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Aichach-Friedberg

09.10.2019

Feuerwehr: Diese Truppe hält dem Einsatzleiter im Kreis den Rücken frei

Lagebesprechung bei der Unterstützungsgruppe Feuerwehr: Regelmäßig treffen sich die Mitglieder zu Übungen.
Bild: Klaus Hartwig, Kreisbrandinspektion

Damit der Einsatzleiter bei besonderen Einsätzen nicht den Überblick verliert, unterstützt ihn im Landkreis eine besondere Gruppe.

Ein Brand in einem Unternehmen, das mit Chemie zu tun hat, ist ein beunruhigendes Einsatzszenario. Deshalb rücken am Abend des 18. Juni innerhalb kürzester Zeit 150 Feuerwehrleute nach Ecknach aus, als bei Bayern-Fass Feueralarm ausgelöst wird. Das Unternehmen in dem Aichacher Gewerbegebiet reinigt und recycelt Industriefässer, in denen sich auch chemische Substanzen befinden. Für den Einsatzleiter ist ein solches Szenario eine besondere Herausforderung. Im Landkreis können Führungskräfte in solchen Fällen nun auf besondere Unterstützung zurückgreifen.

Unterstützungsgruppe (UG) Feuerwehr heißt das Stichwort. Sie tritt bei Großeinsätzen wie dem bei Bayern-Fass im Juni in Erscheinung. Denn: Zwar stehen in Bayern in der Regel genügend Feuerwehrkräfte im Bedarfsfall zur Verfügung. Doch es sei eine besondere Herausforderung, mehrere Einheiten taktisch richtig einzusetzen und zu führen. Das betont Stefan Schmid, Kreisbrandmeister für Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb hat die Kreisbrandinspektion ein neues Konzept für den Landkreis erarbeitet. Es ist bereits zum 1. Oktober 2018 in Kraft getreten und enthält drei Unterstützungsgruppen. Diese haben offiziell am 1. Oktober ihren Einsatzbetrieb aufgenommen.

Feuerwehr: So soll der Einsatzleiter unterstützt werden

Der Hintergrund ist klar: Der Einsatzleiter hat viel zu tun. Er muss organisieren, besondere Probleme berücksichten – und bei allem den Überblick bewahren, um richtige Entscheidungen treffen zu können. Zugleich muss gefunkt, die Lage immer wieder neu beurteilt und vorausgeplant werden. Das alles allein zu bewerkstelligen sei schier unmöglich. Schmid weiß: „Wer zu viel selbst macht, verliert den Überblick.“ Deshalb gibt es Führungsassistenten, die einen Teil der Arbeit, wie zum Beispiel die Kommunikation, über Funk übernehmen. Doch es kann auch sein, dass ein ganzes Team im Hintergrund nötig ist.

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Dafür sind nun die Unterstützungsgruppen zuständig. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Kommunikation über Funk, die Protokollführung oder die Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen. Die UG soll aber auch dem Einsatzleiter grafisch einen Gesamtüberblick über die Lage durch Zeichnungen und Auflistungen verschaffen. Schmid fasst zusammen: „Das Team der UG Feuerwehr hält dem Einsatzleiter den Rücken frei, sodass er sich voll und ganz auf den Verlauf der Lage konzentrieren kann.“

Die ersten Überlegungen starteten bereits 2017. Das Team der UG- Feuerwehr setzt sich aus Mitgliedern und Führungsfahrzeugen der Feuerwehren Aichach, Friedberg und Mering zusammen, wobei jede Wehr eine eigene Alarmierungsschleife erhält. Die Unterstützungsgruppen übernehmen vor Ort nicht das Kommando. Einsatzleiter ist laut Gesetz nach wie vor der örtlich zuständige Kommandant, sein Stellvertreter oder Mitglieder der Kreisbrandinspektion.

Das sind die Aufgaben der Unterstützungstruppe

Der Aufgabenbereich ähnelt dem der sogenannten Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleiter (UG- ÖEL), die es bereits seit Langem im Landkreis gibt. Dieses Team ist dem Landratsamt zugeordnet für den Bereich Katastrophenschutz. Es unterstützt im Katastrophenfall den örtlichen Einsatzleiter, der den Gesamteinsatz und damit auch verschiedene Organisationen leitet, Rettungsdienst und Technisches Hilfswerk. Werden sie allerdings nicht für die Unterstützung des ÖEL benötigt, unterstützen sie das Team der UG-Feuerwehr personell. Prinzipiell wird bei jedem UG-ÖEL-Alarm auch die UG-Feuerwehr alarmiert.

Geübt wird einmal pro Quartal mit einem festen „Drehbuch“. Jeder der drei UG-Gruppen erhält dasselbe Szenario, das vom Zugunglück über einen Gefahrguteinsatz bis hin zum Brand in einem Krankenhaus reicht. Die Übungsleitung setzt sich aus einem großen Team von Ausbildern, Führungskräften der Kreisbrandinspektion und einem Gesamtübungsleiter zusammen. Ist für jede UG die 60-minütige Einsatzübung beendet, wird die Arbeit aller drei Gruppen verglichen und besprochen. Eine der größten Herausforderungen sei die stetige Steigerung der Anforderungen während dieser 60 Minuten. So würden zum Beispiel Meldungen und Problematiken, die auf das Team „einprasseln“, stetig mehr und anspruchsvoller, weiß Schmid.

In diesem Jahr wurde die UG-Feuerwehr bereits zweimal eingesetzt: bei einem Flächenbrand in Rinnenthal und bei dem Brand in Ecknach. Er ist damals glücklich ausgegangen. Die Feuerwehr hatte den Schwelbrand bald unter Kontrolle. Es gab keine Verletzten, aber immensen Sachschaden. Schmid bilanziert: „Insgesamt betrachtet ist die Einrichtung der UG-Feuerwehr ein großer und wichtiger Schritt für die zukünftige professionelle Einsatzabwicklung.“ (AN, jca)

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