelnd zur Kenntnis. Der Angeklagte blieb reglos. Herrmann und Nicole Lehmbruck hatten die Kammer zuvor mehrfach vergeblich um ein Rechtsgespräch gebeten. Sie argumentierten, ihr zur Tatzeit nicht vorbestrafter Mandant habe den versuchten Versicherungsbetrug nicht nachdrücklich genug verfolgt, um diesen als solchen zu werten. So habe er nach der Auflistung der Beute keine weiteren Schritte unternommen. Das sei als Rücktritt vom Versuch zu werten. Daher müsse er straffrei bleiben. Dass es einen Einbruch gegeben habe, sei zudem nicht widerlegt.

Staatsanwältin Regina Grandl sah das anders: „Wir haben den Tatnachweis erbracht.“ Sie erinnerte daran, dass die von der Versicherung eingeschaltete Polizei Spurenlage, Einbruchsstelle und Zusammensetzung der Beute als zweifelhaft eingestuft hatte. Der Angeklagte habe Gegenstände als gestohlen gemeldet, die die Polizei später bei ihm fand oder die er damals nicht besaß. Nach Ansicht Grandls ebenfalls verdächtig: Er hatte den Vertrag mit der Versicherung erst ein halbes Jahr vor dem vermeintlichen Einbruch im Jahr 2012 abgeschlossen. Zur Tatzeit sei er stark verschuldet gewesen. Er habe „natürlich den Vorsatz“ gehabt, 330000 Euro erstattet zu bekommen.

Die Richterin teilte diese Überzeugung: Der Angeklagte habe „ein sehr intensives und kriminelles Verhalten“ an den Tag gelegt. Er habe „den gesamten Einbruchsdiebstahl fingiert“. Seine umfangreichen Ausführungen zum Schaden seien als vollendeter Versuch eines Versicherungsbetrugs zu werten.

Der Angeklagte selbst sagte: „Ich habe einen Fehler gemacht, der schwer korrigierbar ist.“ Er hat weiter mit der Justiz zu tun. Derzeit steht der Unternehmer wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Amtsgericht Ingolstadt.

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