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Aichach-Friedberg

13.07.2010

Gewässer fließen zurück zur Natur

Ausreichende Uferstreifen tragen dazu bei, dass sich die Gewässer naturnah entwickeln können. Bei einer Fachtagung in Friedberg besichtigten die Teilnehmer Beispiele aus der Praxis. Foto: Wasserwirtschaftsamt
Bild: Wasserwirtschaftsamt

Eine Fachtagung in Friedberg zeigt, wie die Ziele der Konferenz von Rio umgesetzt werden können. Unter anderem wurde angesprochen, dass die Gewässer zurück in die Natur fließen.

Kleine Gewässer auf dem Weg zum guten Zustand. Das war das Thema beim fünften Gewässernachbarschaftstag im Landkreis Aichach-Friedberg. Die Forderungen der Konferenz von Rio de Janeiro 1992 nach ausgewogener Berücksichtigung von Ökonomie, Ökologie und Sozialverträglichkeit sind nun in den neuen Wassergesetzen verankert. Dazu gehören insgesamt die neuen Rahmenvorschriften der EU im Bereich Landwirtschaft (cross compliance), Naturschutz (Natura 2000) und Wasserwirtschaft (Wasserrahmenrichtlinie).

Bürgermeister Dr. Peter Bergmair stellte in seinem Grußwort an die Teilnehmer im Friedberger Rathaus die Sicherung des Wasserabflusses in natürlichen Bächen als Lebensgrundlage des Menschen und wichtiges Ziel seiner Stadt dar. Über 90 Kilometer Bäche werden nach seinen Worten durch die Stadt unterhalten; 60 Kilometer davon zielgerichtet und ausgewogen zwischen Wasserabfluss, natürlichen Strukturen und Nutzungen mit dem Gewässerentwicklungsplan. Dafür ist ein jährlicher Kostenaufwand von etwa 45 000 Euro erforderlich.

Der bis 2015 nach dem neuen Wasserhaushaltsgesetz zu erreichende gute Zustand der Gewässer, erläuterte Nachbarschaftsberater Thomas Beck, kann mit wissender Gelassenheit und Fachkompetenz leicht erreicht werden. Natürliche Bäche mit wechselnder Breite und Tiefe, abgestuftem Längsverlauf und vielen kleinen bis mittleren Schlängelungen bieten den notwendigen, geforderten Lebensraum. Ab und zu treten sie natürlicherweise über ihre Ufer. "In diesen vielgestaltigen Bachauen mit einigen Schwarzerlen findet auch der Mensch Erholung", sagte er.

Gewässer fließen zurück zur Natur

Andreas Gorbauch, Beauftragter für den Bereich Wasserrahmenrichtlinie des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth, verdeutlichte den Einstellungswandel. Bisher hieß es: Können Fische überleben? Jetzt heißt es: Sind Fische tatsächlich vorhanden? Kies, Sand, Blätter, Zweige und Äste und gesundes Wasser sind Grundbedingungen für den guten Zustand der Flora und Fauna im Gewässer. Um den guten Zustand festzustellen, dienen vier Gruppen dem staatlichen Messprogramm als wichtige Indikatoren: frei schwebendes Plankton, Wasserpflanzen und Pflanzen des Gewässerbodens, die wirbellosen Tiere, Fischarten.

Hoher Standard erreicht

Anita Högenauer, Wasserberaterin vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg, stellte die Berührungspunkte der Landwirtschaft mit dem Gewässerschutz deutlich heraus: Düngung, Pflanzenschutzmittel und Boden. Hierbei wurde vor allem auf die diffusen Eintragspfade von Nähr- und Schadstoffen in angrenzende Gewässer eingegangen. Die gute fachliche Praxis, die umfassende betriebliche Überwachung in Verbindung mit u. a. dem Erosionsgefährdungskataster stellt bereits einen hohen Standard für das Erreichen des guten Zustands dar. Darüber hinaus wird zudem die freiwillige Teilnahme an Maßnahmeprogrammen wie z. B. die Anlage von Gewässerrandstreifen, die Wieseneinsaat in abschwemmungsgefährdeten Lagen, der ökologische Landbau, der Zwischenfruchtanbau und das Mulchsaatverfahren staatlich gefördert.

Für Herbert Lipp, Kreisobmann der Fischervereine in Aichach-Friedberg, beleben artenreiche und zahlreich von Fischnährtieren bewohnte kleine Gewässer die größeren Fischgewässer. Ohne Fischzug und Aufsteigen der Fischnährtiere gibt es kein vielfältiges Leben im Gewässer. Zum guten Zustand gehören Verstecke, Gumpen und flache Kiesbereiche für die natürliche Fortpflanzung der typischen Kieslaicher. Und nicht zuletzt ein sauberes gesundes Wasser für alle.

In der regen Diskussion kamen vor allem Schwierigkeiten bei der Uferstreifenbereitstellung, die oft fehlende Akzeptanz für natürliche Bäche mit kleinen Überschwemmungen und die Ausdehnung des Maisanbaus mit lichtem Bewuchs neben Bächen zur Sprache. (AN)

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