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25.11.2019

Häusliche Gewalt im Landkreis: Es kann jede Frau treffen

Gewalt gegen Frauen ist eine Straftat, die oft nicht angezeigt wird. Dabei gibt es viele Beratungsstellen, die helfen können.

Plus Im Wittelsbacher Land gibt es viele Fälle häuslicher Gewalt, etliche davon bleiben geheim. Wie der Fall einer älteren Dame die Gleichstellungsbeauftragte bewegt.

Über viele Jahre wurde eine ältere Dame, die auf die 70 zugeht, von ihrem Mann geschlagen. Vor einigen Monaten vertraute sie sich der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises an und erzählte dieser von ihrem Leid. Ihr gewalttätiger Mann hatte ihr eingeredet, dass sie sich sowieso nicht von ihm trennen könne, weil das Gesetz auf seiner Seite stünde und sie allein ohnehin nicht zurechtkommen würde. Die Gleichstellungsbeauftragte versicherte ihr, dass sie ihren Mann jederzeit verlassen kann, wenn sie es nicht mehr mit ihm aushält – auch im fortgeschrittenen Alter.

Das Gespräch mit dieser Seniorin aus dem Wittelsbacher Land war für Gleichstellungsbeauftragte Beate Oswald-Huber extrem bewegend. Es hat ihr einmal mehr gezeigt, wie groß die Scham bei Frauen weiterhin ist, sich aus der Gewalt des Partners zu lösen. „Es ist Wahnsinn, dass viele Frauen meinen, sie müssen das alles aushalten“, betont Oswald-Huber. Sie ist im Landkreis Aichach-Friedberg oft die erste Anlaufstelle für Frauen, die geschlagen werden. Am Montag war der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“. Aus diesem Anlass hat das Landratsamt auf das Thema hingewiesen und Beratungsstellen für Betroffene – neben dem Polizei-Notruf 110 – aufgelistet (siehe unten). Diese sind zwar außerhalb des Landkreises, aber eng ans Wittelsbacher Land angegliedert.

Mehr häusliche Gewalt im Landkreissüden

Im Landratsamt finden zum Thema häusliche Gewalt regelmäßig runde Tische statt. Dabei tauschen sich unter anderem die Polizeiinspektionen Aichach und Friedberg, das Familiengericht und die entsprechenden Fachstellen des Landratsamtes aus. Beim jüngsten Treffen hat Tanja Rieß von der Friedberger Polizei über eine leichte Zunahme von häuslicher Gewalt im südlichen Landkreis berichtet. So gebe es in diesem Jahr bereits 20 Fälle von Nachstellungen, auch als Stalking bekannt.

Anja Lunglmeir von der Aichacher Polizei erläuterte, dass es im Landkreisnorden des Öfteren zu Übergriffen komme, wenn es darum gehe, wer bei einer Trennung in der Wohnung bleiben dürfe. Wie Erich Weberstetter, Leiter der Polizeiinspektion Aichach auf Nachfrage erklärte, sind die angezeigten Fälle von häuslicher Gewalt im Landkreisnorden im Vergleich zu 2018 rückläufig. Während im vergangenen Jahr 69 Fälle angezeigt wurden, sind es 2019 bisher 37. Nachstellungen waren es im Vorjahr sechs Fälle, genauso viele sind es bis jetzt in diesem Jahr. Das heißt aber noch lange nicht, dass die häusliche Gewalt abnimmt, denn wie hoch die tatsächliche Zahl und somit die Dunkelziffer ist, weiß keiner.

Auch Flüchtlingsfrauen zeigen ihren Partner an

Nichtsdestotrotz trauen sich heutzutage offenbar mehr Frauen, ihren Peiniger anzuzeigen. Wie Amtsgerichtsdirektor Walter Hell bestätigt, nehmen diese Fälle vor Gericht „gefühlt“ zu – eine verlässliche Erhebung gibt es nicht. Auch Flüchtlingsfrauen wagen es laut Hell öfter, gegen ihren Partner vorzugehen. Generell hat der Richter den Eindruck, dass es im ländlichen Bereich zu Hause noch friedfertiger zugeht als in der Stadt. Der Schein könne aber auch trügen, denn auf dem Dorf sprechen sich Konflikte schneller herum und werden deshalb eher verheimlicht. Zwar gibt es auch Gewalt gegen Männer, aber hier seien nicht nur die Zahlen geringer, sondern auch die Hemmungen noch größer, sich jemandem anzuvertrauen.

Beate Oswald-Huber hat im vergangenen Jahr elf Frauen telefonisch beraten, drei kamen zum persönlichen Gespräch ins Landratsamt. Bei vielen Fällen zeige sich ein klassisches Muster: Die Frauen ziehen mit einem total netten Mann zusammen, der dann plötzlich gewalttätig wird. „Die betroffenen Frauen kommen aus allen Altersschichten und allen sozialen Schichten. Es kann jede treffen“, so Oswald-Huber. Der angespannte Wohnungsmarkt mache es für die Frauen oftmals noch schwerer, sich schnell von ihrem Partner zu trennen.

Hier finden Betroffene Hilfe

Gleichstellungsbüro des Landkreises Aichach-Friedberg

Gleichstellungsbeauftragte Beate Oswald-Huber bietet Frauen und Mädchen, die mit Gewalt konfrontiert werden, Beratung und Hilfe. Sie vermittelt auch Kontakte. E-Mail: gleichstellung@lra-aic-fdb.de. Telefon 08251/92-244 (Donnerstag) oder 08251/92-445.

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

Bundesweite, kostenlose telefonische Beratung rund um die Uhr, bei Bedarf in verschiedenen Sprachen. Telefon 08000/116 016.

Via – Wege aus der Gewalt

Telefonische und auch persönliche Beratung bei Gewalt in der Familie, psychischer und physischer Gewalt und bei Stalking. Im Bereich der häuslichen Gewalt erhalten die Opfer Schutz- und Sicherheitsberatung nach dem Gewaltschutzgesetz. Telefon 0821/6502670.

Wildwasser Augsburg e. V.

Der gemeinnützige Verein Wildwasser bietet Mädchen und Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind oder waren, Hilfestellung an. Telefon 0821/154444.

Frauenhaus Augsburg Das Frauenhaus ist eine Einrichtung, die Schutz und Sicherheit bietet für von Gewalt betroffene oder bedrohte Frauen und deren Kinder. Adresse: Rosenaustraße 38, 86150 Augsburg, Telefon 0821/2290099.

Quelle: Landratsamt


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