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Einfacheres Bauen lindert nicht die Wohnungsnot

Einfacheres Bauen lindert nicht die Wohnungsnot
Kommentar Von Nicole Simüller
17.09.2019

Die Bayerische Staatsregierung will das Baurecht entschlacken. Das klingt zunächst gut - löst aber nicht das grundsätzliche Problem: die Wohnungsnot.

Bauen soll schneller, einfacher, günstiger werden. Das klingt zunächst gut. Doch was jahrelang verschlafen wurde, lässt sich jetzt nicht im Schweinsgalopp aufholen.

Digitale Bauanträge? Nach Ansicht von Fachleuten überfällig, aber aufgrund der technischen Umstellung wohl nicht kurzfristig flächendeckend leistbar.

Eine Genehmigungsfrist von maximal 90 Tagen? Wird bei einfacheren Bauvorhaben oft jetzt schon eingehalten, funktioniert aber bei aufwändigeren Projekten wie zum Beispiel öffentlichen Gebäuden nur, wenn in den Bauämtern genug Personal vorhanden ist, das die Arbeit in der kurzen Zeit wegschaufelt. Wer den Bauboom im Landkreis, die Personalknappheit und teils eingeschränkten Öffnungszeiten in so manchem Bauamt verfolgt, darf zumindest Zweifel haben, dass die 90-Tages-Frist so bald zum Standard werden kann.

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Das Baurecht entschlacken? Wer würde da Nein sagen. Stellenweise sehen auch Bauämter Potenzial zum Entrümpeln. Aber nicht alle Regeln sind so ohne Weiteres verzichtbar, wie derzeit der Anschein erweckt wird.

Deutschland gilt als Land der Bürokratie und Überregulierung. Manchmal zu Recht. Doch wer in anderen – auch europäischen – Ländern beobachtet, wie nicht nur Bauvorschriften ad absurdum geführt, sondern einfachste physikalische Gesetze ignoriert werden, ist vielleicht doch froh, dass er nach menschlichem Ermessen ein sicheres Dach über dem Kopf hat. Überbordende Reglementierung zurückzuschrauben, ist sicherlich sinnvoll – wenn an den richtigen Stellen angesetzt wird. Das grundsätzliche Problem löst all das jedoch nicht: Einfacheres Bauen alleine lindert nicht die Wohnungsnot. Denn meist fehlt es schlicht an bezahlbaren Grundstücken, um den nötigen Wohnraum zu schaffen. Daran ändert auch ein schneller bearbeiteter Bauantrag nichts.

Lesen Sie dazu den Artikel Bürgermeister haben Zweifel an bayerischer Wohnungsoffensive

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