1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Eine „faire“ Kiste für Bienen in Petersdorf

Natur

17.02.2018

Eine „faire“ Kiste für Bienen in Petersdorf

bild2_10949(1).jpg
4 Bilder
Nach der Kellerhaft läuft der Schwarm in die Bienenkiste ein. Markus Ehms Sohn Linus beobachtet den Einzug der Tiere. Bernd Reinthaler (links) und Markus Ehm (Mitte) freuen sich jetzt schon mit Sandra Langenegger auf die Schwarmzeit. Mit der Schwarmkiste in Händen werden sie dann ihre Bienenvölker aufstocken. Die Bienenkiste, die sie aufrecht hält, steht normalerweise waagrecht. Im ersten Jahr steht den Tieren der Brutraum zur Verfügung (im Bild die oberen zwei Drittel). Im zweiten Jahr wird der Honigraum (im Bild das untere Drittel) geöffnet.

Markus Ehm, Bernd Reinthaler und Sandra Langenegger haben sich der wesensgemäßen Bienenhaltung verschrieben. Was sie von der klassischen Imkerei unterscheidet.

Markus Ehm, Bernd Reinthaler und Sandra Langenegger rüsten sich für die bevorstehende Schwarmzeit der Bienen, die ab April beginnt. Die quadratischen Schwarmkästen stehen bereit. Und auch die selbstgebauten Bienenkästen warten auf ein neues Bienenvolk. Doch irgendetwas ist anders. Die Bienenkisten, in denen die Völker der Petersdorfer leben, ragen nicht in die Höhe, wie etwa das Zuhause der Bienen bei vielen Imkern aussieht. Die Bienen der drei Petersdorfer leben in einer Bienenkiste, die etwa 1,10 Meter lang, 40 Zentimeter breit und nur 20 Zentimeter hoch ist. Doch nicht nur das Äußere unterscheidet das Bienen-Zuhause. Auch im Innenbereich gibt es Unterschiede, die jeder beobachten kann, der sich der wesensgemäßen Bienenhaltung verschreibt.

Bei der klassischen Bienenhaltung werden Rahmen mit Wachsplatten direkt in das Zuhause der Bienen gehängt. Die Tiere müssen dann ihre Waben nur noch darauf bauen. Die Bienen der Petersdorfer haben mehr zu tun. Nur etwa zwei Zentimeter hohe Wachsstreifen befinden sich beim Einzug des Bienenschwarms im Bienenkasten. Den Rest müssen die Bienen dann selbst erledigen. Und so kann die wesensgemäße Bienenhaltung auch als Rückbesinnung verstanden werden. Zurück zur Imkerei wie sie einst war. Ohne kreative Methoden der Effizienzsteigerung.

Dass die wesensgemäße Imkerei deutlich weniger effizient ist, wissen Bernd Reinthaler und Markus Ehm aus eigener Erfahrung. Bei der klassischen Imkerei bringt ein Bienenvolk gut 100 Kilogramm Honig im Jahr. Ein Bienenvolk der Petersdorfer hat im zweiten Jahr gerade einmal zwölf Kilogramm Honig eingebracht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das hat mehrere Gründe. Im ersten Jahr stehen den Tieren nur zwei Drittel des Bienenkastens zur Verfügung, der sogenannte Brutraum. Im zweiten Jahr füllen sie auch den Honigraum, das letzte Drittel des Bienenkastens, mit Honig. Dann werden die Waben ausgeschnitten und tropfen aus. Der erste eigene Honig entsteht. Eine Schleuder wie in einer Imkerei haben die Petersdorfer dafür nicht. Auch nehmen sie den Bienen nicht den kompletten Honig weg, sondern lassen den Tieren einen Großteil davon als Winterfutter.

Für Sandra Langenegger war das der entscheidende Faktor, um sich für die wesensgemäße Bienenhaltung zu entscheiden: „Die Tiere sind so fleißig und dürfen einen Großteil ihres Honigs behalten.“ Bernd Reinthaler hatte eine andere Intention: „Ich habe viele Obstbäume im Garten, doch die trugen nur wenig Früchte.“ Er entschied sich für die wesensgemäße Bienenhaltung, um die Bestäubung der Obstbäume zu optimieren.

Der Wunsch, Bienen zu halten, schlummerte auch schon lange in Markus Ehm. Gescheut hat er lediglich den Aufwand. Dass dieser gar nicht so groß sein muss, erkannte er nach dem Besuch eines Seminars (siehe Infokasten).

Eine Schwarmkiste, eine Bienenkiste, ein Smoker, Schutzbekleidung, große Kübel und Gläser zum Abfüllen. Das brauchen die Bienenhalter für den Einstieg. Zeit, um sich um die Tiere zu kümmern, und Platz, um die Bienenkisten zu stellen, ist darüber hinaus nötig. Die Bienen brauchen ausreichend Futter – vor allem auch im Winter – und eine Behandlung gegen die Varroamilbe. Erfahrungen sammeln die Bienenhalter mit der Zeit. Gemeinsam finden sie auch dann Lösungen, wenn Unerwartetes passiert. „In einem meiner Völker ist die Königin kaputt gegangen“, erinnert sich Bernd Reinthaler. Und ohne Königin wissen die Tiere nicht, was sie tun sollen. Kurzerhand entschieden die Bienenhalter, einen kleinen Teil einer Brutwabe aus einem anderen Volk umzupflanzen. Bald gab es eine neue Königin. Das Fazit: „Die Bienenkiste funktioniert wieder. Es war mein stärkstes Volk.“

Neben der gemeinsamen Suche nach Lösungen hat sich auch dies verändert: Bernd Reinthaler achtet nun sehr genau auf die Bepflanzung seines Gartens, die möglichst bis spät in den Herbst den Tieren Nahrung bieten soll. Auch für Markus Ehm ist die Bienenhaltung ein neuer Ansatz. Eine Art Brückenbauer. Zum Überdenken der Gartengestaltung. Und um ein Gespür dafür zu entwickeln, was der Biene guttut. Zeit, um ihre Bienen zu beobachten, haben die Petersdorfer dann wieder, wenn sie im April neue Schwärme finden. „Wenn ich von einem Bienenschwarm höre, bin ich dabei“, erklärt Bernd Reinthaler und freut sich schon darauf, wenn die Schwarmzeit beginnt. Neben dem Erlebnis, wenn der Schwarm in die Schwarmkiste fliegt, eine Nacht in Kellerhaft kommt und dann – fast schon feierlich – in die Bienenkiste einlaufen darf, bedeutet ein neuer Schwarm für Bernd Reinthaler auch dies: „Ohne neue Heimat wäre der Schwarm dem Tode geweiht. Das tut mir um jeden Bienenschwarm leid.“ Entscheidend, ob der Schwarm in der Schwarmkiste bleibt und auch die Bienenkiste annimmt, ist übrigens das Verhalten der Königin. Bleibt sie in der Kiste, bleiben auch die Bienen dort. „Eigentlich eine faire Geschichte“, erklärt Markus Ehm: „Wenn es den Bienen nicht gefällt, dürfen sie wieder ausziehen.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%2020180717_Naturschutzw%c3%a4chter_G%c3%bcnter_Laicht.tif

Neuer Naturschutzwächter für die Bereiche Affing und Rehling

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen