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Geschichte

15.06.2019

Frater aus Scheyern wurde Euthanasieopfer der Nazis

Die Vitrine mit dem Blatt zum Euthanasieopfer Adalbert Hintermair in der Jubiläumsausstellung „900 Jahre Benediktiner in Scheyern“. Foto: Michael Schmidberger

Aktuelle Ausstellung im Kloster: Adalbert Hintermair wurde wie der Schiltberger Franz Ullmer ermordet

Das markante Kreuz auf dem Kirchturm ist eine Gemeinsamkeit des Klosters Scheyern (Kreis Pfaffenhofen) und des Dorfes Schiltberg im Wittelsbacher Land. Eine weitere Gemeinsamkeit der 20 Kilometer voneinander entfernten Orte ist, wie jetzt bekannt wurde, je ein Euthanasieopfer der NS-Diktatur. Über Franz Ullmer aus Schiltberg haben wir in der vergangenen Woche berichtet. Nun offenbart der Ausstellungsbesuch „900 Jahre Benediktiner in Scheyern“, dass auch das traditionsreiche Kloster ein Euthanasieopfer exakt aus dem Jahr 1940 beklagt: Frater (Bruder) Adalbert Hintermair.

Franz Ullmer und Adalbert Hintermair haben sich vielleicht sogar gekannt, denn beide verbrachten vor ihrer Deportation in die Tötungsanstalt Hartheim bis 1940 mehrere Jahre in der Pflegeanstalt Haar-Eglfing. Der Ausstellungstext zum Foto des Scheyerner Opfers lautet: „Bei Fr. Adalbert Hintermair wurde im zweiten Jahr nach seiner Profess Schizophrenie diagnostiziert. Gut fünf Jahre verbrachte er in der Heilanstalt Eglfing-Haar. Am 20. Oktober 1940 wurde er im Rahmen der „Aktion T4“ mit 117 weiteren Personen in die Landesanstalt Hartheim über Linz verlegt und dort bald nach der Ankunft in einer Gaskammer mit Kohlenmonoxid ermordet. Zwei bis drei Wochen danach erhielt seine Mutter mit Schreiben vom 12. November 1940 die Nachricht, dass er gleichentags ‚infolge septischer Grippe mit nachfolgender Kreislaufschwäche gestorben ist.‘ Gemäß § 22 der Verordnung zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten sei ‚die sofortige Einäscherung der Leiche und Desinfizierung des Nachlasses verfügt‘ worden.“ (idb)

Die Ausstellung „900 Jahre Benediktiner in Scheyern“ zeigt bis zum Sonntag, 23. Juni, den Weg des Klosters durch die Jahrhunderte und führt die Besucher durch verborgene Räume im Kloster – unter anderem mit Besichtigung der Klosterbibliothek. Geöffnet ist die Ausstellung Samstag und Sonn- und Feiertag von 11 bis 16 Uhr und werktags auf Anfrage.

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