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Bilanz

24.08.2019

Energiewende im Trippelschritt

Im Kreis wird mehr elektrische Energie regenerativ erzeugt als verbraucht. Nach Jahren mit enormen Zuwächsen geht’s jetzt nur noch seitwärts. Was das mit der Trockenheit und dem Forggensee zu tun hat. Die Sonne ist ein Lichtblick

Bei Temperaturen an der 40-Grad-Grenze hält selbst der kühlste Klimawandel-Leugner den Ball flach. Die Diskussion geht durch die Decke, und die Politik übertrumpft sich nahezu täglich in Vorschlägen. Im Kernbereich Energiewende bewegt sich das Land dagegen in Trippelschritten vorwärts. Das lässt sich anhand der Zahlen vor Ort exakt nachzeichnen: Die Stromwende schaffte das Wittelsbacher Land im Jahr 2014. Das heißt, die Menge an regenerativ erzeugter Stromenergie ist so groß wie der Verbrauch. Bis dahin ging es teils rapide bergauf. Seither stagniert aber der Ausbau: Sonne, Biogas, Biomasse, Wasserkraft und Wind erzeugten 2018 fünf Prozent mehr Strom, als in 24 Kommunen in einem Jahr verbraucht worden ist (Tabelle, Grafik). Das ist etwas weniger als 2017 und hat mit der Trockenheit im vergangenen Jahr und dem Forggensee zu tun.

Für Zuwächse sorgten zuletzt vor allem elf Windräder – sechs im Blumenthaler Forst (seit Mitte 2016), drei bei Bachern (Friedberg, seit Ende 2015) und zwei bei Baar im vergangenen Jahr. Diese Anlagen liefern zusammen grob hochgerechnet rund 60 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht über zehn Prozent des Stromverbrauchs des gesamten Landkreises. Aber in Sachen Wind tut sich nur noch wenig. Der Aichacher Stadtrat hat den Bau von Anlagen im Allenberger Forst verhindert. Die Bürgerenergiegenossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt plant vier Räder an der Kreisgrenze im Hagenauer Forst zwischen Schrobenhausen und Sandizell.

In diesem Energiesegment herrscht nach Boom-Jahren Stillstand. Bei Biogas oder Biomasse wird eher mal eine ältere oder defekte Anlage abgeschaltet.

Energiewende im Trippelschritt

Die Möglichkeiten für Wasserkraft sind nahezu ausgereizt. Die Generatoren an den Lechstauseen 23 und 22 bei Merching und Schmiechen-Unterbergen (mit dem Lochbachkraftwerk) erzeugten bei einer Leistung von je zwölf Megawatt im vergangenen Jahr jeweils rund 45 Millionen Kilowattstunden Strom. Das sind insgesamt rund 15 Millionen Kilowattstunden weniger als 2017 und etwa 20 Millionen unter dem langjährigen Durchschnitt von 112 Millionen Kilowattstunden. Die Erklärung liefert Uniper-Pressesprecher Theodoros Reumschüssel: Durch die Sanierung des Forggenseedamms konnte der See bei Füssen 2018 die Spitzenzuflüsse nicht für trockene Zeiten zurückhalten. Dadurch wurde weniger Strom erzeugt. 2018 war zudem ein sehr trockenes Jahr. Beide Effekte (Forggensee, Wassserknappheit) hätten rund 20 Prozent weniger Ausbeute als durchschnittlich bedeutet, so Reumschüssel.

Bei vergleichsweise wenigen neuen Photovoltaik-Modulen auf Dächern fließt immer mehr Strom in den Eigenverbrauch. Das ist genauso gut, wird aber in unserer Auflistung nicht deutlich. Dafür sind nach einer Baupause von einer Dekade wieder einige Solarparks in der Planung: an der A8 bei Adelzhausen, bei Sulzbach (Aichach), bei Gansbach und Raderstetten (Sielenbach), Unterbernbach (Kühbach) und auf der ehemaligen Deponie zwischen Baar und Thierhaupten.

Von den 24 Kommunen im Wittelsbacher Land sind 14 „Stromexporteure“. Das heißt: Dort wird in einem Jahr mehr Strom erzeugt als verbraucht. Vor dreizehn Jahren schafften im nördlichen Kreis gerade mal zwei Gemeinden überhaupt und nur knapp den Sprung über die Eigenversorgungsgrenze – Sielenbach und Petersdorf. Stromüberschuss bedeutet übrigens nicht, dass das Wittelsbacher Land stromautark ist. Denn durch schwankende Erzeugung und fehlende Speichermöglichkeit kann der Verbrauch nicht kontinuierlich gedeckt werden.

Es gibt im Kreis aber mittlerweile mehrere Kommunen, die für sich selbst stromautark sind. Das bedeutet: In Gemeinden wie zum Beispiel Sielenbach, Petersdorf, Kühbach und Schmiechen ist der Eigenbedarf komplett, also zu 100 Prozent über die ganze Zeit, durch die dezentrale Stromerzeugung gesichert. Überall dort gibt es Biogasanlagen, die durchlaufen und die Grundlast abdecken.

An der Spitze mit 447 Prozent Versorgung liegt wieder Sielenbach. Diesen Platz behauptet das Energiedorf seit Beginn unserer Erhebung 2006. Dort wird aktuell viereinhalbmal so viel Strom eingespeist als verbraucht. Bemerkenswert: Zur Bilanz der Kommune trägt keine einzige Großanlage bei, sondern nur kleinere und mittelgroße Einspeiser. Ein Windrad von insgesamt sechs im Blumenthaler Forst steht zwar auf Sielenbacher Flur, der Strom fließt aber nicht auf der Gemarkung der Ecknachtalgemeinde ins Netz. Ähnlich verhält es sich in Baar. Der Strom aus den beiden Windrädern am Baarer Berg wird nicht auf der Flur der Kommune im Drei-Landkreis-Eck eingespeist.

Das Spitzentrio der größten Stromerzeuger im Kreis bilden die zwei Wasserkraftwerke an den Lechstaustufen und das Biomasse-Heizkraftwerk der Firma Pfeifer in Unterbernbach (Kühbach). Das ist ein regenerativer Riese (Gesamtleistung: 50 Megawatt) und erzeugt als „Abfallprodukt“ über 50 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. " Diese Woche

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