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Affing

24.02.2021

Flughafen: Affing stellt Hubschrauberflüge auf den Prüfstand

Die Bevölkerung in Teilen der Gemeinde Affing protestiert gegen den Lärm von Hubschrauberflügen am Augsburger Flughafen.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Viele Bürger aus der Gemeinde Affing protestieren gegen den Hubschrauberlärm am Augsburger Flughafen. Der Gemeinderat unterstützt sie. Wie das aussieht.

Der Lärm ist enorm. So enorm, dass schon die Ersten darüber nachdenken, ob sie nicht wegziehen sollen aus Mühlhausen. Die Proteste über Hubschrauberflüge auf dem Augsburger Flughafen haben zuletzt stark zugenommen. Sie kommen insbesondere aus der Gemeinde Affing. Diese will ihre Bürger nun unterstützen im Kampf gegen den Lärm. Das ist das Ergebnis der Affinger Gemeinderatssitzung am Dienstag, an der über 20 Besucher teilnahmen.

Tränkl: Zuletzt konnte die Bevölkerung mit dem Flughafen leben

Einige Jahre war es relativ ruhig um den Fluglärm. Josef Tränkl sagt: Der Großteil der Bevölkerung habe gut mit dem Flughafen leben können. Das hat sich geändert. Die Firma Airbus Helikopter führt auf dem Airport Einweisungsflüge für eigene Hubschrauber durch. Die Proteste gegen Lärmbelästigung häuften sich zuletzt und Kritik an einer ungenügenden Informationspolitik wurde laut, die zuletzt auch Bürgermeister Markus Winklhofer äußerte. In der Sitzung, zu der Flughafengeschäftsführer Peter Bayer geladen war, bezeichnete Tränkl den Lärm als unzumutbar. Er kritisierte: "Ich bin entsetzt, wie man da mit uns umgeht." Dafür erhielt er Zwischenapplaus vom Publikum.

Der Geschäftsführer der Augsburger Flughafen GmbH, Peter Bayer, nahm an der Affinger Gemeinderatssitzung teil.
Foto: Silvio Wyszengrad (Archivfoto)

Zu den Betroffenen gehört auch Gerhard Faltermeier, der Peter Bayer zu sich nach Hause einlud, damit sich dieser ein Bild machen könnte. Der Mühlhauser Gemeinderat sprach von massiv verstärktem Fluglärm, von Flügen über bewohnte Gebiete und vom Planfeststellungsverfahren Anfang der 2000er-Jahre. Damals wurden knapp 5200 Hubschrauberbewegungen jährlich zugrunde gelegt. In den ersten beiden Februarwochen waren es 270. Hochgerechnet auf das ganze Jahr komme man somit auf 14.000. Noch dazu seien heute "ganz andere Kaliber" unterwegs, die zum Teil 30 bis 60 Minuten im Kreis flögen. Faltermeier zeigte sich sehr skeptisch, ob die aktuelle Lage noch der Genehmigung entspreche. Es gebe Piloten, die es schafften, zwischen Anwalting und Mühlhausen zu fliegen. "Das stört keinen", sagte Faltermeier. Er sprach von einer "Frage des guten Willens". So aber müsse sich keiner wundern, "wenn die Bürger sehr emotional werden".

Geschäftsführer verweist auf die Betriebspflicht des Flughafens

Flughafengeschäftsführer Peter Bayer hingegen sah wenig Spielraum. Er verwies auf die öffentliche Betriebspflicht des Verkehrslandeplatzes Augsburg, der Flüge nicht ablehnen könne. Das sei vergleichbar mit einer Autobahn, wo auch keine Fahrten verboten werden könnten. Eine Begrenzung gebe es nicht, erklärte er auf Nachfrage von Georg Engelhard, der von 18 Helikoptern an einem Tag berichtet hatte. Bayer zufolge waren es allerdings "vier Airbus-Hubschrauber, die links und rechts ihre Runden gedreht haben".

Bayer erläuterte auch den Unterschied zwischen der Nordplatz- und der Südplatzrunde. Letztere sei eingerichtet worden, um die nördliche Runde zu entlasten. Die südliche Runde ist seit 2012 reglementiert. Hier gilt eine Mittagsruhe und es darf nur ein Fluggerät in der Luft sein. Auf der Nordplatzrunde hingegen ist ein Betrieb zwischen 8 und 20 Uhr genehmigt. "Das ist unsere Problematik", so Bayer. Er gab zu, dass in den ersten beiden Februarwochen viel los gewesen sei. So war zum Beispiel die Sea King, ein Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehrmarine, zur Wartung in Augsburg, der ausgiebig Schwebeübungen absolvierte. "Da können sie gar nichts dagegen machen", sagte dazu Bayer. In der Bevölkerung war von einem "Monster" die Rede, das "sein Unwesen treibt".

Hubschrauberflüge: Am Wochenende sind Ausnahmen möglich

Davon abgesehen versicherte Bayer, dass am Wochenende keine Schulungsflüge stattfinden würden. Doch auch da gibt es Ausnahmen. Paul Moll hatte jüngst einen "Brummer" beobachtet, der einen ganzen Samstagnachmittag geflogen sei. Der Bürgermeister weiß inzwischen warum. Es gibt Sondergenehmigungen, wenn eine Auslandsmission der Bundeswehr ansteht. Das sei hier der Fall gewesen.

Für den gesamten Gemeinderat war es keine Frage, den Antrag zu unterstützen, den die Mühlhauser Gemeinderäte, unterstützt von Matthias Brandmeir, Jutta Hahn, Fabian Lechner, Josef Tränkl und Andreas Widmann eingebracht hatten. Jetzt wird fachkundig abgeklärt, ob die aktuelle Nutzung durch die Genehmigungslage abgedeckt ist. Bürgermeister Winklhofer klärt, ob sich an den Kosten auch die Stadt Friedberg beteiligt. Denn neben den Affinger Ortsteilen Mühlhausen, Bergen, Aulzhausen und Miedering sind auch Dickelsmoor und Derching betroffen. Auf Vorschlag von Rudi Fuchs wird außerdem über die politische Schiene untersucht, ob die Genehmigung so verändert werden kann, dass die Bürger besser vor Lärm geschützt werden können. Das soll die Gemeinde mit der Stadt Augsburg und der Flughafengesellschaft ausloten.

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